München - Autsch! Das hat richtig wehgetan. Bayerns Claudio Pizarro bekommt im Training einen Ball mit voller Wucht aus drei Metern Entfernung an den Rücken geknallt. Der Übeltäter: Lucas Scholl. Ja, richtig, Bayern hat wieder einen Scholl in seinen Reihen. Es ist der Sohn des ehemaligen Bayern-Stars Mehmet. Wie früher der Vater spielt der Filius ebenfalls im Mittelfeld.

Schmale Schultern, dünne Beine - die optische Ähnlichkeit zwischen Vater und Sohn ist unverkennbar. Auch die fußballerischen Eigenschaften von Scholl senior und junior sind identisch: Dribbelstärke, Passsicherheit, Spielwitz - und auch ein bisschen Frechheit. Denn für seine "Attacke" auf den doppelt so alten Pizarro entschuldigt sich Scholl nicht, sondern lächelt verschmitzt.

 Youngster dürfen sich beweisen

Doch das kennt Pizarro ja bereits. Er spielte schon mit Scholl Senior zusammen beim deutschen Rekordmeister.

Sohnemann Lucas ist einer von mehreren Jugendspielern, die Coach Pep Guardiola zum Start der Vorbereitung hochgezogen hat, um den Kader bis zur Rückkehr der WM-Fahrer aufzufüllen. "Wir arbeiten mit den jungen Spielern und lernen sie kennen", sagte Guardiola. Und die machen ihre Sache gut. Mit Selbstvertrauen mischt unter anderem Scholl (r., mit Robert Lewandowski) im Training mit, zeigt bei den diversen Spielformen, dass er mit Franck Ribery, Lewandowski und Co. mithalten kann.

Gaudino junior mischt ebenfalls mit

Bei den beiden Testspielen gegen Memmingen (3:0) und Duisburg (1:1) kam Scholl junior, der eigentlich noch in der A-Jugend spielen darf, zu Einsätzen. An seiner Seite agierte ein 17-Jähriger, bei dessen Nachnamen ebenfalls jeder Fußballkenner hellhörig wird: Gaudino. Vorname: Gianluca. Der Mittelfeldspieler ist der Sohn des ehemaligen Bundesliga-Profis Maurizio, der einst für Eintracht Frankfurt und den VfB Stuttgart am Ball war.

Der heutige Spielerberater freut sich über die Entwicklung des eigenen Sohnes und auch die des jungen Scholl. "Sie machen das klasse, beide sind mit viel Freude bei der Sache, sie sind sehr variabel, als Vater ist das natürlich schön mit anzuschauen", sagte Gaudino senior zu "Sport1".

Keine Testspielminute verpasst

Obwohl Teenager Gaudino (Bild) im Training noch etwas verhalten wirkt, hält Guardiola offenbar große Stücke auf das Talent. In beiden Testspielen ließ Guardiola Gaudino jeweils von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Feld. Nicht zuletzt deshalb ist es für Papa Gaudino "eine große Freude, meinen Sohn bei seiner guten Entwicklung zu beobachten". Beim Telekom-Cup in Hamburg winkt den Nachwuchstalenten die nächste Bewährungsprobe in Guardiolas Team.

Um im Fußball-Geschäft zu bestehen, haben Scholl und Gaudino junior von ihren Vätern nicht nur das fußballerische Talent geerbt, sondern auch das richtige Arbeits-Ethos. Nur reinschnuppern, das reicht Gaudino und Scholl junior nicht. Sie wollen dauerhaft dabeibleiben.

Während die großen Stars nach einer anderthalbstündigen Trainingseinheit schon den Weg in die Kabine antraten, übten Gaudino, Scholl und Pierre-Emile Hojbjerg noch Torschüsse aus 20 Metern. Diesmal tat es niemandem weh, das Tor war leer - und Pizarro längst in der Kabine.

Aus München berichtet Christoph Gailer