Sinsheim - Neben dem kuriosen Spielverlauf mit einem 3:3 am Ende ereignete sich bei im Spiel zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und Borussia Mönchengladbach eine ganz spezielle Szene: Beim Stand von 2:3 wechselte Fohlen-Trainer André Schubert in der 80. Minute Nico Elvedi für Julian Korb ein. Schubert gab dem jungen Elvedi beim Wechsel zwei Zettel mit auf den Platz - mit Anweisungen für Granit Xhaka und Lars Stindl. "Wenn sie es lesen, wissen sie genau, was zu tun ist", sagte Schubert im Anschluss an die Partie.

"Das waren keine Harry-Potter-Zettel", fügte Schubert lachend hinzu. Grundsätzlich mache er das nicht, aber er habe auf einigen Positionen umgestellt, da habe es sich angeboten, zentralen Spielern Anweisungen zukommen zu lassen. Und dann erzielte Fabian Johnson mit seinem zweiten Treffer ja auch noch den Ausgleich.

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Die Harry-Potter-Referenz benutzte Schubert übrigensdeshalb, weil ein italienischer Reporter ihn jüngst wegen der Erfolgsserie mit dem Held der Schriftstellerin J.K. Rowling verglichen hatte. Schubert antwortete damals: "Wir haben keinen Zauberstab und keine Zaubersprüche. Gezaubert wird nur auf dem Platz."

Schubert weiter auf Rekord-Kurs

Zwei Tage frei und Durchatmen sind nun bei der Borussia aus Mönchengladbach nach einer aufregenden Woche angesagt. Schubert befiehlt Krafttanken, das ist besonders wichtig nach so einem Kraftakt wie am Samstag in Hoffenheim. Der Trainer war stolz auf seine Mannschaft, die einen 1:3-Rückstand noch in ein 3:3 verwandelt hatte. Dabei steckte dem Team noch ein kräftezehrender Champions-League-Abend in den Knochen, der mit dem 4:2 gegen den FC Sevilla vergangenen Mittwoch auch noch zu einem außergewöhnlichen emotionalen Triumph wurde. "Sich nach so einer Woche und dem Rückstand noch einmal so zusammenreißen, ist bewundernswert", lobte Schubert also seine Elf nach dem 3:3 in Sinsheim.

Die Serie der Borussia unter ihrem neuen Trainer hat also weiter Bestand, mit dem neunten Bundesligaspiel ohne Niederlage (sieben Siege) überflügelte Schubert sogar Clublegende Udo Lattek, der bislang den Rekord an ungeschlagenen Auftaktspielen gehalten hatte. Aber Schubert ist sehr bemüht, die Dinge zu relativieren. Er werde keine Frage mehr beantworten, in der er als alleinverantwortlicher Serienheld bezeichnet werde, stellte der 44-Jährige klar. Der Erfolg sei eine gemeinsame Anstrengung aller Beteiligten bei der Borussia, erklärte Schubert. Lob bekommt er ja ohnehin genug, seitdem er sich vom Übergangs- zum Cheftrainer gewonnen hat.

Mit "großem Herz" jetzt gegen Bayern

Die frühe Führung von Johnson (5.) nach einem Traumpass von Mahmoud Dahoud machte die Borussia ein bisschen zu selbstsicher. "Wir haben in der ersten Halbzeit dann nur noch gespielt und gespielt, sind aber nicht mehr in die Tiefe gekommen", bemängelte Schubert. Die Folge: Hoffenheim kam vor der Pause gegen auch zu sorglos verteidigende Gladbacher zu zwei Toren durch Steven Zuber (12.) und Eugen Polanski (35.). Und als der starke Nadiem Amiri nach einem Blackout von Stindl kurz nach der Pause das 3:1 gelang, schien die Serie der Borussia zu reißen.

Tat sie aber nicht, weil die Mannschaft "großes Herz und großen Willen" (Schubert) zeigte. Der Trainer ist jetzt erst einmal froh, dass sein Kader sich eine ganze Woche auf das Spiel gegen den FC Bayern München vorbereiten kann. Spiele im Dreitagesrhythmus seien "schon anstrengend" gab Schubert zu. Und weiterhin wird es nicht langweilig werden bei der Elf vom Niederrhein.

"Egal, wie es laufen wird gegen eine der drei besten Mannschaften der Welt, es wird spannend", ahnt Schubert. Sportchef Max Eberl sagt forsch: "Nächste Woche wollen wir die Überbayern ärgern." Und Granit Xhaka erklärt: "Wir haben Respekt vor den Bayern, aber keine Angst."

Aus Sinsheim berichtet Tobias Schächter