Die Verantwortlichen übten sich in Durchhalteparolen, die Spieler haderten mit dem Fußball-Gott, doch die Fans gingen auf die Barrikaden: Schalke 04 steckt nach dem 1:2 (0:1) bei Twente Enschede und dem fast sicheren Aus im UEFA-Cup laut Andreas Müller in der "schwersten Krise seit Jahren".

Als die Schalker Spieler nach dem Abpfiff im Stadion De Grolsch Veste fast fluchtartig in die Kabine stürmten, ohne sich bei den "königsblauen" Anhängern zu verabschieden, brachen im Gästeblock alle Dämme.

Fans proben Aufstand

Die gut 1.500 Fans skandierten "Wir sind Schalker und ihr nicht", schickten den Profis wüste Beschimpfungen hinterher und zelebrierten anschließend mit den vedutzten Twente-Spielern minutenlang "La Ola".

"So etwas habe ich noch nie auf Schalke erlebt", meinte Gerald Asamoah, seit 1999 beim Club, zeigte aber Verständnis für die Fans: "Ich kann nachvollziehen, dass sie enttäuscht sind. Wir haben heute vielleicht auch spielerisch nicht überzeugt. Aber man muss auch sehen, dass wir gekämpft und alles gegeben haben, um das Spiel noch zu drehen."

Rutten sieht Licht am Ende des Tunnels

Trainer Fred Rutten versuchte, dass positive aus dem Spiel zu ziehen. "Wir sind in einer Situation, in der das Glück uns im Stich lässt", sagte Rutten nach der deprimierend verlaufenen ersten Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte und bescheinigte seinen Spielern einen "leidenschaftlichen Auftritt".

Deshalb sieht der Niederländer, der seinen 46. Geburtstag am Freitag wohl wenig genießen kann, Licht am Ende des Tunnels. "Ich bin überzeugt, dass wir da rauskommen, durch sehr harte Arbeit - und die habe ich diesmal gesehen", meinte Rutten.

Präsident Josef Schnusenberg glaubt allerdings, dass die Talsohle durchschritten ist: "Im Moment fallen wir aus dem Kellerfenster. Die Spirale geht nach oben, denn wir sind jetzt ganz unten angekommen."

5. Pleite in 6 Spielen

Auch Andreas Müller appeliert an den Zusammenhalt. "Wir können alle gemeinsam ganz stark herauskommen aus dieser Situation, wenn wir zusammenstehen wie eine Wand. Wenn die Mannschaft das beherzigt, wird sie auch wieder das Glück haben, das sie verdient. Aus dieser Krise kommen wir nur gemeinsam raus. Wir müssen uns berappeln", meinte der Manager.

Allenfalls aus der letzten halben Stunde können die Schalker Entscheidungsträger ihren Optimismus nehmen. Bei seinem Treffer zum 1:0 in der zweiten Minute stand Twente-Kapitän Robbie Wielaert meterweit im Abseits, doch kein einziger Schalker Spieler protestierte.

Danach hatte Westermann ("Wir haben die Seuche") Pech mit einem Schuss an den Innenpfosten (41.), doch erst nach dem 0:2 durch Kenneth Perez (55. ) bäumten sich die spielerisch erneut enttäuschenden Gäste sichtbar auf. Mehr als der Anschlusstreffer durch Asamoah (77.) gelang aber nicht, die fünfte Niederlage in den letzten sechs Spielen war perfekt.

Schalke braucht Schützenhilfe

Hoffnungen auf den Einzug in die Runde der letzten 32 Teams darf sich der UEFA-Cup-Sieger von 1997 kaum noch machen.

Am letzten Gruppenspieltag darf weder Racing Santander gegen Manchester City noch Paris St. Germain gegen Twente gewinnen, sonst sind die in zwei Wochen spielfreien Schalker ausgeschieden. Die Briten haben sich genau wie die Niederländer bereits für die K.o.-Runde qualifiziert und werden voraussichtlich mit B-Teams auflaufen.