Bevor Giovanni Zarrella zu einer festen Größe in der Musikbranche wurde, stand er in der Jugend beim AS Rom, dem VfB Stuttgart und dem SSV Reutlingen auf dem Platz. Der Deutsch-Italiener hängte seine Fußballschuhe aber an den Nagel, nachdem er beim Popstars-Casting für die Band Bro‘Sis ausgewählt wurde. Heute ist Zarrella als Solokünstler sehr erfolgreich. Im Zuge der Prosieben-Dokusoap "Pizza, Pasta und Amore" hat er nicht nur ein eigenes Restaurant in Köln ("78") eröffnet, sondern auch an neuen Songs gearbeitet. Das Album "Ancora Musica" sowie die Single "I can t dance alone", die er mit seinem ehemaligen Bro Sis-Band-Kollegen Ross aufgenommen hat, platzierten sich erfolgreich in den Charts. Mehr Infos zur Single und zum Album sowie zu den kommenden Terminen gibt es auf www.giovanni-zarrella.de. Während der WM 2010 schreibt er seine eigene Kolumne auf bundesliga.de.

Es ist kaum vorstellbar, doch so kurz nach dem Ausscheiden der italienischen Mannschaft bin ich unfassbar entspannt. Ich weiß nicht, wieso. Wenn man schon rausfliegt, dann ist es vielleicht gut so, früh rauszufliegen. Dann fängt man gar nicht erst an, sich Hoffnungen zu machen. Ich habe ja auch gesehen, dass es in den zwei Spielen zuvor und auch in der Vorbereitung nicht ganz rund lief. Es gab viele Unstimmigkeiten. Die Stimmung in der Mannschaft wirkt nicht sehr harmonisch. Wäre man weitergekommen, hätte man gegen die Niederlande spielen müssen, danach wohl gegen Brasilien. Der Weg wäre noch ein sehr harter und steiniger Weg gewesen.

Die Kritik richtet sich in Italien jetzt natürlich in erster Linie gegen Marcello Lippi. Da hacken sie alle auf ihm rum. Ich traue mich das nicht. Ich kann den Trainer einfach nicht kritisieren. Er hat uns vor vier Jahren ein wunderschönes Sommermärchen geschenkt. Auch das Gerede darüber, dass die Mannschaft zu alt sei, kann ich nicht nachvollziehen. Klar, Fabio Cannavaro ist 37 Jahre alt. Trotzdem ist er noch immer ein erstklassiger Verteidiger. Auch ein Gianluca Zambrotta ist 33. Doch es gibt nur wenige Rechtsaußen, die besser sind als er. Ich glaube eher, Lippi hat die Mannschaft nicht mehr richtig erreicht. Die Mischung hat nicht ganz gepasst. Den Confed-Cup hatten wir schon komplett verhauen. Da haben wir uns von den Brasilianern drei Buden einschenken lassen. Kurz gesagt: Es war kein Kollektiv. Und eine WM gewinnst du nur mit einem Kollektiv.

Drei Tore in einem Spiel, das war leider auch gegen die Slowakei so. Da sind wir Italiener sehr überrascht worden. Denn drei Tore in einem Spiel kassieren unsere Jungs fast nie. Ich kann mich an nur drei Spiele erinnern, in denen Italien drei Gegentore hinnehmen musste. Unsere Abwehr hat gegen die Slowaken in einigen Szenen schon geschlafen. Man hat aber auch gesehen, dass Federico Marchetti kein Gianluigi Buffon ist. Von den drei Dingern hätte Buffon zwei rausgefischt. Ich rede vom zweiten Gegentor auf den kurzen Pfosten. Da muss der Torhüter auch dort stehen - und zwar komplett auf den kurzen Pfosten orientiert. Und wäre Marchetti beim dritten Gegentor nicht so amateurhaft rausgekommen, sondern stehengeblieben, hätte er sich den Ball womöglich auch gekrallt. Verletzungen gehören aber leider zum Fußball dazu. Vor allem bei einer WM. Das war nun einmal der zweite Torwart. Und der hat seine Aufgabe leider nicht richtig gut gemacht - genauso wie der Rest der Mannschaft auch nicht.

Nun bekommt Cesare Prandelli die Chance, eine neue Mannschaft zu finden. Da werden auch viele junge Spieler sicher eine Chance bekommen. Er wird einen Antonio Cassano mit einbinden und versuchen, einen Mario Balotelli mit reinzunehmen. Junge Leute, die dann zwei Jahre Zeit haben, Erfahrungen zu sammeln, so dass wir bei der EURO 2012 vielleicht schon wieder eine große Rolle spielen können.

Aber keine Angst, der Fernseher wird für die restliche Zeit der WM nicht ausbleiben bei mir. Meine Frau ist Brasilianerin, die will auf jeden Fall Fußball gucken. Wir schauen uns auch weiterhin alle Spiele an. Natürlich macht es mehr Spaß, wenn man seinem Heimatland die Daumen drücken kann. Aber jetzt gucke ich mir die Deutschen an, oder auch Argentinien.

Ich gebe zu, ich würde mich freuen, wenn Argentinien Weltmeister werden würde. Das wäre einfach toll für Diego Maradona. Der wurde so oft kritisiert und hat in der öffentlichen Wahrnehmung leider nie eine Rolle wie ein Franz Beckenbauer oder ein Pele inne gehabt. Dabei war er ein viel großartigerer Spieler als die beiden. Er hatte nur viele Probleme im Privatleben. Ein WM-Titel würde sein Standing in der Öffentlichkeit vielleicht ändern.

Nach dem Ausscheiden von Fußballgrößen wie Italien oder Frankreich gibt es nun Achtelfinals, bei denen klar ist, dass Mannschaften mindestens ins Viertelfinale kommen, die man nicht auf der Rechnung hatte. Ich rede von Spielen wie Uruguay gegen Südkorea oder auch Paraguay gegen Japan. Das ist für diese Außenseiter eine schöne Geschichte. Für die Fans, die mit den "Großen" der Fußballwelt gerechnet haben, ist es vielleicht nicht so schön.

Allerdings gibt es auf der anderen Seite dafür schon in der ersten K.o.-Runde Duelle wie Deutschland gegen England. Was den Ausgang dieses Klassikers angeht, bin ich optimistischer als viele Deutsche, mit denen ich gesprochen habe. Von zehn Deutschen befürchten acht, dass ihre Mannschaft jetzt rausfliegt. Ich verstehe diesen Pessimismus nicht. Vielleicht hat es was mit der Leistung im Spiel gegen Ghana zu tun. Das sah nicht immer gut aus. Und hätten die Ghanaer das eine oder andere Mal den Fuß gerade hingestellt, hätten sie auch getroffen und vielleicht auch gewonnen. Aber man ist weiter und ab jetzt macht Deutschland ernst! Aufgrund der schwachen Defensive der Engländer gehe ich davon aus, dass die Deutschen weiterkommen, egal wie jung und unerfahren sie auf vielen Positionen sein mögen. Ich rechne mit einem knappen 1:0-Sieg für Jogis Jungs. Es gibt keine Verlängerung und auch kein Elfmeterschießen.

Ihr

Giovanni Zarrella