Auf leisen Sohlen entfernt sich Hannover 96 von den Abstiegsrängen. Zuletzt holten die heimstarken Niedersachsen endlich wieder einen Zähler auf fremdem Platz. Das 2:2 in Hoffenheim war erst der zweite Auswärtspunkt der Saison für die 96er.

Das große Problem Hannovers ist neben der anfälligen Defensive vor allem die nicht enden wollende Verletzungsmisere. Auch Arnold Bruggink hat ein solch großes Lazarett in seiner Profikarriere noch nicht gesehen.

Über das Verletzungspech der 96er Spieler und die Folgen spricht der Niederländer im Interview mit bundesliga.de. Außerdem erklärt Bruggink die Pros und Contras der Punkteteilungen der vergangenen beiden Spieltage und erklärt, warum Hannover seiner Meinung nach am Saisonende nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird.

bundesliga.de: Herr Bruggink, das 2:2 von Hannover in Hoffenheim war erste der zweite Auswärtspunkt der Saison. Dennoch: Wie wichtig ist dieser Zähler?

Arnold Bruggink: Jeder Punkt zählt, gerade in unserer Situation. Aber wir müssen jetzt in jedem Spiel konzentriert weiter Punkte holen. Da sind natürlich Siege allemal besser.

bundesliga.de: Es war das zweite Unentschieden in Folge. Waren es in beiden Fällen Punktgewinne oder -verluste?

Bruggink: Es geht doch immer um drei Punkte, von daher haben wir bei den beiden Unentschieden vier Punkte verloren. Aber die Spiele waren gut für unsere Moral und das Selbstbewusstsein.

bundesliga.de: Beim 4:4 gegen Dortmund gelang Ihnen ein unglaubliches Tor - ein Eckstoß landete direkt im Netz. War das Ihr bisher schönstes Tor in der Bundesliga?

Bruggink: Nein, das war zwar schon etwas Besonderes, aber ich habe - zumindest aus meiner Sicht - schon viele schöne Tore geschossen.

bundesliga.de: Die Tore gegen den BVB waren Ihre beiden ersten in dieser Saison. In den beiden Spielzeiten zuvor waren Sie jeweils sechs Mal erfolgreich, aber dafür zeichnen Sie sich anno 2008/09 als Vorbereiter aus. Haben Sie etwas an Ihrem Spiel geändert?

Bruggink: Ich habe nichts geändert. Ich war immer schon mal Vorbereiter, mal Vollstrecker. Zum Fußball gehört auch immer etwas Glück. Das habe ich zurzeit eben eher mit meinen Freistößen und Ecken.

bundesliga.de: 14 Mal haben Sie bislang in der Bundesliga getroffen. Alle Tore erzielten Sie in der Rückrunde. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?

Bruggink: Das kann ich nicht erklären. Aber das Thema wird auch etwas zu hoch gehängt.

bundesliga.de: Ironisch gesagt gleicht Hannover 96 in dieser Saison beinahe einem Lazarett. Haben Sie solch eine Verletzungsmisere je erlebt und wie geht die Mannschaft damit um?

Bruggink: Bisher habe ich so etwas noch nicht erlebt. Aber so langsam haben wir uns daran gewöhnt und gehen damit besser um. Auch wenn es natürlich schwer ist, immer wieder mit neuen Leuten anzutreten. So kommt kaum ein stabiler Rhythmus zustande.

bundesliga.de: Als erster in die Schusslinie gerät bei Misserfolgen immer der Trainer. Wie wichtig ist es für das Team, dass Dieter Hecking so viel Rückendeckung erhält?

Bruggink: Das ist auch gut für die Stabilität im Team, gerade in unserer kritischen Situation.

bundesliga.de: Ob Hinserie oder Rückrunde, die Abwehr bleibt das Sorgenkind Hannovers. Kann die Mannschaft das Problem in den verbleibenden Wochen noch in den Griff bekommen?

Bruggink: Wir sind alle gefordert, da geht es nicht nur um die Abwehr. Das gesamte Team muss mehr für die Defensive tun.

bundesliga.de: Nach der Länderspielpause geht es nach Bremen. Was kann Hannover dort reißen?

Bruggink: Mit dem neuen Selbstbewusstsein ist auch in Bremen ein Punkt oder vielleicht ja sogar der erste Auswärtssieg drin.

bundesliga.de: Vier Punkte steht Hannover vor dem Relegationsplatz. Ist der Abstiegskampf ein Thema in Hannover?

Bruggink: Natürlich, das muss jedem bei uns klar sein. Es gilt nach wie vor, schnell wegzukommen von den unteren Plätzen. Darauf müssen wir uns voll konzentrieren. Denn zurzeit können wir schnell noch nach unten reinrutschen.

bundesliga.de: Warum wird Hannover am Saisonende über dem ominösen Strich stehen und erstklassig bleiben?

Bruggink: Wir haben gute Spieler, werden jetzt einen Rhythmus finden und uns über konzentrierten Kampf auch spielerisch stabilisieren. Dann ist der Abstieg letztlich doch kein Thema mehr.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz