Mailand - Mailand - Mit dem zweiten "Wunder" von San Siro hat Schalke 04 das Tor für den Einzug ins Halbfinale der Champions League weit aufgestoßen.

14 Jahre nach dem sensationellen Gewinn des UEFA-Cups an selber Stätte gegen denselben Gegner feierten die "Knappen" einen historischen 5:2 (2:2)-Erfolg bei Titelverteidiger Inter Mailand und blieben damit im laufenden Wettbewerb zum achten Mal in Folge ungeschlagen. Mit breiter Brust geht der Bundesliga-Zehnte in das Viertelfinal-Rückspiel am 13. April gegen den italienischen Triple-Gewinner des Vorjahres, der in der Runde zuvor Bayern München aus dem Rennen geworfen hatte.

"Ein wunderbarer Tag"

"Wir haben vor dem Spiel eine offensive Aufstellung gewählt, und das haben wir bewusst getan, weil wir wussten, dass wir hier nicht nur defensiv spielen durften. Zur Halbzeit hätte es schon 5:5 heißen können. Das erste Tor habe ich so auch noch nicht erlebt. Wichtig für die Moral war, dass wir zwei Mal zurückgekommen sind. Wir wussten, dass wir auch nach dem Wechsel zu Torchancen kommen werden. Was wir insgesamt nach vorn gespielt haben, war richtig gut", analysierte Schalke-Cheftrainer Ralf Rangnick die Partie.

"Das war eine schöner Abend. Wir wollten einen Sieg, aber dass er so ausgefallen ist... Das ist ein wunderbarer Tag und ich bin sehr glücklich, dass ich meinen Beitrag leisten konnte", meinte der spanischen Torjäger Raul und Joel Matip ergänzte: "Ich muss erst einmal begreifen, was hier gelaufen ist. So etwas passiert nicht alle Tage. Wir haben alle gut zusammengearbeitet, und dieser Sieg ist das Produkt."

Bitterer Start

Dabei begann die Partie für Inter nach Maß: Die Italiener gingen nach 27 Sekunden durch ein spektakuläres Tor von Dejan Stankovic aus rund 50 Metern in Führung, bevor Joel Matip (17.) der verdiente Ausgleich gelang. Den Treffer von Diego Milito (33.) zum 2:1 für Inter egalisierte Schalke vor 80.000 Zuschauern durch Edu (40.). Raul (53.), der seinen Rekord auf 72 Europacup-Tore ausbaute, ein Eigentor von Andrea Ranocchia (57.) und erneut Edu (75.) machten den Coup perfekt. Inters Cristian Chivu (62.) hatte wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte gesehen.

Es war im zweiten Spiel unter dem neuen Trainer Rangnick eine kämpferische Glanzvorstellung mit Mut zum Risiko und beherztem Offensiv-Fußball der von Verletzungen gebeutelten Schalker, die auf Klaas-Jan Huntelaar, Mario Gavranovic, Peer Kluge und Christoph Metzelder verzichten mussten. Aufseiten von Inter konnte Coach Leonardo nach drei Monaten wieder den genesenen Stürmer Milito, zweifacher Torschütze im Vorjahresfinale gegen Bayern München, auch auf europäischer Bühne aufbieten.

Milito war auch gleich in der ersten Szene beteiligt, als Schalkes Torhüter Manuel Neuer etwa 20 Meter aus seinem Tor herauslief, um den Ball per Kopf vor den Argentinier zu klären. Den Abpraller nahm der Serbe Dejan Stankovic etwa fünf Meter vor der Mittellinie volley und schoss den Ball über Freund und Feind hinweg zum fünfschnellsten Treffer in der Champions-League-Geschichte in die Maschen.

Schalke schlägt zurück

Schalke zeigte sich nur kurz beeindruckt und suchte postwendend den Weg in die Offensive, wo Raul (4.) das Inter-Gehäuse mit einem Kopfball nur knapp verfehlte. Die "Königsblauen" wehrten sich und sorgten stets für Torgefahr gegen die labile Mailänder Abwehr, die im laufenden Wettbewerb schon 14 Gegentore kassiert hatte. Nummer 15 folgte nach einem Kopfball von Kyriakos Papadopoulos, den Inter-Keeper Julio Cesar nur nach vorn abwehren konnte und Matip zum 1:1 abstaubte.

Pech hatte Jose Jurado (19.), der Torhüter Cesar freistehend zu einer Fußabwehr zwang. Effektiver waren zunächst Italiens Triple-Gewinner der letzten Saison. Beim 2:1 hatte Milito nach einer Kopfballvorlage von Esteban Cambiasso keine Mühe, Neuer aus nur fünf Metern zu überwinden. Die Schalker Mühen wurden aber durch den Ausgleich von Edu mit einem Schuss aus spitzem Winkel belohnt.

S04 eiskalt

Nach dem Wechsel musste sich Schalke aggressiven Angriffen der Italiener erwehren. Neuer musste zwei Mal mit Glanzparaden gegen Milito und Samuel Eto'o klären, bevor Raul die Inter-Fans in eine Schockstarre versetzte, als er sich gegen zwei Abwehrspieler durchsetzte und aus kurzer Distanz vollendete.

Jurado sorgte schließlich für die Vorentscheidung und traf anschließend sogar noch den Pfosten (65.), ebenso wie Farfan (75.), dessen fünfte Gelbe Karte und die folgende Sperre für das Rückspiel für den einzigen Wermutstropfen sorgte.

Schema: Inter Mailand - Schalke 04 2:5 (2:2)

Mailand: Julio Cesar - Maicon, Ranocchia, Chivu, Zanetti - Motta (76. Nagatomo) - Stankovic (24. Kharja, 63. Cordoba), Cambiasso - Sneijder - Eto'o, Milito

Schalke: Neuer - Uchida, Matip, Höwedes, Sarpei - Papadopoulos - Farfan, Jurado (83. Draxler), Baumjohann (76. Schmitz) - Raul (87. Karimi), Edu

Schiedsrichter: Martin Atkinson (England)

Tore: 1:0 Stankovic (1.), 1:1 Matip (17.), 2:1 Milito (34.), 2:2 Edu (40.), 2:3 Raul (53.), 2:4 Ranocchia (57., Eigentor), 2:5 Edu (75.)

Zuschauer: 80.000

Gelb-Rote Karten: Chivu wegen wiederholten Foulspiels (62.)

Gelbe Karten: Stankovic - Farfan (5), Sarpei, Papadopoulos, Raul