London - Wenn es darum geht, mit einem personellen Notstand umzugehen, hat Jens Keller eines mit Sicherheit: Erfahrung. Das Verletzungspech verfolgt den FC Schalke 04 seit Wochen. Vor dem ersten Gruppenspiel der Champions League beim FC Chelsea (ab 20:30 Uhr im Liveticker) hat die Misere aber einen neuen Höhepunkt erreicht.

Ein Blick auf die Liste der nominellen Abwehrspieler, die im Kader für das schwierige Auswärtsspiel in London stehen, genügt, um die Größe des Problems nachvollziehen zu können.

Keller ist als Tüftler gefragt

Lediglich die Namen Dennis Aogo, Kaan Ayhan, Marvin Friedrich, Christian Fuchs und Jan Kirchhoff stehen da, wobei Letzterer nach einer Sehnenverletzung im linken Knie möglicherweise ebenfalls ausfällt. Gelernte und vor allem erfahrene Innenverteidiger wie Benedikt Höwedes, Felipe Santana und Joel Matip fehlen verletzt.

Für Keller bedeutet das, dass er als Tüftler gefragt ist: "Wir müssen irgendwas basteln", sagte der Coach auf der abschließenden Pressekonferenz. Dass er in seiner gewohnt trockenen Art noch darauf hinwies, Schalke 04 werde "schon vier Mann hinten aufstellen", klang da wie eine Tatsache, die durchaus noch einmal betont werden musste.

Welche Spieler die Viererkette bilden werden, ergibt sich angesichts des vorhandenen Kaders praktisch von selbst. Aller Voraussicht nach werden der 19-jährige Kaan Ayhan (17 Bundesliga-Spiele, 1 Champions-League-Spiel) und der 18-jährige Marvin Friedrich (1 Bundesliga-Spiel) im Zentrum auflaufen. Für die Außenbahnen kommen wie am letzten Samstag beim 1:4 gegen Borussia Mönchengladbach Christian Clemens (rechts) und Dennis Aogo (links) in Frage. Wenn Keller mehr Erfahrung in der Viererkette haben möchte, müsste schon Roman Neustädter aus dem defensiven Mittelfeld zurückgezogen werden.

Aogo hofft auf eine Überraschung

"Man muss immer nach vorne schauen und Ideen entwickeln", weiß Keller. "Dass es schwierig wird, dürfte jeder nachvollziehen können." Natürlich hoffen die Königsblauen, die angesichts der vielen Verletzten als krasser Außenseiter an die Stamford Bridge reisen, dem FC Chelsea irgendwie ein Bein stellen zu können.

"Chelsea ist ein Gegner, gegen den uns viele nicht zutrauen werden", erklärte Aogo am Dienstag. "Vielleicht ist genau das unsere Chance. Wir können jetzt beweisen, dass wir leben und dass wir nach wie vor mutig sind. Egal wie es um die Personalien aussieht."