Freiburg - 1899 am Boden - und ausgerechnet bei den "kleinen" Freiburgern. Während die SC-Fans ihre Jungs feierten, als hätten sie soeben den Klassenerhalt geschafft, herrschte bei 1899 Hoffenheim nach der Fassungslosigkeit. Die Defensive des Tabellen-Letzten leistete sich haarsträubende Fehler und selbst Torwart-Routinier Tim Wiese ließ sich von der Nervosität seiner Vorderleute diesmal anstecken.

Auch Stoßstürmer Eren Derdiyok war bedient: "Wir hätten die Chance gehabt, da unten rauszukommen", ärgerte sich der Schweizer, "aber wir haben einfach geschlafen." Nicht nur Derdiyok war nach dem Gang in die Fankurve enttäuscht - immerhin gab es neben Protest dort auch viel aufmunternden Applaus.

Hoffenheim startet furios - und kämpft sich zurück



Und zu Spielbeginn sogar frenetischen Jubel, denn die Partie für die Gäste vielversprechend begonnen. Schon nach wenigen Sekunden gingen sie durch Matthieu Delpierre in Führung (2.). Und bis kurz vor Schluss sah es sogar so aus, als könne 1899 zumindest einen Punkt mitnehmen. 3:3 stand es bis zur 83. Minute, weil Boris Vukcevic und Takashi Usami mit einem herrlichen Distanzschuss die Freiburger Führungstreffer jeweils egalisierten.

Markus Babbel betonte auch, wie wichtig es sei, dass sein Team "Moral gezeigt" habe und nach dem jeweiligen Rückstand "zwei Mal wieder zurückgekommen" sei. "Ich hatte kurzzeitig das Gefühl, dass hier auch mehr drin sein könnte." Doch nach dem Freiburger 4:3 brachen bei den Kraichgauern die Dämme. Schließlich musste man im Hoffenheimer Lager froh sein, dass die Freiburger so fahrlässig mit ihren Torschüssen in den Schlussminuten umgingen. "Da sind wir völlig orientierungslos durchs Spiel gelaufen", gab Babbel zu und forderte, die Unkonzentriertheiten in der Defensive nun ein für allemal abzustellen.

Trainer nimmt Wiese aus der Schusslinie



Torwart Tim Wiese, der mit einem Muskelfaserriss zwei Wochen ausfällt, treffe im Übrigen nicht die Hauptschuld an den fünf Gegentreffern: "Kritik üben wir intern. Aber selbst wenn der Torwart mal nicht hinkommt, dürfen die Stürmer nicht so freistehen." Die Schuldfrage sei nicht an einem einzigen Akteur festzumachen, fuhr der Trainer fort. "Wir machen einfach Fehler, die auf diesem Niveau brutal bestraft werden." Allerdings gebe es auch Anlass zu Optimismus: "Wenn wir chancenlos aufgetreten wären, hätte ich jetzt ein Problem."

Der glück- und weiter torlose Derdiyok stieß ins gleiche Horn wie sein Coach: "Wir müssen als Mannschaft konzentrierter spielen. Wenn wir unsere Fehler minimieren, kommen wir da unten auch wieder raus." Schon am nächsten Sonntag gegen Hannover 96 haben die Kraichgauer Gelegenheit zur Rehabilitation.

Müller neuer Manager



Babbel, der bis vor kurzem in Doppelfunktion als Manager und Trainer amtierte, bestätigte derweil auch offiziell, dass er die Vereins-Verantwortlichen darum gebeten hat, ihn zu entlasten und für den Managerposten einen eigenen Mann zu verpflichten. "Nach der Transferperiode brauchen wir wieder einen Manager, weil ich Trainer bin und mir das mehr Spaß macht als der Manager-Posten", sagte er. Am Dienstag gab der Verein prompt die Verpflichtung von Ex-Schalke-Manager Andreas Müller bekannt, der Babbel entlasten soll. Zumindest in der Personalpolitik verläuft bei 1899 alles ohne Umwege und nach Plan.

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf