Torsten Frings hatte als erster Bremer seine Sprache wiedergefunden. "Jogi Löw hat mir gerade zum Punktgewinn gratuliert", sagte der Nationalspieler und presste angestrengt sein Handy gegen sein linkes Ohr.

Aber auch dem 31-Jährigen konnte nicht entgangen sein, dass das mühevolle und schmeichelhafte 2:2 (1:1) von Werder Bremen in der Champions League bei Panathinaikos Athen bestenfalls der erste Schritt auf einem langen Weg zurück zu alter Klasse sein konnte.

Almeida rettet einen Punkt

Nur mit einer Portion Glück und mit Hilfe eines wegen Handspiels irregulären Führungstreffers durch Nationalspieler Per Mertesacker (29.) kam der deutsche Vize-Meister um die erste Niederlage im laufenden Wettbewerb herum. Erst sieben Minuten vor Schluss rettete der Portugiese Hugo Almeida per Kopfball wenigstens einen Zähler.

Immerhin wurde damit gegen den bis dahin punktlosen Tabellenletzten die Chance auf das Erreichen des Achtelfinales gewahrt, mehr aber auch nicht.

"Zumindest haben wir Athen auf Distanz gehalten und können beruhigter in die nächsten Spiele gehen. Dass wir weitaus besser spielen können, ist auch klar", sagte Werder-Sportdirektor Klaus Allofs.

Schaaf sieht Fortschritte

Doch vor 54.089 Zuschauern im Olympiastadion von Athen ging es nicht um grün-weißen Ballzauber, sondern um die Stabilisierung einer zuletzt im Ligaalltag unfreiwillig Wildwest-Fußball zelebrierenden Truppe.

Trainer Thomas Schaaf jedenfalls wollte Fortschritte erkannt haben: "In der Defensive haben wir uns verbessert, aber wir müssen uns weiter steigern. Wir waren hinten konzentrierter, ohne die Offensive zu vernachlässigen. Aber alle Fehler bekommt man natürlich nicht sofort weg."

Zwei davon nutzte der ehemalige Frankfurter Vangelis Mantzios (36. und 68. Minute), doch einen durchaus möglichen Sieg der Platzherren verhinderte Christian Vander.

Vander vertritt Wiese glänzend

Der Ersatztorhüter, noch vor einem Jahr als Vertreter des verletzten Stammtorwarts Tim Wiese in der "Königsklasse" etwas wacklig, hielt, was zu halten war, und dürfte in dieser Verfassung auch in den kommenden beiden Bundesligaspielen ein solider Rückhalt für den Liga-Zehnten sein.

"Endlich haben wir einmal etwas Positives aus Griechenland mitgenommen", sagte der Keeper auf die Bremer Niederlagen der vergangenen Jahre bei Panathinaikos und dem Nachbarn Olympiakos Piräus anspielend.

Dabei hatte es der knapp 28-Jährige nicht nur mit den Panathinaikos-Stürmern, sondern auch mit unsportlichen Fans zu tun, die ihn mit Laserlampen zu blenden versuchten. "Ich hatte schon gehört, dass das hier Mode ist. Aber letztendlich hat es meine Leistung nicht beeinflusst. Der Schiedsrichter hat das fast wichtiger genommen als ich" berichtete Vander.

Im Rückspiel braucht Werder einen Sieg

Aber erst, nachdem Spielleiter Michael Riley aus England die Partie drei Mal unterbrochen und das Publikum per Lautsprecherdurchsage vor einem Spielabbruch gewarnt hatte, blieb der Bremer Schlussmann fortan unbehelligt.

Drei Spiele, drei Unentschieden - diese Serie kann und darf der Vize-Meister im Rückspiel gegen die Griechen am 4. November (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker auf bundesliga.de) nicht fortsetzen.

Mit dem Punkt in Athen konnte Schaaf noch "gut leben", im Weser-Stadion fordert er mehr von seiner Mannschaft: "Unentschieden allein bringen uns nicht in die nächste Runde."