Der Aufsichtsrat des FC Schalke 04 hat am heutigen Montag (9.3.) Manager und Vorstandsmitglied Andreas Müller beurlaubt. Trainer Fred Rutten wurde das Vertrauen ausgesprochen.

Das ist das Ergebnis eines Gespräches, welches Clemens Tönnies in seiner Funktion als Vorsitzender des Gremiums am Mittag mit Andreas Müller führte.

Vorbehalte gegen Müllers Konzept

Im Anschluss an die Unterredung erläuterte Tönnies die Entwicklung der vergangenen Wochen und Monate, welche diesem Schritt vorausgegangen war. "Der Aufsichtsrat hat sich mit der Zukunft des Vereins beschäftigt. Bei einer gemeinsamen Klausurtagung mit dem Vorstand am 13. Februar 2009 hat uns Andreas Müller ein umfangreiches Konzept vorgetragen. Dessen Inhalte betrachten wir als intern und werden sie nicht öffentlich machen."

Müllers Konzept wurde in den folgenden Wochen intensiv geprüft und beraten. "Es gab mehrere Gespräche und informelle Treffen, auf denen wir die Pläne besprochen haben, sowohl gemeinsam mit dem Vorstand als auch untereinander im Aufsichtsrat", so Tönnies. Bei einem abschließenden informellen Treffen am vergangenen Samstag (7.3.) sei jedoch spürbar gewesen, dass es ernsthafte Vorbehalte gegen die skizzierten Vorstellungen gibt.

Tönnies: "In dem Konzept sind einige Dinge enthalten, denen alle vorbehaltlos zustimmen konnten, doch in diversen zentralen Punkten gibt es keine Übereinstimmung. Das hat unsere Zweifel geschürt, dass Andreas Müller auch in Zukunft noch die richtigen Entscheidungen für Schalke 04 treffen und auch umsetzen wird."

Schwere Entscheidung

Ergebnis der Unterredung am Samstag war, dass Clemens Tönnies als Vorsitzender des Gremiums beauftragt wurde, ein weiteres Gespräch mit dem Manager zu führen: "Mir wurde aufgetragen, herauszufinden, ob bereits alle Fakten auf dem Tisch gelegen haben oder ob es noch weitere Sachverhalte gibt, die gegebenenfalls zu einer anderen Einschätzung des Aufsichtsrats führen können", so Tönnies.

Somit saßen Clemens Tönnies und Andreas Müller am Montag auf der Geschäftsstelle des Vereins zusammen, um über die aktuelle Lage zu beraten. Nach dem Gespräch gab Tönnies bekannt, dass der Aufsichtsrat Müller mit sofortiger Wirkung beurlauben wird. Eine Entscheidung, die dem 52-Jährigen nicht leicht gefallen ist: "Der FC Schalke 04 hat Andreas Müller viel zu verdanken, der über 20 Jahre für unseren Club tätig war."

Vom Kurs abgekommen

Zunächst von 1988 bis 2000 als Spieler: Müller half entscheidend mit, 1997 den UEFA-Cup zu gewinnen. Im Jahr 2000 übernahm er die Funktion des Teammanagers. "In dieser Rolle hatte er an unseren DFB-Pokalsiegen 2001 und 2002 seinen Anteil", so Tönnies. Im Mai 2006 trat Müller schließlich die Nachfolge von Rudi Assauer als Manager der Knappen an.

"Gerade auf dieser Position hat er sich einige Verdienste erworben wie unsere mehrfachen Teilnahmen an der Champions League zeigen", lobte Tönnies, "doch zuletzt ist es ihm leider nicht mehr gelungen, den FC Schalke 04 durch seine Entscheidungen auf Erfolgskurs zu halten."

Formal leitete der Aufsichtsrat ein Abberufungsverfahren gemäß § 8.2 der Vereinssatzung ein:
"Mit einem Aufsichtsratsbeschluss, der der Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen bedarf, kann ein Vorstandsmitglied auch vor Ablauf der Amtsperiode abberufen werden. Der abzuberufende Vorstand ist von einem entsprechenden Tagesordnungspunkt des Aufsichtsrates rechtzeitig vorher, mindestens drei Kalendertage, zu informieren. Er ist vom Aufsichtsrat anzuhören, indem ihm die Gelegenheit zur Aussprache mit dem Aufsichtsrat vor Beschlussfassung eingeräumt wird."

Rutten soll bleiben

Besagtes Treffen ist für den kommenden Samstag (14.3.) terminiert. Kurzfristig werden die verbliebenen Vorstandsmitglieder Josef Schnusenberg und Peter Peters sowie Fred Rutten Müllers Aufgaben gemeinsam übernehmen: Schnusenberg wird für Verträge und Finanzen, Peters für die organisatorischen, Rutten für die sportlichen Dinge zuständig sein.

Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens betonte Tönnies, dass der Aufsichtsrat den Vorstand in seiner Auffassung unterstützt, dass Fred Rutten Chef-Trainer beim FC Schalke 04 bleibt. "Weiteren kurzfristigen Handlungsbedarf sehen wir nicht, denn alle weiteren Dinge sind geregelt", so Tönnies. "Der Verein ist stabil organisiert und funktioniert."