München - In drei Tagen ist es soweit. Dann gibt Bundestrainer Joachim Löw seinen Kader für die EURO in Polen und der Ukraine bekannt. Vier Mitglieder des vorläufigen Aufgebots wird Löw noch streichen. Im Testspiel heute gegen die Schweiz (ab 17:45 Uhr im Live-Ticker) haben die Wackelkandidaten zum ersten und letzten Mal die Möglichkeit, sich als unentbehrlich für die Europameisterschaft zu erweisen.

"In dem Moment, wo die Entscheidung fällt und mitgeteilt wird, spielt eine gewisse Emotionalität eine Rolle, das ist klar. Natürlich tut es auch mir weh, die Spieler enttäuschen zu müssen. Ich sehe ja, dass hier jeder einzelne zwei Wochen lang mit großem Engagement um die EM-Plätze kämpft", meinte Löw im Trainingslager im französischen Tourrettes.

Nicht dabei sein werden die Spieler des FC Bayern, die nach der "Extraschicht" mit dem Champions-League-Finale noch geschont werden. So kann Löw in Basel auf 19 Spieler zurückgreifen.

Ottmar Hitzfeld will in der Abwesenheit vieler Stammspieler beim Gegner jedoch keinen Vorteil für seine "Nati" sehen. "Die Europameisterschaft steht kurz bevor, und da steht jeder Spieler unter Beobachtung. Vor allem die zweite Garde wird hochmotiviert sein", meinte er.

Wenige Stunden vor dem Anpfiff der Partie präsentiert bundesliga.de die wichtigsten Fakten im Überblick.


Ausgangslage:

Nach dem 1:2 gegen Frankreich Ende Februar ist die Partie gegen die Schweiz das vorletzte Spiel vor der Auftaktpartie des DFB-Teams bei der EURO gegen Portugal am 9. Juni.

Das Trainergespann um Löw, Hansi Flick und Torwarttrainer Andi Köpke wird also ganz genau hinschauen, um letzte Erkenntnisse über a) den Kader und b) die mögliche Startformation gegen Portugal zu gewinnen.

Die Enttäuschung der Schweiz über die verpasste Qualifikation für die Europameisterschaft ist mittlerweile verflogen. Der Blick ist nach vorne gerichtet auf die WM 2014 in Brasilien.

Dabei dämpft Hitzfeld gegen Deutschland ein wenig die Erwartungen. "Das Spiel danach gegen die Rumänen ist für uns noch einen Tick wichtiger als jenes gegen die Deutschen. Denn gegen Rumänien sind wir der Favorit und müssen das Spiel machen", erklärte er.


Statistik:

In der Länderspiel-Bilanz liegt das DFB-Team gegen die Schweiz deutlich vorne. 50 Mal trafen beide Länder aufeinander. 36 Mal ging Deutschland als Sieger vom Platz, acht Mal die Schweiz.

Der letzte Vergleich fand am 26. März 2008 statt. Damals setzte sich Deutschland, ebenfalls in Basel, mit 4:0 durch. Mario Gomez mit einem Doppelpack sowie Lukas Podolski und Miroslav Klose waren die Torschützen.

Der letzte Schweizer Sieg gegen Deutschland datiert vom 21. November 1956. Damals gewannen die Eidgenossen in Frankfurt vor 86 000 Zuschauern 3:1. Ferdinando Riva, Josef Hügi und Robert Ballaman waren die Torschützen für die Schweiz.


Personal:

Joachim Löw hat bei der letzten Pressekonferenz vor dem Spiel Einblicke in die Aufstellung gegen die Schweiz gegeben. So wird Schalkes Youngster Julian Draxler wohl zu seinem Debüt kommen.

Die Viererkette steht wohl auch. "Die Abwehr stellt sich fast von allein auf. Mats Hummels und Per Mertesacker in der Innenverteidigung, rechts Benni Höwedes, links Marcel Schmelzer", so Löw.

Die "Madrilenen" Mesut Özil und Sami Khedira werden nicht über 90 Minuten zum Einsatz kommen. Ob der genesene Miroslav Klose das Team in Abwesenheit von Philipp Lahm als Kapitän aufs Feld führen wird, entscheidet sich wohl erst kurz vor Spielbeginn.

Bei den Schweizern machte sich Hitzfeld über die Fitness einiger Spieler Gedanken. Denn am Donnerstag feierte der FC Basel offiziell die 15. Meisterschaft. Yann Sommer, Valentin Stocker sowie der zukünfitge Gladbacher Granit Xhaka und der zukünftige Bayern-Profi Xherdan Shaqiri machten die Nacht zum Tag. Hitzfeld wolle jedem Basler "tief in die Augen schauen, um zu prüfen, ob sie hellwach und ausgefeiert sind".

Blerim Dzemaili, der vergangenen Sonntag mit Neapel den italienischen Pokal gewonnen hat, wird nicht mit dabei sein. Er erhielt am Donnerstag im Training einen Schlag aufs Sprunggelenk und reiste aus dem Trainingslager ab.


Stimmen:

Joachim Löw: "Das Spiel gegen die Schweiz kommt zum richtigen Zeitpunkt. Die Schweizer sind für uns ein sehr guter Gegner, sie sind fußballerisch das kleine Holland. Sie spielen sehr geordnet, sehr diszipliniert und sind sehr systemtreu. Sie sind sehr schwer auszuspielen. "

Lukas Podolski: "Ich fühle mich gut und bin fit. Wir sind als Mannschaft auf einem guten Weg, jeder ist bereit."

Ottmar Hitzfeld: "Wir werden gegen Deutschland nicht so defensiv auftreten wie Chelsea gegen Bayern."

Tranquillo Barnetta: "Die deutsche Nationalmannschaft macht der absolute Siegeswille aus. In jedem Spiel sind sie bereit, 100 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit abzurufen."

Eren Derdiyok: "Unsere Mannschaft ist jünger und frecher geworden, wir können die Überraschung schaffen."


Voraussichtliche Aufstellungen:

Schweiz: Benaglio - Lichtsteiner, Senderos, Djourou, Ziegler - Inler, Xhaka - Shaqiri, Frei, Mehmedi - Derdiyok

Deutschland: Wiese - Höwedes, Mertesacker, Hummels, Schmelzer - Khedira, Gündogan - Reus, Özil, Podolski - Klose

Schiedsrichter: Gautier (Frankreich)