Freiburg - Heimlich, still und leise arbeitet sich der SC Paderborn in der Tabelle nach oben. Nach dem Sieg in Freiburg stehen sieben Punkte aus vier Spielen zu Buche. Kein Wunder, dass bei den Ostwestfalen wieder alle an die „Sensation“ glauben

Moritz Stoppelkamp schaute nach dem Schlusspfiff ungläubig drein "Wir sind Vierzehnter? Das ist ja klasse.“ Dann entspannten sich die Gesichtszüge des Paderborner Offensivmannes endgültig: "Das war heute natürlich ein ganz wichtiger Sieg für uns. Jetzt haben wir es selbst in der Hand, die Sensation zu schaffen." (Stimmen zum Spiel) Schon vor dem Anpfiff habe er gemerkt, dass auch alle Kollegen "gierig" darauf gewesen seien, es den Skeptikern zu zeigen. Nach dem schwachen ersten Durchgang sei es dann "in der Kabine etwas lauter als sonst" geworden.

"Haben alles gegeben“

Auch Kollege Uwe Hünemeier bewegte sich in der Interviewzone des Freiburger Stadions wie ein Fisch im Wasser, der Kapitän strahlte über beide Ohren. "Wir haben alles gegeben und uns völlig verausgabt", sagte der Innenverteidiger und zog damit ein ähnliches Fazit wie sein Trainer André Breitenreiter, der die ausgelassene Freude allerdings seinen Spielern überließ. "Im zweiten Durchgang waren wir zweikampfstark und haben an uns geglaubt. Das war aber nur ein erster Schritt, drei weitere müssen in den kommenden Spielen folgen."

Breitenreiter wechselt den Sieg ein

Breitenreiter hatte allerdings auch keinen Grund, in eigener Sache allzu laut zu trommeln. Stattdessen ließ er Fakten sprechen. Er wusste schließlich, dass auch seine Maßnahmen ausschlaggebend dafür gewesen waren, dass der SCP nach einem 0:1-Rückstand noch als Sieger vom Platz ging. Beide Paderborner Treffer erzielte mit Lukas Rupp (70./80.) schließlich ein Spieler, den er sechs Minuten vor dessen erstem Treffer eingewechselt hatte. Den Assist zum 2:1 konnte sich Mahir Saglik gutschreiben lassen, der ebenfalls erst in der zweiten Hälfte gekommen war. "Mit den Wechseln hatten wir heute Glück“, kommentierte das der 41-Jährige lakonisch. Und nickte zustimmend, als er von einem Reporter gefragt wurde, ob die Nervenstärke der große Vorteil seiner Elf im Abstiegskampf sei. „Das kann man so sehen, wie Sie es sagen.“

Gute Bilanz gegen die Konkurrenz

Tatsächlich fällt auf, dass der Aufsteiger ausgerechnet gegen die Vereine, mit denen er nun die zwei bis drei Absteiger ausspielt, eine besonders gute Bilanz hat (zur Infografik: Direkte Duelle im Abstiegskrimi). Schon im August gelang ein 3:0-Sieg beim Hamburger SV, gegen Hannover holte man alle sechs Zähler, gegen den SC Freiburg vier – und war im Hinspiel das  bessere Team. Nach dem 0:0 im Hinspiel hätte man nun nichts dagegen, wenn am letzten Spieltag mit einem Sieg gegen den VfB Stuttgart der Klassenerhalt gesichert werden könnte (zum Restprogramm der Abstiegskandidaten).

Wunschträume? Mitnichten. Paderborn hat zuletzt sieben Zähler aus den vergangenen vier Partien geholt und ist der große Gewinner des 31. Spieltages und hat es in der eigenen Hand, all jene Lügen zu strafen, die die Ostwestfalen schon vor Wochen als sichere Absteiger gesehen hatten.

Dass ein gewisser Trotz durchaus motivierend sein kann, ließ André Breitenreiter dann auch noch durchblicken. "Jeder hat uns doch schon für abgestiegen gehalten. In manchen Umfragen kamen wir ja nicht mal mehr vor."

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf