Tipps von Rückkehrer Tim Borowski sollen Werder Bremen helfen, auch dieses Mal erfolgreich aus München zurückzukehren. Einiges erinnert an die Lage vor dem 5:2 vor einem Jahr.

Sie hatten selbst eingeräumt, einen "Fehlstart" hingelegt zu haben. Bei ihnen hatte Unruhe geherrscht. Niemand hatte ihnen in München etwas zugetraut. Der Rest ist bekannt: 2:5.

Die "Grün-Weißen" bleiben gelassen

Ein knappes Jahr nach dem in Bremen längst legendären Auswärts-Triumph in der Allianz Arena ist die Situation vergleichbar. Fehlstart? "Wir haben den Auftakt vermasselt", sagt Rechtsverteidiger Clemens Fritz nach dem 2:3 gegen Frankfurt.

Unruhe? "Ich habe das Gefühl, dass schon jetzt alles von außen infrage gestellt wird", sagt Rückkehrer Tim Borowski zur harten Kritik nach dem 1. Spieltag.

Erwartungen? "Jeder geht davon aus, dass wir eh nichts holen", sagt Kapitän Torsten Frings angesichts der Ausgangslage. Wie wird wohl diesmal der "Rest" aussehen?

Das Frankfurt-Spiel wirkt noch nach

"Wir haben keinen Druck, wir können befreit aufspielen", glaubt Frings, was nur auf den ersten Blick überrascht. "Nirgendwo bekommst du mehr Aufmerksamkeit, als wenn du in München was holst", erklärt er, "da kann man so ein Spiel wie gegen Frankfurt vergessen machen." Das käme dem Pokalsieger ganz gelegen, nachdem die Heimpremiere gegen die Eintracht so gründlich schief gegangen ist.

Dieses Erlebnis hat den Bremern weh getan, die Verarbeitung ist noch nicht abgeschlossen. Selbst Tim Wiese, der vor solch großen Spielen oft offensiv voran geht, analysiert noch. Direkt nach seiner Rückkehr von der Nationalmannschaftsreise nach Baku gab er sich zugeknöpft. Was er zum München-Spiel sage? "Nichts." Ob er mit den Gedanken noch in Aserbaidschan sei? "Nein." Wo denn dann? "Noch beim Frankfurt-Spiel!"

Schaaf: "Wir sind stark auf uns fixiert!"

Und so redet man in der Hansestadt zwei Tage vor der schweren Aufgabe in der Allianz Arena nur wenig über Franck Ribery oder Louis van Gaals Taktik und Personal. "Wir sind stark auf uns fixiert", ist das Motto, das Trainer Thomas Schaaf vorgibt. "Erheblich verbessern" müsse sich seine Mannschaft gegenüber dem ersten Spieltag, um bei den Bayern eine gute Rolle spielen zu können. Im Detail heißt das zum einen: "An der Spielsicherheit arbeiten, klarer kombinieren, sicherer zum Abschluss kommen." Noch größer ist jedoch folgende Baustelle: "Wir müssen eine komplettere Defensive bilden, dürfen es dem Gegner nicht so einfach machen."

Also wurde in dieser Woche vermehrt an der Abstimmung gearbeitet, am "Miteinander agieren", wie Schaaf es nennt. Was natürlich erschwert wurde, da viele Spieler auf Länderspielreisen weilten oder verletzt sind. So wie Innenverteidiger Naldo, der wegen seiner Sehnenzerrung im Oberschenkel bis Samstag wohl nicht fit wird - erster Anwärter auf den Posten neben Per Mertesacker ist Petri Pasanen.

Borowskis "geschmeidiger" Wechsel nach Bremen

Wer sich mit Sorgen wie diesen plagt, verschwendet nur wenige Gedanken an die Wiederholung eines solchen Kantersieges wie in der vergangenen Saison. "So ein Spiel sollten wir nicht wieder erwarten", sagt Clemens Fritz, gibt sich aber kämpferisch: "Wir fahren da hin, um Punkte zu holen." Denn, das ist auch Sportdirektor Klaus Allofs wichtig: "Die drei Punkte gegen Frankfurt hätten wir gut gebrauchen können. Wir sind aber nicht so verunsichert, dass wir uns nun mit wackligen Knien auf den Weg nach München machen. Wir stehen nicht mit dem Rücken zur Wand!"

Im Gegenteil: Die Mannschaft formuliert bei jeder Gelegenheit, dass sie es besser machen will. Auch Tim Borowski, der vier Wochen nach seinem Wechsel erstmals auf die alten Münchner Kollegen trifft. Er freue sich auf die Partie, sagt er. Negative Gefühle würden ihn nicht begleiten: "Bei meinem Wechsel ist keine dreckige Wäsche gewaschen worden, alles lief relativ geschmeidig. Ich habe mit niemandem dort im Club Probleme."

Dass er weite Teile der Vorbereitung an der Säbener Straße absolvierte und mit van Gaals Philosophie vertraut ist, dürfte kein Nachteil für Werder sein. "Wenn Tim Informationen liefern kann, dann werden wir das nutzen. Kann ja nicht schaden", sagt Thomas Schaaf. Aber vor allem, fügt er hinzu, "kümmern wir uns um unsere Dinge."

Aus Bremen berichtet Enrico Bach