Gelsenkirchen - Erst rettete er dem FC Schalke 04 mit seinem vierten Saisontor einen Punkt gegen Ingolstadt, dann gingen seine Gedanken schon voraus zum Topspiel am nächsten Wochenende: Für Leroy Sané steht gegen den BVB das erste Revierderby seiner noch jungen Karriere auf dem Plan.

Im Interview nach dem 1:1 gegen den FC Ingolstadt erklärte der 19-Jährige, warum sich Schalke gegen den Aufsteiger so schwer getan hat, wie er sich als Top-Torjäger seines Teams fühlt und warum er schon jetzt voll im Derbyfieber ist. 

Frage: Leroy Sané, warum hat es für Schalke nur zu einem Unentschieden gereicht?

Leroy Sané: In der ersten Halbzeit haben wir uns schwer getan, auch wenn wir ein paar Chancen hatten. Aber da hat der letzte Biss gefehlt, die entscheidenden Zweikämpfe zu gewinnen und unbedingt ein Tor erzielen zu wollen. 

Frage: Woran hat es gelegen, dass Schalke mit einer solchen Einstellung ins Spiel gegangen ist?

Sané: Unterschätzt haben wir den Gegner nicht. Wir wussten auch vorher, dass Ingolstadt sehr stark ist. Wir waren auch konzentriert. Aber irgendwie hat es trotzdem nicht so ganz geklappt. In der zweiten Halbzeit haben wir es dann aber viel besser gemacht. 

Frage: Was war in der Halbzeit in der Kabine los? Hat der Trainer der Mannschaft etwas mit auf den Weg gegeben?

Sané: Der Trainer hat natürlich auch eine Ansprache gehalten. Er hat uns gesagt, was wir besser machen müssen. Dass wir unsere Zweikämpfe unbedingt gewinnen müssen und dass dann alles viel besser klappt. 

"Mit dem Kopf treffe ich nicht so oft"

Frage: Für das Schalker Tor waren dann mal wieder Sie verantwortlich – und das auch noch per Kopf.

Sané: (lacht) Stimmt, mit dem Kopf treffe ich nicht so oft. Es war zwar mein zweites Kopfballtor, aber das ist nicht gerade meine Stärke. Aber Choupo hat eine sehr gute Flanke gespielt. Da war es für mich klar, dass ich mit dem Kopf hingehen muss. Und genau da wollte ich den Ball dann auch hinhaben, gegen die Laufrichtung des Torhüters. 

Frage: Sie als Youngster sorgen zurzeit für die Schalker Tore, während mit Huntelaar und Di Santo zwei erfahrene Stürmer leer ausgehen. Wie ist Ihr Verhältnis?

Sané: Die beiden gratulieren mit immer wieder, wenn ich treffe. Sie helfen mir auch im Training sehr oft, geben mir Ratschläge. Ich rede auch viel mit ihnen, frage selbst viel. Ich verstehe mich sehr gut mit den Beiden. Jeder Spieler macht mal so eine Phase durch, in der er nicht trifft. Aber Beide trainieren sehr hart. Und im Training klappt es auch mit dem Toreschießen. 

"Von Anfang an da sein und unsere Chancen nutzen"

© DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA

Frage: Sie sind jetzt Schalkes Topscorer mit vier Toren in der Liga. Ist das für Sie eher eine Belastung oder eine Herausforderung?

Sané: Ich freue mich natürlich, dass ich schon vier Tore auf dem Konto habe. Als Belastung sehe ich das nicht, eher als Herausforderung. Mein Ziel ist es, in dieser Saison acht Tore zu erzielen. Das habe ich mir vorher vorgenommen. Ich wollte die Ziele für mich selbst nicht zu hoch setzen und mal schauen, wie ich in die Saison starte. Aber bisher läuft es ganz gut. 

Frage: Wie viele Tore folgen jetzt im Derby beim BVB am Sonntag?

Sané: (lacht) Ich versuche natürlich alles, da auch wieder ein Tor zu schießen. Vielleicht klappt es ja sogar mal mit zwei Treffern. Aber das wird auf jeden Fall ein sehr, sehr schweres Spiel. 

Frage: Für Sie ist es das erste Revierderby. Mit welchem Gefühl gehen Sie in dieses Duell?

Sané: Ich bin ein bisschen aufgeregt, aber natürlich freue ich mich auch auf dieses Spiel. Es ist mit das wichtigste Spiel der Saison. Und ich bin schon ganz heiß aufs Derby! 

Frage: Was ist aus Ihrer Sicht möglich in diesem Spiel? Dortmund hat zurzeit wieder eine sehr gute Phase, Schalke tut sich gerade etwas schwer.

Sané: Beim Derby ist das völlig egal. Jeder Spieler ist heiß und will dieses Spiel unbedingt gewinnen. Wir müssen von Anfang an da sein und unsere Chancen nutzen. Dann werden wir generell wieder gute Spiele machen und auch wieder Spiele gewinnen. 

Frage: Gibt es bei aller Konkurrenz eigentlich auch beim BVB Spieler, von denen Sie sich noch etwas abgucken?

Sané: Man kann von vielen Spielern lernen. Egal, ob sie beim Erzrivalen spielen oder nicht. Wenn man sieht, wie Reus spielt oder wie Aubameyang zurzeit drauf ist – da kann man sich schon einiges abgucken.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte