Zusammenfassung

  • Schalke steht nach dem Sieg gegen den HSV auf Platz 2 und geht als Favorit ins Spiel gegen den BVB

  • Ausgrechnet vor dem Revierderby stehen die Knappen erstmals seit Mai 2015 vor Borussia Dortmund

  • Als Erfolgsfaktor der letzten Wochen nennt Christian Heidel den kleinen Kader

Gelsenkirchen - Nach dem Führungstor des FC Schalke 04 wurde schon mal angestimmt, nach dem 2:0-Sieg gegen den HSV gab es dann kein Halten mehr: "Die Nummer eins im Pott sind wir", schallte es lautstark durch die Arena und ganz Schalke sang und hüpfte sich fast schon euphorisch auf das Revierderby gegen Borussia Dortmund ein. Nicht nur Tabellenplatz zwei und sechs Spiele ohne Niederlage lassen die königsblaue Brust vor dem Duell am Samstag richtig breit werden. An Bodenhaftung mangelt es der Mannschaft aber nicht.

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Da hatten sich die Schalker nach fünf Jahren tatsächlich mit dem Sieg über die Hamburger mal wieder auf den zweiten Tabellenplatz geschossen – und trotzdem drehte sich fast alles nur um den schwarz-gelben Revierrivalen. Am Samstag steigt in Dortmund die Mutter aller Derbys und Schalkes Anhänger lenkten die Gedanken der Profis im Eiltempo auf dieses Prestigeduell. "Es ist immer überragend, sich gemeinsam mit den Fans nach einem Sieg auf dieses Duell einzustimmen", brachte es Guido Burgstaller auf den Punkt.

Perfekte Konzentration ohne Nebengeräusche

Gegen die Hamburger hatte der Stürmer sein viertes Saisontor erzielt und dabei mit einem Treffer bei zwei Torschüssen genau die Effizienz an den Tag gelegt, die seine Mannschaft momentan auszeichnet. Geht’s nach Burgstaller, kann es so weitergehen: "Wir werden uns jetzt voll auf Dortmund fokussieren, unsere taktische Marschroute besprechen und bestmöglich vorbereiten."

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Vorbereitung, Taktik, Fokus – nicht zufällig fielen diese Begriffe, die alle als Synonym und Erklärungsansatz für den Schalker Höhenflug taugen. Domenico Tedesco gelingt es seit einiger Zeit nahezu perfekt, seine Mannschaft immer auf die aktuelle Partie zu konzentrieren und alle Nebengeräusche auszublenden.

Die zweitbeste Abwehr der Bundesliga

"Aufgabenorientiertes Denken", nannte der junge Coach das nach dem HSV-Spiel. Seine klaren taktischen Vorgaben in einer 3-5-2 Formation ergänzt der Trainer mit Analysen, die den jeweiligen Gegner empfindlich sezieren und zugleich Disziplin und Malocherqualitäten wertschätzen. "Wir wussten vorher, dass es gegen den HSV vor allem ein harter Kampf wird. Sie versuchen über den Kampf und Konter ins Spiel zu kommen. Wir haben diesen Kampf angenommen", plauderte Daniel Caligiuri nach dem Sieg über den HSV über das Erfolgsrezept des Tages.

© imago / Team 2

Es sind Leistung und Ergebnisse gleichermaßen, die die Schalker Brust vor dem Derby gegen die Borussia so breit gemacht haben. "Wir haben in den vergangenen Wochen sehr gut gearbeitet und der zweite Platz ist der Preis dafür", freute sich Max Meyer. Aber nicht nur der Blick auf die Tabelle spricht für sich. Die Zahlen insgesamt demonstrieren königsblaue Stärke: Mit nur zehn Gegentreffern stellen die Knappen nach den Bayern die zweitbeste Abwehr der Liga.

Dortmund erstmals seit 2015 überholt

Gerade einmal ein Gegentor kassierte die Mannschaft in den letzten fünf Spielen. Die Null steht unter Tedesco wieder an der richtigen Stelle, die defensive Stabilität ist für Schalke der Schlüssel zum Erfolg – Huub Stevens lässt schön grüßen.

© imago / Eibner

Dass man auf den Rivalen aus der Nachbarschaft nicht nur neun Punkte aufgeholt, sondern den BVB ausgerechnet vor dem direkten Duell jetzt sogar mit drei Zählen hinter sich gelassen hat, rundet das Hochgefühl ab. Seit dem Mai 2015 hat ganz Schalke danach gelechzt und geht jetzt sogar als Favorit in das Derby.

Kleiner Kader als Erfolgsformel

Ein vermeintlicher Nachteil der Königsblauen in dieser Saison entpuppt sich bei all dem Erfolg für Christian Heidel jetzt als klarer Vorteil. Den bewusst extrem klein gewählten Kader sieht der Manager als qualitätsfördernd an: "Bei uns hat jeder tatsächlich die Chance, am Wochenende auch zu spielen. Auf der anderen Seite kann sich keiner mehr als eine schlechte Trainingseinheit leisten." Zudem erweisen sich Neuzugänge wie Benjamin Stambouli, der zunächst mit Eingewöhnungsproblemen zu kämpfen hatte, zunehmend als stabiler Faktor. Der Franzose ist inzwischen nicht nur für Heidel "eine Bank" in der Verteidigung, was er auch gegen den HSV wieder unter Beweis stellte.

Bei allem Lob und Erfolg lassen die Schalker eines aber nicht vermissen, und das ist eine gesunde Bodenhaftung – noch ein Grund für den stabilen Höhenflug. "Der zweite Platz eine schöne Momentaufnahme. Wir genießen die Situation, mehr aber auch nicht", stellte Max Meyer klar. "Dafür können wir uns noch nichts kaufen. Die Liga ist sehr eng und in wenigen Wochen kann es wieder anders aussehen."

Meyer: "Können diese Saison eine gute Rolle spielen"

Wie man mit der königsblauen Euphorie am besten umgeht? "Den Weg weitergehen und nicht nachlassen", rät der der 22-Jährige unspektakulär, "dann können wir in dieser Saison eine gute Rolle spielen." Nach Dortmund jedenfalls werde man am Samstag "mit einem guten Gefühl und einer breiten Brust fahren." Und vielleicht können die Fans nach dem Derby dann ja auch wieder ihren neuen Lieblingssong anstimmen: "Die Nummer eins, die Nummer eins, die Nummer eins im Pott sind wir…!"

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte