Manchmal sagen die Spielstatistiken einer Bundesliga-Partie gar nicht so viel aus über den wahren Spielverlauf. Die Begegnung 1. FC Köln gegen Schalke 04 ist so ein Beispiel.

Da sprachen die meisten Fakten für die Schalker: Ballbesitz 55 Prozent, gewonnene Zweikämpfe 57 Prozent, Flankenverhältnis 27:11. Alles schön und gut. Genutzt hat es dem bisherigen Bundesliga-Primus aber nichts.

Hochverdient verloren die Schalker gegen den Aufsteiger aus der Domstadt mit 0:1.

Müller enttäuscht

Denn in einer Statistik waren die Gelsenkirchener ihrem Gastgeber hoffnungslos unterlegen, nämlich bei den Torschüssen. 19:6 hieß es am Ende für den wild entschlossen auftretenden FC, dem wenigstens das eine Tor durch Youssef Mohamad kurz vor dem Halbzeitpfiff gelang, das am Ende den Unterschied ausmachte.

"So wie in der ersten Halbzeit habe ich die Mannschaft noch nie gesehen. Wir haben in der Vorwärtsbewegung sehr viele Fehler gemacht, Köln absolut in die Karten gespielt", konstatierte Schalkes Manager Andreas Müller.

Zu viel gespielt, zu wenig gekämpft

Schalke konnte den eigenen hohen Ansprüchen nie gerecht werden. Der Meisterschaftsanwärter trat in Köln mit Ausnahme der fehlenden Manuel Neuer (noch Trainingsrückstand) und Fabian Ernst (gesperrt) in Bestbesetzung an und erspielte sich erst in der Nachspielzeit die einzige hochkarätige Torchance durch Joker Halil Altintop.

Bei der Ursachenforschung brachte es Schalkes Mittelfeldrackerer Jermaine Jones auf den Punkt: "Wir haben versucht, nur Fußball zu spielen und haben es versäumt, auch mal hinzulangen, so wie es die Kölner getan haben. Wenn man mit einem anderen Willen hier reingeht, dann kann man auch etwas mitnehmen."

Nur Fährmann stark

Die Einstellung monierte auch Ivan Rakitic: "Es darf nicht mehr passieren, dass wir so spielen. Die Kölner waren aggressiv und haben gekämpft, wir hingegen waren nicht bei hundert Prozent." Außer dem starken Keeper Ralf Fährmann erreichte kein Schalker Normalform.

"Wir hatten einen ganz schlechten Tag", gestand Schalkes Millionen-Einkauf Orlando Engelaar, dem die Umstellung von der niederländischen Eredivise auf die Bundesliga noch sichtlich schwer fällt. "Spielweise, Tempo alles ist ein bisschen größer und besser als ich es gewohnt war. Es dauert noch ein bisschen, bis ich mich an das andere Spiel gewöhnt habe."

Erst Nikosia, dann Wolfsburg

Doch es geht in rasantem Tempo weiter auf Schalke. Die nächsten Aufgaben im UEFA-Cup und der Bundesliga warten. "Wir müssen jetzt zusehen, dass wir schnellstens dieses Ergebnis vergessen und uns wieder aufrichten", fordert Müller.

"Wir müssen jetzt im UEFA-Pokal gegen Nikosia unbedingt in die Gruppenphase kommen. Wir haben ein sehr gutes Ergebnis (4:1, die Red.) vorgelegt, aber das ist kein Selbstläufer", warnte der Manager.

Und auch am Wochenende steht eine schwere Aufgabe bevor. Müller: "Dann erwartet uns mit dem VfL Wolfsburg eine Mannschaft, gegen die wir wieder einiges gut machen können." Es ist eine wichtige Woche für Schalke.

Tobias Gonscherowski