Ein überschwänglicher Sprücheklopfer war Michael Meier bekanntlich noch nie.

Den nie gefährdeten, etwas glanzlosen 1:0-Arbeitssieg gegen Cottbus hatte der FC-Manager gerade gewohnt routiniert abgearbeitet, da rutschte ihm doch noch ein Bonmot über die Lippen.

"Wenn wir Weihnachten immer noch vor Schalke, Bremen und Bayern stehen, dann sollten wir uns in der Merchandising-Abteilung etwas einfallen lassen", sinnierte der 58-Jährige. "Vielleicht bringen wir dann eine Weihnachtskugel mit dem Tabellenstand heraus."

Fans im Rausch

Die Kugel würde sicherlich reißenden Absatz finden. Denn der Hype um den Traditionsverein ist in der Rheinmetropole kaum noch zu toppen. Die Fans berauschen sich an ihrem FC, der mittlerweile in der Bundesliga angekommen zu sein scheint und nach dem eher holprigen Saisonstart eine erstaunliche Konstanz hineinbekommen hat.

Den Zahlen nach erreicht der 1. FC Köln mit minimalem Aufwand maximalen Ertrag. Mit gerade einmal acht Toren, von denen allein der stürmende Mannschaftskapitän Milivoje Novakovic fünf erzielte, haben die Domstädter 13 Punkte eingefahren.

"Die Mannschaft hat sich weiterentwickelt"

Garant für die Erfolge ist die bärenstarke Abwehr mit der bislang überragenden Innenverteidigerpaarung Pedro Geromel und Youssef Mohamad. Mit nur neun Gegentoren in acht Spielen stellt der FC zusammen mit Hertha BSC hinter Schalke (8 Gegentreffer) die zweitbeste Abwehr der Bundesliga.

Den Erfolg gegen Cottbus stuft FC-Trainer Christoph Daum als "unglaublich wertvoll" ein. "Wir haben uns gut in die Liga hineingearbeitet", freut sich Daum, der den dritten "Dreier" in Serie mit der zum dritten Mal unveränderten Startformation realisierte. "Jeder hat gesehen, dass sich die Mannschaft weiterentwickelt hat."

Meier tritt auf die Bremse

Nach den guten Resultaten der letzten Wochen strotzen die Spieler vor Selbstvertrauen. "Das sieht man daran, wie sie den Ball laufen lassen, wie sie kaum Torsituationen zulassen und mit einer unglaublich hohen taktischen Disziplin, Ballsicherheit und Passsicherheit auftreten", lobt der Coach.

Von einer Euphorie will Manager Meier dennoch nichts wissen. "Wir brauchen unser Ziel, uns ambitioniert in der Bundesliga zu etablieren, nicht zu korrigieren. Cottbus war lediglich eine Wiedergutmachung dafür, dass wir gegen Frankfurt und Bielefeld Punkte liegen gelassen haben", stapelt Meier tief. "Im Fußball ist eine Satisfaktion nicht erlaubt. Wenn man sich jetzt zurücklehnt und sich auf die Schenkel klopft, wird man morgen überrascht."

Freude auf das Derby

Angesichts des kommenden Gegners dürfte die Gefahr, dass die Kölner Kicker abheben, eher gering sein. Denn bereits am Freitag steht das prestigeträchtige rheinische Derby bei Bayer Leverkusen an.

"Jetzt müssen wir gegen eine absolute Spitzenmannschaft wie Bayer Leverkusen, die sicherlich um die Champions League-Plätze mitspielt, zeigen, wozu wir auch in solch einem Spiel auswärts in der Lage sind", schaut Christoph Daum nach vorn; "Ich freue mich riesig auf diese Begegnung."

Danach weiß auch Michael Meier, ob er vielleicht doch noch einen neuen Fanartikel fürs Weihnachtsgeschäft in Auftrag geben muss...

Tobias Gonscherowski