Freiburg - Macht der Abstiegskampf tatsächlich Pause, wenn im DFB-Pokal-Achtelfinale der Tabellenvorletzte SC Freiburg auf den nur drei Punkte entfernten 1. FC Köln trifft? Die Kölner können sich nach dem 1:2 (0:2) zwar trösten, keine Punkte verloren zu haben.

Aber sie konnten nicht verhindern, dass sich die Freiburger nicht nur über den Einzug ins Pokal-Viertelfinale und damit über eine stolze Mehreinnahme freuen dürfen - sondern auch über neuen Mut für den Kampf um den Klassenerhalt. "Wir nehmen das Selbstvertrauen mit", sagte dann auch Freiburgs Trainer Christian Streich.

Köln wieder einmal mit schwacher erster Halbzeit

Die Kölner hingegen standen ziemlich bedröppelt da: "Ein Sieg hätte uns gut getan", haderte Abwehrspieler Kevin Wimmer. Doch den hatten die Kölner in der ersten Halbzeit hergeschenkt. "Wir haben in der zweiten Halbzeit gesehen, was möglich gewesen wäre. Aber wenn man sich in den ersten 45 Minuten so präsentiert wie wir, dann hat man den Sieg auch nicht verdient", schimpfte FC-Trainer Peter Stöger.

Dabei hatte Stöger seine Spieler gewarnt, gleich von Beginn an hellwach zu sein. Schon im letzten Bundesligaspiel bei den Münchner Bayern habe sein Team die ersten 20 Minuten verschlafen, so Stöger. Aber die Freiburger machten einfach von Beginn an den bissigeren Eindruck und führten schon nach 19 Minuten mit 2:0. Der erste Treffer war ein kurioses Eigentor des Kölner Torjägers Anthony Ujah, der den Ball nach einem Eckstoß von Jonathan Schmid ins eigene Gehäuse verlängerte (18.).

Anschlusstreffer kommt zu spät

Und weil die Kölner diesen Schock nicht verdauten, setzen die Freiburger gleich noch einen drauf; Der starke Mittelfeldantreiber Vladimir Darida war einen Schritt eher am Ball als der zögerliche FC-Torwart Timo Horn und schob nur eine Minute nach der Führung die Kugel zum 2:0 ins Netz. "Es wird langsam Zeit, dass wir selbst Zeichen setzen und uns nichts gefallen lassen", forderte Wimmer verärgert über die schwache erste Halbzeit.

Die Steigerung in der zweiten Halbzeit brachte aber nicht mehr die Wende für die Kölner, das späte Anschlusstor durch den eingewechselten Deyverson kam zu spät (89.). Für das nächste Heimspiel in der Liga gegen Eintracht Frankfurt fordert Wimmer nun einen Sieg: "Es wird eng, wir müssen gegen Frankfurt alles raushauen." Und auch Offensivspieler Marcel Risse sagt: "Wir müssen jetzt auf jeden Fall zuhause gewinnen."

Bürki hält das Viertelfinale fest

Ein Garant für den Freiburger Sieg war der ganz starke SC-Torwart Roman Bürki. Der Schweizer rettete mit mehreren guten Paraden lange die komfortable Führung, auch nachdem Darida es mit einem Strafstoß verpasst hatte, die frühzeitige Entscheidung herbeizuführen (65.).

Mit Glück und Bürki überstanden die Freiburger auch die turbulente Schlussphase des dann "echten Pokalfights" (Streich) – in der Vorrunde hatten die Freiburger oft in den letzten Minuten durch Gegentreffer noch Punkte abgeben müssen. "Es war unsere Pflicht, dass wir das abstellen. Aber mir ist auch ein Stein vom Herzen gefallen, dass wir das geschafft haben", stellte Bürki fest.

Streich: "Der Sieg gibt Kraft"

Der Torwart hofft nun, dass dieser Sieg und die Leistung jedem Spieler Mut für den Abstiegskampf gebe. Und auch als Ratgeber für den jungen Maximilian Philipp war Bürki wichtig. Philipp verbrachte vier Stunden beim Orthopäden, um sich nach einem Nasenbeinbruch die Gesichtsmaske richtig anzupassen. Bürki hatte Philipp empfohlen, einen schwarzen Tape-Verband zu wählen, weil dann das Flutlicht nicht reflektieren werde. Phillip hörte auf den Keeper und konnte hinterher auf eine gute Leistung stolz sein.

SC-Trainer Streich hatte wieder mehr als eine halbe Elf verletzungsbedingt ersetzen müssen: Petersen, Kempf, Möller Daehli, Frantz, Sorg und Felix Klaus fehlten entweder wegen Grippe oder weil sie noch nicht fit genug nach Verletzungen waren. Dafür mühte sich Dani Schahin bei seinem ersten Pflichtspieleinsatz von Beginn in der Spitze "ganz ordentlich" (Streich). Mehmedi rückte auf die linke Seite und machte viel Wirbel. Nun hofft Streich mit dem Rückenwind des Sieges und der Rückkehr der Verletzten auf Konstanz in der Leistung. "Der Sieg gibt Kraft", glaubt Streich. Am kommenden Wochenende gegen Bremen können die Freiburger beweisen, wie groß der Rückenwind des Pokalerfolges tatsächlich ist.

Aus Freiburg berichtet Tobias Schächter