Berlin - Seit seiner Ankunft bei Hertha BSC Ende August hat Salomon Kalou einige Höhen, aber auch einige Tiefen erlebt. Nach einem fulminanten und vielversprechenden Start hatte der ivorische Nationalstürmer immer wieder Schwankungen in seinem Spiel, sodass er zuletzt nicht mehr von Anfang an spielte. Berlins Trainer Jos Luhukay zog ihm Julian Schieber vor.

Im exklusiven Interview mit bundesliga.de zieht der ehemalige Torjäger von Chelsea eine erste Bilanz in der Hauptstadt und blickt mit Optimismus in Richtung 2015.

bundesliga.de: Herr Kalou, welches Fazit ziehen Sie nach dieser Hinrunde?  

Salomon Kalou: Wenn ich ehrlich bin, war es für mich eine durchwachsene Hinserie. Es begann ziemlich gut, als ich mehrere Tore erzielt habe und ich mich schnell mit unserer Spielweise zurecht gefunden habe. Aber nach mehreren positiven Wochen hatte ich dann mit ein paar Schwierigkeiten zu kämpfen.

bundesliga.de: Welche Schwierigkeiten meinen Sie genau?

Kalou: Die Bundesliga ist für mich komplettes Neuland. Bisher stand ich in den Niederlanden, in Frankreich und in England unter Vertrag. In Deutschland wird ganz anders gespielt. Es geht schnell nach vorne, man muss bei Ballverlust die Kollegen bei der Balleroberung unterstützen und nach hinten arbeiten. Ich brauche einfach Zeit um diesen Prozess zu verinnerlichen.

"Unser Ziel ist der Klassenerhalt"

bundesliga.de: Sind Sie frustriert, zuletzt immer wieder nur eingewechselt worden zu sein?

Kalou:Es ist ja klar, dass man als Ersatzspieler nie zufrieden ist. Auf der anderen Seite habe ich fünf Tore erzielt, was eine positive Bilanz ist; auch wenn ich weiß, dass ich mehr kann.

bundesliga.de: Nach 17 Spieltagen steht Hertha auf Platz 13.

Kalou:Unser Ziel ist der Klassenerhalt, aber ich wäre persönlich richtig zufrieden, wenn wir am Ende der Saison einen einstelligen Tabellenplatz schaffen sollten. Das Potenzial dafür hat unsere Mannschaft zweifelsohne.

bundesliga.de: Was kann die Mannschaft konkret noch besser?

Kalou: Im vergangenen Sommer haben die Verantwortlichen viele neue Spieler verpflichtet. Alle, inklusive ich, haben Probleme diverser Natur in dieser Hinrunde gehabt. Aber mittlerweile läuft es immer besser. Ich bin auch überzeugt, dass wir in der Rückrunde besser spielen werden, weil unsere Automatismen immer besser greifen. Das beste Beispiel dafür war unsere Leistung zuletzt beim 1:0 zuhause gegen Borussia Dortmund. Außerdem haben wir im Angriff viel Qualität. Nur nach hinten müssen wir noch Fortschritte machen.

bundesliga.de: Seit vier Monaten entdecken Sie die Bundesliga. Wie gefällt es Ihnen?

Kalou:Die Stimmung in den Stadien, die Infrastruktur und die Kulisse sind schon beeindruckend. In unserem Olympiastadion ist die Atmosphäre großartig. Auch bei unseren Auswärtsspielen unterstützen uns die Hertha-Anhänger mit viel Leidenschaft. Fast jede Partie, die wir auswärts bestreiten, ist ausverkauft. Mir gefällt es richtig gut.

bundesliga.de: Und vom spielerischen Niveau her?

Kalou: Es ist sicherlich kein Zufall, dass sechs Bundesliga-Clubs auf der europäischen Bühne überwintern und dass vier deutschen Teams der Sprung ins Achtelfinale der Champions League gelungen ist. Das ist einzigartig. Es geht stets zur Sache und es ist keine Sekunde langweilig, weil die Mannschaften ständig nach vorne spielen. Mir macht es in jedem Fall großen Spaß.

Das Gespräche führte Alexis Menuge