Die Eckdaten des Anforderungsprofils waren erfüllt, die Erwartungen klar formuliert: "Boubacar spricht nicht nur Deutsch, er kennt noch dazu die Bundesliga bestens. Sanogo ist der Typus Spieler, der die Lücke nach dem Ausfall von Vedad Ibisevic optimal schließen kann", zeigte sich 1899 Hoffenheims Manager Jan Schindelmeiser vor Wochenfrist überzeugt, in dem von Werder Bremen ausgeliehen Ivorer einen adäquaten Ersatz für seinen am Kreuzband verletzten Top-Torjäger gefunden zu haben.

Viel Zeit zur Akklimatisierung an die Spielweise des Herbstmeisters blieb Sanogo jedoch nicht. Nur vier Tage nach seiner Verpflichtung feierte der 26-Jährige bei der Bundesliga-Premiere des Aufsteigers in der neuen Rhein-Neckar-Arena gegen Energie Cottbus am vergangenen Samstag seinen Einstand - und was für einen!

Effektive Doppel-Spitze mit Ba

Aufgrund von Personalproblemen im Offensivbereich hatte Trainer Ralf Rangnick seine Taktik gegen die Gäste aus der Lausitz auf ein 4-4-2-System umgestellt, in dem der 16-malige Nationalspieler der Elfenbeinküste von Beginn an Seite an Seite mit Demba Ba stürmen sollte. Das Experiment glückte, die Kraichgauer setzten sich am Ende mit 2:0 durch.

"Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Über weite Strecken sind wir so aufgetreten, wie ich mir das vorgestellt habe", erklärte Rangnick nach dem Abpfiff. Dabei dürfte der 50-Jährige auch an sein neues Sturmduo gedacht haben, das nicht nur auf Anhieb harmonierte, sondern vor allem in den entscheidenden Momenten zur Stelle war.

Nachdem Ba nach rund 30 Minuten selbst zum 1:0 eingeschossen hatte, legte der Senegalese seinem Kollegen nach gut einer Stunde das zweite Tor in gewohnt spektakulärer Manier per Hacke auf. "Das Zusammenspiel mit Bouba klappt schon gut. Es ist schön, dass wir beide heute getroffen haben", resümierte der 23-Jährige.

Daten sprechen für Sanogo

Die Match-Statistik sollte dieses positive Fazit bestätigen: Von allen Akteuren auf dem Platz suchten die beiden Afrikaner im Angriff am häufigsten den Abschluss (jeweils vier Mal). "Sanogoal" war sogar an jedem dritten Schuss der Hoffenheimer auf den gegnerischen Kasten direkt beteiligt. Doch damit nicht genug, die Leihgabe aus der Hansestadt fügte sich nahezu nahtlos in den Spielfluss des Teams ein. Mit 45 Ballkontakten war Sanogo aktiver als Ba (32), hinzu kommt eine beachtliche Passquote: 75 Prozent seiner Zuspiele fanden den Weg zum Mitspieler.

Mit anderen Worten: Debüt geglückt - und das durchaus mit Luft nach oben. Zum einen, da Sanogos Zweikampfwerte (31 Prozent gewonnen) ausbaufähig sind. Zum anderen muss man die knappe Eingewöhnungsphase bedenken. In der Kürze der Zeit konnte der Stürmer die Laufwege und Automatismen in der Angriffsmaschinerie des Herbstmeisters allenfalls im Ansatz verinnerlichen.

"Bouba" muss nachlegen

Bei aller Begeisterung für den starken Eindruck, den der Neuzugang bei seinem 88-minütigen Auftritt in der Rhein-Neckar-Arena hinterlassen hat, bleibt allerdings abzuwarten, ob Sanogo diese Leistung bestätigen kann. Schließlich bestach der Torjäger bereits bei seinen Ex-Clubs Werder Bremen und Hamburger SV durch einen Blitzstart, der in den Folgemonaten jedoch mehr und mehr an Strahlkraft verlor.

So legte der Rechtsfuß beim HSV in der Saison 2006/07 los wie die Feuerwehr, schoss vier Tore in den ersten sechs Partien, danach gelang aber nichts mehr. Ein Jahr später lief es auch an der Weser anfangs wie geschmiert. "Bouba" kam, sah und jubelte - sechs Mal in den ersten neun Spielen. Danach ließ seine Treffsicherheit wiederum nach, pendelte der Profi, den der 1. FC Kaiserslautern einst aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in die Bundesliga geholt hatte, zwischen Rasen und Ersatzbank.

"Schmitz' Katz" lebt von der Fitness

Allerdings wurde Sanogo zwischendurch immer wieder von kleineren und größeren Verletzungen aus dem Tritt gebracht. Wie wertvoll der 1,87-Meter-Hüne jedoch bei entsprechender Fitness und Spielpraxis sein kann, zeigte schon seine erste Station in Deutschland: Für den FCK traf der Mann aus Dimbokro 2005/06 in 24 Spielen zehn Mal ins Schwarze - und das für einen Absteiger. Gleichzeitig avancierte "Bobbycar" mit flotten Sprüchen ("Ich geh' ab wie Schmitz' Katz") bei den Pfälzern rasch zum Publikumsliebling.

Auch die Herzen der Hoffenheimer Fans dürften der "Nummer 18" bald zu Füßen liegen - vorausgesetzt, der gläubige Moslem bleibt gesund. Sein enormes Potential hat der 26-Jährige gerade erst angedeutet. Bei seinem neuen Club hält man jedenfalls große Stücke auf ihn, nicht umsonst sicherte sich 1899 eine Kaufoption für den kommenden Sommer. Sanogo hat in seiner Karriere schon so einiges erlebt. Im Kraichgau könnte "Bouba" nun aber sein Glück gefunden haben.


Stefan Missy