Köln/Gelsenkirchen - Im feinsten Maßanzug und mit zielgerichtetem Blick betrat Schalkes neuer Coach Roberto Di Matteo zum ersten Mal die Katakomben der Veltins-Arena. Zuvor hatte der 44 Jahre alte Italo-Schweizer die Mannschaft kennengelernt und dabei bereits eine "kleine Ansprache" gehalten.

Der krisengebeutelte FC Schalke 04 darf sich nach zwei Siegen aus elf Pflichtspielen auf einen hochmotivierten Trainer freuen. Der Multilinguist, spricht sechs Sprachen fließend, präsentierte sich bei seiner offiziellen Vorstellung am Mittwoch souverän, locker und geduldig antwortend (Di Matteo im Portrait).

"Die Abwehr muss stabil stehen"

Di Matteo strahlte Tatendrang aus und weiß genau, wie er die Knappen wieder auf Kurs bringen will. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf eine geordnete Abwehrarbeit: "Es ist eine gute Mannschaft, die nach vorne viel Potenzial hat. Sie hat aber in der Defensive einige Probleme. An der defensiven Organisation muss man arbeiten."

Der ehemalige Trainer des FC Chelsea gab dabei sogar Einblick in systemtechnische Fragen. "Zuletzt habe ich sowohl im 4-2-3-1 als auch im 4-3-3 aufgestellt. Die Abwehr, und damit meine ich nicht nur die Viererkette, muss stabil stehen."

Auf ein rigoroses S04-Mauerwerk solle man sich aber nicht einstellen. Denn wenn man sich die Statistiken seiner bisherigen Teams anschaue, so "fällt sehr schnell auf, dass sie stets viele Tore geschossen haben". Die Zielsetzung habe sich trotz des Fehlstarts nicht verändert, im Gegenteil: "Die Champions League ist weiterhin das Ziel des Vereins."

Auf allen Ebenen zu mehr Konstanz

Das Duell mit seinem Ex-Club Chelsea in der Königsklasse ist für Di Matteo dabei noch überhaupt kein Thema. Vielmehr steht die Bundesliga vorerst im Vordergrund. Das deutsche Fußballoberhaus ist dem ehemaligen italienischen Nationalspieler nicht unbekannt. "Ich habe den deutschen Fußball schon immer sehr interessiert verfolgt. Die Bundesliga ist eine faszinierende Spielklasse. Die Stadien sind immer voll, das Tempo in den Spielen ist hoch."

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Für das Ziel der direkten CL-Qualifikation brauche es aber "Zeit und Geduld", wie Di Matteo dann doch einräumt. Dennoch ist der neue Knappen-Trainer guter Dinge, auf Schalke mehr Konstanz reinzubringen. Die hatte Sportvorstand Horst Heldt, der sich vom neuen Übungsleiter sehr beeindruckt zeigte, Vorgänger Jens Keller als Kündigungsgrund vorgelegt (Heldt im Interview).

Aber nicht nur sportlich soll sich bei Königsblau in Zukunft einiges verändern. In den vergangenen Wochen war immer wieder die Rede von fehlendem Teamgeist. Grüppchenbildung und Starallüren wirkten sich negativ auf den Saisonstart aus.

Di Matteo hat dazu eine klare Herangehensweise. "Ich bin ein Trainer, der sehr viel mit seinen Spielern kommuniziert. Da ich selbst viele Jahre lang Profi war, weiß ich, wie Spieler ticken, was sie bewegt, wie man mit ihnen umgehen muss. Jeder Einzelne hat eine andere Mentalität."

Anzug oder Trainingskluft?

Mannschaft und Trainer haben aufgrund der Länderspielpause jetzt zehn Tage Zeit, sich aufeinander einzulassen. Am 18. Oktober wird Di Matteo dann zum ersten Mal zuhause gegen Hertha BSC an der Schalker Seitenlinie stehen.

Bis dahin warte zwar "noch viel Arbeit", doch die Vorfreude ist groß: "Ich freue mich auf die neue Herausforderung. Der Verein steht für Leidenschaft und hat herausragende Fans." Ob er dabei wieder im maßgeschneiderten Anzug auflaufen wird, oder doch eher in lockerer Trainingskluft im Stile eines echten Malochers, ließ er offen.

Auf äußere Nebensächlichkeiten legt Schalkes neuer Boss sowieso keinen Wert, der sportliche Erfolg steht über allem: "Zunächst einmal ist es wichtig, dass wir nach der Länderspielpause einen erfolgreichen Start gegen Hertha BSC abliefern. Danach denken wir von Spiel zu Spiel." Den ersten eindrucksvollen Verbal-Auftritt hat Di Matteo bereits hingelegt. Nun sollen den Worten auch Taten folgen.

Yannik Schmidt

Linksammlung:

"Ein echter Winner-Typ" - Stimmen zu Di Matteo

Portrait: Das ist Roberto Di Matteo

Bildergalerie: Roberto Di Matteos Karriere

Steckbrief: Alle Fakten zu Roberto Di Matteo

Die Bilanz von Jens Keller als Schalke-Trainer

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