Sinsheim - Was für ein Spieltag für die TSG Hoffenheim! Mit dem ersten Heimsieg gegen Bayer Leverkusen in neun Jahren Bundesliga biss sich die TSG auf Champions-League Platz 4 fest (zur Tabelle). Schütze des 1:0-Siegtores war nach 519 Minuten ohne eigenen Torerfolg Mittelstürmer Sandro Wagner in der 62. Minute. Nach dem Spiel sprach der Torjäger mit den Reportern über seine Ziele in dieser Saison und erzählte, wie TSG-Gesellschafter Dietmar Hopp seine Tochter zum Lachen brachte.

Frage: Herr Wagner, Leverkusens Torwart Bernd Leno hat den Ball bei ihrem Tor noch abgefälscht - war das ihr Tor?

Wagner: Ganz klar: mein Tor. Der Schiedsrichter ist der gleichen Meinung, von daher ist alles gut. Ich freue mich natürlich, dass ich der Mannschaft mit diesem Tor helfen konnte.

Frage: Braucht man manchmal als Stürmer so einen Glücksmoment?

Wagner: Ja, klar, ich habe jetzt viereinhalb Spiele nicht getroffen, was für einen anderen Stürmer nicht viel ist, für mich schon. Ich habe in den letzten zwei Jahren kontinuierlich getroffen, jetzt hatte ich eine kleine Durststrecke. Es war wichtig, dass der Ball irgendwie reingegangen, irgendwie reingewurschtelt ist. Das war nicht nur für mich, sondern für die ganze Mannschaft ein ganz wichtiges Spiel, damit wir weiter unser Ziel verfolgen können, uns weiter oben festbeißen.  Es ist alles gut heute, auch so wie die anderen gespielt haben.

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Frage: Nach der Länderspielpause geht es weiter beim Tabellenfünften Hertha BSC Berlin, Ihrem ehemaligen Verein. Ist das ein besonderes Spiel für Sie?

Wagner: Nee, das ist ein Verein für mich wie jeder andere. Besonders ist es, weil es ein Freitagsabendspiel ist unter Flutlicht, das ist schon etwas Cooles in Berlin. Da wollen wir was holen, von daher ist es im Allgemeinen spannend, aber nicht für mich speziell.

"Jedes zweite Spiel ein Tor"

Frage: Wie wichtig war, dass TSG-Trainer Julian Nagelsmann in der schwächeren Phase an Ihnen festgehalten hat?

Wagner: Was heißt  festgehalten? Ich habe jetzt elf Tore in 22 Spielen erzielt, das ist jedes zweite Spiel ein Tor, das ist über die Saison gesehen ein super Schnitt. Aber ich werde nicht nur an Toren gemessen, ich arbeite ja auch viel für die Mannschaft und da hat man auch den ein oder anderen Laufweg nach hinten, der Körner frisst, bei dem Energie verloren geht. Mein Spiel ist sehr, sehr mannschaftsdienlich. Aber auch in den Phasen, in denen ich nicht getroffen habe, habe ich gearbeitet und Lücken gerissen, Freistöße geholt, das ist auch wichtig. Und auch in den Spielen, in denen ich nicht getroffen habe, haben wir viele Punkte geholt. Nein, es ist alles gut. Fußball ist immer ein Mannschaftssport.

Frage: Sie haben gerade die anderen Ergebnisse angesprochen: Schaut ihr jetzt eher nach oben, oder nach unten?

Wagner: Allgemein schauen wir, dass wir vorne dran bleiben. Wir schauen überall hin: nach vorne, nach hinten, nach links, nach rechts und in den Rückspiegel. Aber ja: Das war ein guter Spieltag für uns.

Frage: Mit Nationalspielern aus der eigenen Jugend irgendwann oben zu stehen, war das Ziel von Dietmar Hopp, wie erleben Sie ihn, wenn er jetzt nach dem Spiel in die Kabine kommt?

Wagner: Ich kenne ihn ja noch nicht so lange, aber ich erlebe einen sehr gelösten, glücklichen Mann, das ist doch schön. In der Kabine stimmt er nach Siegen dann den Zicke-Zacke-Spruch an. Meine Tochter war heute nach dem Spiel in der Kabine, das fand sie sehr lustig.

Aufgezeichnet von Tobias Schächter