Hinter Heiko Westermann liegt nach eigener Aussage das "bisher beste Jahr meiner Karriere": Leistungsträger bei Schalke 04, die Geburt von Tochter Lara und nicht zuletzt das Debüt in der Nationalelf ließen 2008 für den Allrounder zu einem unvergesslichen Jahr werden.

"Wenn ich an die vergangenen Monate zurück denke, ist schon einiges passiert", blickt der 25-Jährige, der nach seinem Wechsel von Arminia Bielefeld im Sommer 2007 zu einem fast unverzichtbaren Baustein des S04-Teams heran gereift ist, zurück. Die Vielseitigkeit und vor allem die Konstanz des Rechtsfußes ist auch Bundestrainer Joachim Löw nicht entgangen, der Westermann im Februar 2008 erstmals zur Nationalmannschaft einlud.

Erstes Länderspiel gegen Österreich

"Als ich den Anruf von Herrn Löw bekam, konnte ich mein Glück im ersten Moment kaum fassen", erinnert sich der kopfballstarke Verteidiger. "Ehrlich gesagt kam die Einladung sogar etwas überraschend. Deshalb war ich umso glücklicher."

Auch seine Mannschaftskameraden freuten sich für ihn, wobei Kapitän Marcelo Bordon es schon immer: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Heiko Nationalspieler wird", war der Abwehrchef immer überzeugt.

"Joachim Löw hat Heiko Westermann seit einiger Zeit intensiv beobachtet und ihn nun aufgrund seiner konstant guten Leistungen in den Kader berufen", erklärte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff am 5. Februar 2008, dem Tag vor dem Länderspiel gegen Österreich, auf der DFB-Pressekonferenz.

Kein Einsatz bei der EURO

Dass der Bundestrainer es mit ihm ernst meinte, wusste der gebürtige Franke spätestens bei der Taktikbesprechung vor dem Match gegen den EM-Gastgeber. Denn: Heiko Westermann stand gegen Österreich in der Startelf und spielte die kompletten 90 Minuten.

"Heiko hat sehr engagiert gespielt", lobte Löw anschließend seinen Debütanten, der jedoch etwas selbstkritisch zugab: "Das war mit Sicherheit nicht mein bestes Spiel, obwohl wir 3:0 gewonnen haben." Den Bundestrainer hatte Schalkes Nummer 5 dennoch überzeugt, denn auch sechs Wochen später gegen die Schweiz durfte der Rechtsfuß erneut von Beginn an ran.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt schien jedem klar: Heiko Westermann wird mit zur EURO 2008 fahren. Bei dem Kontinentalturnier in Österreich und der Schweiz, das Deutschland nach einem 0:1 im Endspiel gegen Spanien auf Rang 2 abschloss, kam der Defensivspezialist allerdings nicht zum Einsatz.

Debüttor gegen Liechtenstein

In den Spielen nach der Europameisterschaft sah das hingegen ganz anders aus. Mittlerweile ist Westermann ähnlich wie auf Schalke eine feste Größe im deutschen Team und bestritt im Kalenderjahr 2008 insgesamt neun Länderspiele. Beim 6:0-Auswärtserfolg in Liechtenstein konnte er sich als Verteidiger sogar in die Torschützenliste eintragen.

Der Treffer war kein Zufall, denn auch auf Schalke avancierte der gelernte Innenverteidiger in diesen Wochen zum Torjäger. "Ich hatte einen richtigen Lauf mit sieben Pflichtspieltoren in vier Wochen", sagt Westermann. "Zu dieser Zeit habe ich zudem fast alles gespielt. Ich glaube, außer Torhüter und Mittelstürmer war alles dabei." Am liebsten agiert er jedoch im Abwehrzentrum. "Da fühle ich mich am wohlsten."

Privates Glück

Auch privat verlief das Jahr 2008 nach Maß für den Musterprofi. Am 27. Mai wurde Westermann das erste Mal Vater, erblickte doch Töchterchen Lara das Licht der Welt. Bei der Geburt in Bielefeld war er hautnah dabei, obwohl sich die deutsche Nationalmannschaft zeitgleich auf Mallorca auf die EM vorbereitete. Für Joachim Löw war es jedoch selbstverständlich, dass der werdende Vater für das unvergessliche Ereignis abreisen durfte.

Das Babygeschrei und die damit verbundenen kürzeren Nächte haben die Leistungen des Kickers jedoch keinesfalls negativ beeinflusst, vielmehr haben sie Westermann noch einmal einen weiteren Leistungsschub gegeben. "Ich merke, dass physisch und von der persönlichen Stimmung her alles passt, weil neben meiner Frau Irina jetzt noch jemand bei uns zuhause ist", erklärt er.