München - Der FC Schalke 04 hat einen Rückrundenstart nach Maß erwischt. Nach dem Heimsieg gegen den VfB Stuttgart liegen die "Königsblauen" punktgleich mit Bayern München und Borussia Dortmund auf Platz 3.

Am Samstagabend tritt Schalke im Topspiel beim 1. FC Köln an (ab 18 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio). bundesliga.de sprach vorab mit Stürmerlegende Klaus Fischer über die Perspektiven seiner beiden Ex-Vereine Schalke und Köln, mit denen er jeweils einmal DFB-Pokal-Sieger wurde.

bundesliga.de: Die Bundesliga ist in die Rückrunde gestartet, Schalke hat das erste Spiel 3:1 gegen den VfB Stuttgart gewonnen. Was ist für die "Knappen" in dieser Saison drin, auch der Titel?

Klaus Fischer: Wenn Schalke so weitermacht, kann der Verein einen Champions-League-Platz erreichen. Ich denke auch, dass dies inzwischen im Club das Ziel ist. An die Deutsche Meisterschaft glaube ich nicht, dazu ist die Qualität von Bayern München und Borussia Dortmund zu hoch. Aber bekanntlich ist ja im Fußball alles möglich.

bundesliga.de: Worauf wird es ankommen?

Fischer: Für Schalke kommt es jetzt darauf an, in den kommenden Spielen in Köln und gegen Mainz so präsent zu sein wie gegen Stuttgart. In der Vergangenheit waren immer wieder Spiele dabei, in denen das nicht so der Fall war und dann Punkte liegen gelassen wurden. Deshalb weist Huub Stevens zu Recht darauf hin, dass Schalke noch nicht beständig genug ist, um ganz oben anzugreifen. Aber wenn die "Knappen" auch noch fünf, sechs Spieltage vor Schluss an der Tabellenspitze mitmischen, werden sie sicher voll angreifen.

bundesliga.de: Warum mauern alle Konkurrenten der Bayern, wenn es darum geht, von der Meisterschaft zu sprechen?

Fischer: Weil noch 16 Spieltage zu absolvieren sind. Deshalb redet auch niemand auf Schalke vom Titel. Denn sollte es dann am Ende "nur" der 4. Platz werden, kommen so Sprüche wie: "Große Klappe, nichts dahinter."

bundesliga.de: Was zeichnet die "Königsblauen" in dieser Saison aus?

Fischer: Auf Schalke stimmt in dieser Saison die Mischung. Es macht großen Spaß die jungen Joel Matip, Kyriakos Papdopoulos oder Julian Draxler zu sehen. Die machen das ganz hervorragend. Dazu kommen die erfahrenen Kicker wie Raul, Klaas-Jan Huntelaar oder Jefferson Farfan. Schalke verfügt auch über viel Qualität. Und dass Horst Heldt als Nachfolger von Ralf Rangnick Huub Stevens verpflichtet hat, erweist sich immer mehr als Glücksgriff. Die Mannschaft steht kompakt, jeder ist für jeden da.

bundesliga.de: Würden Sie den auslaufenden Vertrag mit Raul verlängern?

Fischer: Ja. Auch wenn Raul nicht mehr jünger wird, ist er immer noch fit. Er hatte keine großen Verletzungen und spielt immer noch so, wie er früher bei Real Madrid gespielt hat. Für mich ist er ein "Schleicher", der sich immer vorausschauend im Strafraum dahin schleicht, wo es gefährlich wird.

bundesliga.de: Am Samstag gastiert Schalke beim 1. FC Köln, Ihrem anderen Ex-Verein, bei dem Sie sehr erfolgreich gespielt haben. Ist Schalke in Köln Favorit? Wie stark schätzen Sie den FC ein?

Fischer: In Köln muss Schalke wieder 90 Minuten Gas geben, wenn dort drei Punkte geholt werden sollen. Sonst funktioniert es nicht, dafür ist die Bundesliga zu stark und ausgeglichen. Niemand sollte den FC unterschätzen. Dennoch wird der 1. FC Köln in dieser Saison meiner Meinung nach in der zweiten Tabellenhälfte ab Platz 10 zu finden sein. Für mehr reicht es nicht.

bundesliga.de: Auf welche Kölner Spieler muss Schalke besonders aufpassen?

Fischer: Die beiden wichtigsten Spieler sind Lukas Podolski und Milivoje Novakovic. "Poldi" darf man keinen Raum lassen und man muss sehr auf seinen linken Fuß achten. Er hat sicherlich den besten linken Fuß der Bundesliga und schießt damit brandgefährlich. Novakovic ist so etwas wie der Prellbock.

bundesliga.de: Sie haben in der Vergangenheit Lukas Podolski öfter kritisiert. Wie beurteilen Sie ihn in dieser Saison?

Fischer: In dieser Saison spielt er stark. Die Kölner Kontertaktik tut ihm gut. Dann bekommt er den Raum, den er braucht. Er ist nicht gerade langsam und sehr gefährlich, wenn er aufs Tor gehen kann. Wenn das Spiel eng ist, bekommt er Probleme. Das hat man in seiner Zeit bei Bayern München gesehen. Die Gegner der Bayern waren meistens sehr defensiv eingestellt, deshalb hat er sich dort nicht durchsetzen können.

bundesliga.de: Abschließende Frage: Wer holt in dieser Saison den Titel?

Fischer: Die Meisterschaft wird meiner Meinung nach alleine zwischen Bayern München und Borussia Dortmund entschieden. Erst hatte ich die Bayern favorisiert, inzwischen würde ich die Chancen mit 50:50 beziffern. Die Dortmunder haben mir in Hamburg sehr imponiert. Sie haben den HSV an die Wand gespielt, sie sind laufstark und meistens in der Überzahl. Es wird eine spannende Entscheidung.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski