München - Die Bundesliga begeistert die Menschen auf der ganzen Welt. Viele deutsche Auswanderer sind dabei ihren Lieblingsvereinen auch nach ihrem Wegzug aus Deutschland treu geblieben. Sie holen sich auf ganz unterschiedliche Weise ein Stückchen Heimat in die entferntesten Winkel dieser Welt und fiebern weiter mit ihrem Club mit.

Viel weiter weg von Deutschland als der Anwalt Jürgen Schubach dürfte jedoch kaum ein Fan wohnen. Den 54-Jährigen hat es nach Christchurch in Neuseeland verschlagen. Auch am anderen Ende der Welt verfolgt der glühende Anhänger des 1. FC Köln jedes Spiel seines Lieblingsvereins, bei dem er auch eingetragenes Mitglied ist. bundesliga.de hat mit ihm gesprochen.

bundesliga.de: Herr Schubach, seit wann und warum leben Sie in Neuseeland?

Jürgen Schubach: Wir leben seit Ende Februar 2003 in Neuseeland, waren als Familie aber 1993/94 schon einmal ungefähr neun Monate in Neuseeland. Der Traum Neuseeland wurde lange von mir alleine gehegt und begann Mitte der achtziger Jahre aufgrund der Durchsetzung der atomfreien Zone durch den damaligen, deutschstämmigen Premierminister David Lange. Als ich im Mai 1991 meine spätere Gattin, die aus Eisenach in der ehemaligen DDR stammt, kennenlernte, war dieser Plan schon eine Weile alt. Die Daueraufenthaltsgenehmigung erhielten wir erst Anfang 2000, und danach hatten wir insgesamt noch drei Jahre Zeit, um den nun rechtlich möglichen Schritt in die Tat umzusetzen. Wären wir erst im März 2003 in Neuseeland angekommen, wäre unsere "Permanent Residency" bereits ungültig gewesen. Also mussten wir gegen Ende 2002 die endgültige Entscheidung treffen: Jetzt oder nie!

bundesliga.de: Welche Verbindung haben Sie zum Fußball? Haben Sie selbst gespielt?

Schubach: Seit ich denken kann, ist Fußball meine Lieblingssportart. Gespielt habe ich selbst nur in einer Schülermannschaft, und zwar auf jeder Position außer im Mittelfeld.

bundesliga.de: Seit wann sind Sie Fan des 1. FC Köln und seit wann Mitglied?

Schubach: Als ich acht Jahre alt war, nahm mich mein Vater mit zu einer Nachbarin, weil wir nur die ARD empfingen, die Nachbarin aber auch schon das ZDF. Man schrieb den 24. März 1965. Der FC stand im dritten Spiel gegen den FC Liverpool im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister. So erlebte ich mit, wie Wolfgang Weber mit gebrochenem Wadenbein spielte, der "Unparteiische" aus Belgien Köln einen klaren Elfmeter nicht gab, ein regulär erzieltes Tor durch Heinz Hornig nicht anerkannte und einen Platzverweis gegen den englischen Stürmer Yeats versagte, obwohl dieser Hannes Löhr einen Faustschlag versetzt hatte. Mitglied wurden meine Gattin und ich erst nach dem Aufstieg mit Friedhelm Funkel im Mai/Juni 2003, als wir bereits in Neuseeland waren.

bundesliga.de: Wie kam es dazu?

Schubach: Die Kölner Boulevard-Zeitung "Express" schaltete eine Anzeigenserie mit dem Titel "Folgen Sie Ihrem Instinkt. Werden Sie mit Express FC-Mitglied." Im Sonntags-Express vom 1. Juni 2003 erschien dann auf Seite 25 die Meldung mit der Schlagzeile: "Express vermittelt dem FC ein neues Mitglied in Neuseeland."

bundesliga.de: Welches besonderes Erlebnis verbindet Sie mit dem FC?

Schubach: Mein Vater war Vorstandsvorsitzender des 1979 in Bielstein/Rheinland gegründeten Fan-Clubs "Freundeskreis des 1. FC Köln Oberberg e.V.", ich eine Zeit lang Geschäftsführer. Bei einer der von uns organisierten Busfahrten nach Müngersdorf fuhren zwei Schmalfilmer mit, die das Bundesligaspiel von der Plattform des Fernsehens aus filmen durften. Dabei lernte ich den legendären Stadionsprecher Hans-Gerd König kennen, der sogar eine Durchsage anlässlich unserer Anwesenheit machte.

bundesliga.de: Was war Ihr schönstes Erlebnis mit dem FC?

Schubach: Natürlich das Double 1978 und die Begeisterung beim Hochlebenlassen am Geißbockheim, wo der legendäre Hennes Weisweiler zu den Fans sprach. Der Name Hennes Weisweiler fällt ja bis heute in Köln quasi unter das Betäubungsmittelgesetz, darf also nicht mal genannt werden, sonst ist sofort jeder "high".

bundesliga.de: Wann haben Sie den FC das letzte Mal live im Stadion gesehen?

Schubach: Das war am 27. September 2003, beim Heimspiel gegen den SV Werder Bremen. Dass wir da auch noch Otto Rehhagel sahen, verdarb uns allerdings ein wenig die Stimmung, weil wir nicht vergessen haben, dass die von ihm damals trainierte Dortmunder Borussia 1978 mit 0:12 gegen Mönchengladbach verlor. Trotzdem konnte der FC seinen größten Triumph feiern. Gott sei Dank wurde er damals vom BVB sofort entlassen! Entschädigt wurden wir aber schnell, als am Tisch der Alt-Internationalen Wolfgang Weber mit uns Gulasch aß und Kölsch trank.

bundesliga.de: Was bekommen Sie down under von Ihrem Lieblingsverein mit?

Schubach: Praktisch alles, da ich fast jeden Tag die FC-News beim "Express" online lese, dazu die "Kölnische Rundschau", "Kicker" und natürlich bundesliga.de.

bundesliga.de: Wie informieren Sie sich über die Bundesliga und den FC? Wie verfolgen Sie die Spiele?

Schubach: Wir laden uns jeden Samstag die ARD-Sportschau, für das späte Spiel auch das Aktuelle Sport-Studio des ZDF herunter! Die Spiele des FC verfolgen wir aber als erstes über FC-TV.

bundesliga.de: Teilen Ihre Freunde in Neuseeland Ihre Begeisterung?

Schubach: Wir haben einen neuseeländisch-österreichischen Freund, der Anhänger des TSV 1860 München ist. Er kommt regelmäßig zum Fußball zu uns und ist schon ein halber FC-Fan geworden. Ja, dieser Mann teilt unsere Begeisterung für den FC mit uns. Ein anderer ist Hamburger und HSV-Fan, "gewährt" uns sogar die Punkte im direkten Duell, wenn der FC sie dringender als der HSV braucht, weil er den FC als Bundesliga-Urgestein ansieht, der das verdient habe.

bundesliga.de: Wie wird in Neuseeland über die Bundesliga berichtet? Welche Vereine sind bekannt? Welches Image hat sie?

Schubach: Überhaupt nicht. Nur die deutsche Welle bringt sekundenlange Ausschnitte und die Ergebnisse auf englisch. Wegen Wynton Rufer immer noch der SV Werder Bremen und der ewige FC Bayern München. Da aber nicht viel berichtet wird, kann die Bundesliga auch kein Image haben.

bundesliga.de: Welchen Stellenwert hat der Fußball in Neuseeland? Wie ausführlich wird berichtet?

Schubach: Leider einen sehr geringen. Es wird kaum berichtet. Hier steht Rugby im Vordergrund. Meine Frau und ich sind sich einig, dass wir uns noch nicht einmal dann das Endpiel um die Rugby-Weltmeisterschaft anschauen würden, wenn das Stadion vor unserer Haustüre wäre und wir neben dem Premierminister sitzen könnten. Wir haben noch kein Rugby-Spiel gesehen, und das wird auch so bleiben.

bundesliga.de: Wurde die Bundesliga durch einen Spieler wie Wynton Rufer in Neuseeland populärer?

Schubach: Kaum!

bundesliga.de: Wie sehr leiden Sie mit dem FC in dieser Saison?

Schubach: Schrecklich. Das Spiel in Hannover war so, dass uns das erste Mal förmlich die Galle übergelaufen ist. Meine Frau sagte zu mir: Schreib doch dem Wolfgang Overath eine E-Mail, der soll den Soldo entlassen. Ich antwortete: Das brauche ich nicht. Das macht der Wolfgang schon. Ich hatte Recht!

bundesliga.de: Schafft der FC den Klassenerhalt?

Schubach: Ja, mit Frank Schaefer und Dirk Lottner schafft der FC das!

Das Interview führte Tobias Gonscherowski