Frankfurt - Die hat sowohl den Verantwortlichen als auch den Spielern des FC Schalke 04 zugesetzt. Nach dem 0:1 gegen die Eintracht herrschte unter den Verlierern Frust, Ratlosigkeit und Wut. Statt um Platz 3 zu spielen müssen die "Königsblauen" nun sogar wieder um einen Europapokalplatz bangen.

Egal welchen Schalker man nach der Niederlage in Frankfurt sah, alle schienen schwer gezeichnet von den 90 Minuten, den vergebenen Chancen und der eigenen Leistung. Die schlechte Stimmung im Schalker Lager war am deutlichsten am Gesichtsausdruck von Sportdirektor Horst Heldt abzulesen. Einen Grund für die Niederlage sieht er in der ungenügenden Einstellung der Mannschaft. Frustriert und wütend sagt Heldt nur:
"Entweder man will etwas oder man will nichts. Wir wollen anscheinend nichts."

Heldt: "Reden hilft anscheinend nichts"



Doch nicht jeder auf Schalker Seite kann sich der Einschätzung von Heldt anschließen. Julian Draxler sah das zum Beispiel etwas anders: "Man kann der Mannschaft nicht den Vorwurf machen, dass sie nicht wollte. Wir haben vorne die Tore nicht gemacht und hinten bei Standards geschlafen. Es hat heute einfach nicht geklappt." Eine gewisse Schlafmützigkeit attestierte auch Kapitän Benedikt Höwedes seinem Team und versuchte sich in der Fehleranalyse: "Bei uns hat die Zuteilung nicht gepasst, aber ich finde es schwer einen Grund für diese Leistung zu finden."

Auf die Suche nach Gründen sollte sich Trainer Jens Keller in den nächsten Tagen begeben, um seinen aufgebrachten Sportdirektor zu beruhigen. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel konnte er nur den ersten 20 Minuten etwas positives abgewinnen: "Danach waren wir 70 Minuten nicht bereit, die Wege zu gehen, die für einen Sieg notwendig sind. Nach dem guten Start haben wir uns selbst aus dem Spiel genommen und zu viele Standards für Frankfurt zugelassen."

Gespräche gehören wohl nicht zu den favorisierten Lösungsansätzen. Jedenfalls wenn es nach Heldt geht: "Was sollen wir da noch reden. Das hilft anscheinend nichts. Wir finden keine Konsequenz in unserem Spiel. Seit 55 Jahren funktioniert das auf Schalke nicht." Damit spielte Heldt auf den letzten Meistertitel für Schalke 04 aus dem Jahr 1958 an.

Kampf um das internationale Geschäft



Die Niederlage in Frankfurt hat Schalke jedenfalls wieder mitten in den Kampf um die Europapokalplätze gezogen. Zwar sagte Draxler: "Wir können froh sein, dass tabellarisch nicht viel passiert ist." Allerdings ist der Abstand zum Dritten Leverkusen schon auf sieben Punkte angewachsen, und der Blick der Schalker muss sich eher auf die Verfolger hinter ihnen richten.

"Wenn wir an unserer Einstellung nichts ändern, kann ich nächstes Jahr für die Dienstage oder Mittwoche Freundschaftsspiele vereinbaren", ließ Horst Heldt noch einmal Dampf ab. So weit wollen sie es auf Schalke aber nicht kommen lassen. Nur wie sie das verhindern wollen, scheint noch nicht klar zu sein.

Am Sonntag kommt der Hamburger SV nach Gelsenkirchen - ein weiterer direkter Konkurrent um die begehrten Plätze für eine internationale Qualifikation. Jens Keller formulierte dafür zumindest eine Absichtserklärung: "Gegen den HSV wollen wir wieder erfolgreich spielen." Das Ergebnis wird an der Gemütsverfassung von Horst Heldt abzulesen sein.

Aus Frankfurt berichtet Alexander Dionisius