Glasgow - Dank Bundesliga-Profi Thomas Müller rückt die Teilnahme an der Europameisterschaft 2016 in Frankreich immer näher. Mit zwei Toren und einer Vorlage führte der unnachahmliche Stürmerstar von Bayern München die deutsche Mannschaft in Schottland am Montag zu einem 3:2 (2:2) - die Qualifikation für die EM 2016 ist dadurch nur noch Formsache.

Ein Punkt gegen Irland am 8. Oktober fehlt noch, um das Ticket nach Frankreich zu lösen. Selbst im Falle einer Niederlage würde dafür ein Heimsieg gegen Georgien drei Tage später auch noch reichen. "Es war ein schweres Spiel, weil Schottland nichts für ein gutes Spiel getan hat. Sie haben auf Standardsituationen gesetzt, da haben wir zwei Tore kassiert. Ansonsten haben wir keine Chance aus dem Spiel zugelassen. Es gab wenig Räume, wir mussten die Mischung aus Dynamik und Geduld finden", äußerte sich Bundestrainer Joachim Löw nach dem Spiel.

Es "müllert" in Schottland

Müller erwies sich in einer hochklassigen, sehr kampfbetonten Begegnung wieder einmal als unverzichtbar. Im Glasgower Hampden Park erzielte er sein siebtes Tor in der laufenden Qualifikation mit einem abgefälschten Schuss (18.), zum 2:1 wurschtelte der 25-Jährige den Ball über die Linie, wie nur er es kann (34.). Den Siegtreffer des in die Startelf gerückten Ilkay Gündogan (54.) legte er auf. Der Sieg war gegen die aufopferungsvoll kämpfende Schotten und ein fanatisches Publikum ein hartes Stück Arbeit. Zwei Standardsituationen hatten den Gegner jeweils zurück ins Spiel gebracht: Mats Hummels (28.) unterlief ein unglückliches Eigentor zum zwischenzeitlichen 1:1, James McArthur (43.) traf nach einem Eckball zum 2:2.

Nach der überzeugenden Leistung gegen Polen, allgemein als bestes deutsches Spiel seit dem WM-Finale eingeschätzt, hatte Joachim Löw keinen Anlass zu großer Rotation gesehen. Der Bundestrainer entschied sich dennoch für eine Änderung: Ilkay Gündogan (Borussia Dortmund) hatte in Frankfurt als Joker geglänzt und sich einen Platz in der Anfangsformation verdient, den er mit seinem Tor rechtfertigte. Karim Bellarabi saß dafür auf der Bank. 

Tolle Atmosphäre im Hampden Park

Löw hatte mit Recht vor der "aufgeheizten Atmosphäre" im Hampden Park gewarnt, 52.000 Fans intonierten ihr "Flower of Scotland" mit besonderer Inbrunst. Auf dem Platz erwarteten die Schotten die Weltmeister kurz vor ihrem Tor mit bis zu sechs Verteidigern auf einer Linie, was aber gegen die deutsche Offensivkraft manches Mal nicht ausreichte. Zunächst aber war es für Mesut Özil, Toni Kroos und auch Gündogan sehr schwierig, die offensiven Müller und Mario Götze vernünftig ins Passspiel einzubeziehen. Außerdem irritierten die Gastgeber den deutschen Aufbau wiederholt mit kurzen Pressingphasen. 

Müllers Tor kam daher wie gerufen. Trotz eines Remplers von Scott Brown schloss der derzeit beste Bundesliga-Schütze zentral aus 18 Metern ab, er traf das Schienbein von Russell Martin, und der Ball trudelte ins Tor - unhaltbar. Fortan waren die Schotten auch offensiv gefordert, aber zunächst einmal nur bis zum überraschenden Ausgleich. Nach einem Freistoß von Shaun Maloney wollte Manuel Neuer mit den Fäusten klären, er boxte den Ball aber an den Oberschenkel von Hummels, der keine Chance mehr hatte, zu reagieren.

Mit starker Teamleistung zurück nach Deutschland

Beeindruckt war die deutsche Mannschaft jedoch nicht sonderlich: Es gibt ja Thomas Müller, auf den kurz darauf wieder Verlass war. In leichter Rücklage köpfte er den Ball aus dem Gewühl an den Innenpfosten und somit über die Torlinie. Zuvor war Emre Can aus bester Position an Torhüter David Marshall gescheitert.  Beim 2:2 stellte sich die deutsche Abwehr dann allerdings erneut sehr unglücklich an. Gündogan hob bei McArthurs Schuss das Abseits auf, Neuer war geschlagen. 

Auch Götze, Doppeltorschütze des Polen-Spiels, zeigte bis zu seiner Auswechslung (86.) wieder eine gute Leistung. Nur im Abschluss hatte er diesmal kein Glück, wie auch seine Kollegen bei einigen weiteren guten Chancen in der zweiten Halbzeit. Dadurch blieb es lange spannender, als dem klaren Favoriten lieb sein konnte. 

SID