Zusammenfassung

  • Schalke gewinnt erstmals seit vier Jahren wieder in Berlin

  • Als dies zuletzt klappt, stand am Ende der Saison Platz drei zu Buche

  • Leon Goretzka ist unangefochtener Leader der Königsblauen

Berlin – Endlich einmal fährt der FC Schalke 04 wieder mit einem Dreier aus der Hauptstadt nach Hause. War das endgültig die Wende für die Königsblauen?

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Erstmals seit knapp vier Jahren konnten die Gäste aus Gelsenkirchen ein Gastspiel bei Hertha BSC wieder für sich entscheiden. Nach drei Partien ohne Sieg hatte Trainer-Youngster Domenico Tedesco mit seiner Aufstellung für die eine oder andere Überraschung gesorgt. In der Offensive begannen die nominellen Stürmer Guido Burgstaller und Franco Di Santo erstmals gemeinsam, dahinter wirbelten Amine Harit und der überragende Leon Goretzka. Max Meyer durfte sich erstmals als alleiniger Sechser im defensiven Mittelfeld versuchen. "Er hat das sehr, sehr gut gemacht – wie alle anderen auch", lobte Tedesco.

© imago / Bernd König

Hertha ohne Torchance gegen Schalke

Der souveräne 2:0-Erfolg gab dem Schalke-Trainer mit seiner Formation recht. "Wir haben ein gutes Spiel abgeliefert. Wir hatten von Beginn an viel Ballbesitz, was gegen Hertha nicht ganz einfach ist", lobte der 32-Jährige die Darbietung seines Teams. "Dass Hertha hier mit null Torchancen aus dem Spiel geht, freut mich aber noch mehr als der viele Ballbesitz", so Tedesco. Tatsächlich war die Partie kein Fest für Freunde des entfesselten Offensivfußballs, denn auch Schalke gelang nach vorne wenig Zwingendes. "Wenn man schon so viel Ballbesitz hat, muss man auch die Früchte dafür ernten, daran müssen wir noch arbeiten", mahnte der Schalke-Coach zurecht.

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So mussten sich die Hausherren zunächst selbst dezimieren, als Genki Haraguchi kurz vor der Halbzeitpause für eine rüde Grätsche gegen Burgstaller völlig zu Recht die Rote Karte sah. "Er hat mich zum Glück nur gestreift", erklärte der Österreicher, warum er sich in der Situation nicht verletzt hat. Und wenige Minuten nach dem Seitenwechsel servierte die Alte Damen den Knappen dann den Führungstreffer auf dem Silbertablett, als Vladimir Darida im Strafraum ungeschickt den quirligen Harit von den Beinen holte und damit einen Elfmeter verschuldete. "Harit könnte noch viel öfter solche Szenen haben, weil er mit dem Ball so schnell ist. Diese Eins-gegen-eins-Situationen im Strafraum muss er noch öfter suchen", verwies S04-Sportvorstand Christian Heidel auf das große Potential des von ihm im Sommer aus Nantes geholten 20-jährigen marokkanischen Nationalspielers.

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Goretzka schießt S04 ins Topdrittel

Nationalspieler Leon Goretzka ließ sich die Chance nicht entgehen und verwandelte den Strafstoß zur verdienten Führung, obwohl Hertha-Keeper Rune Jarstein mit den Fingerspitzen noch am Ball war. "Ich habe immer gesagt, dass ich Verantwortung übernehmen möchte. Das habe ich in dieser Situation gemacht", sagte der 22-Jährige über den ersten in seiner Profikarriere verwandelten Elfer. Mit drei Treffern ist der gebürtige Bochumer aktuell sogar der beste Schalker Torschütze in dieser Saison.

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Nun steht der Schalke wieder im oberen Drittel der Tabelle, nur zwei Punkte trennen die Königsblauen von einem Champions-League-Platz. "Wir können sehr viel Selbstvertrauen aus der Partie mitnehmen, denn wir haben wie eine Mannschaft gespielt, die sehr spielstark ist", lobte Heidel, vermied aber zugleich weitergehende verbale Ambitionen: "Ich will gar nicht mit 'Was-ist-wenn' anfangen." Fest steht aber: In der vergangenen Spielzeit lief Schalke nur hinterher und rangierte nie höher als auf Platz 8.

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Fokus auf Mainz 05

"Wir haben jetzt zwei Heimspiele vor der Brust, aber die sollte man auch nicht unterschätzen", richtete Heidel den Fokus auf die unmittelbar vor den Schalkern liegenden Aufgaben. Dabei verwies der ehemalige Manager des 1. FSV Mainz 05 darauf, dass sein Ex-Club – der nächste Gegner – gerade einen Lauf hat und aus den letzten drei Partien sieben Punkte holte. "Wir haben jetzt die Aufgabe, uns sehr seriös auf Mainz vorzubereiten. Wir wissen, wie schwierig das wird, aber wir wollen Mainz schlagen."

Ein  gutes Omen kann Heidel mit nach Gelsenkirchen nehmen: Nach dem letzten Schalker Sieg in Berlin vor vier Jahren stand für Königsblau am Saisonende Platz drei und damit die direkte Qualifikation für die Königsklasse. Wenn die laufende Spielzeit ähnlich erfolgreich enden würde, hätte in Gelsenkirchen wohl keiner etwas dagegen einzuwenden.

Aus Berlin berichtet Andre Anchuelo