1. FC Union Berlin will 2022/23 seine starken Leistungen bestätigen - © IMAGO / Matthias Koch
1. FC Union Berlin will 2022/23 seine starken Leistungen bestätigen - © IMAGO / Matthias Koch
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Teamcheck 1. FC Union Berlin: Mit neuem Torjäger und viel Konkurrenzkampf in die Europa-League-Saison

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Ab dem 5. August rollt der Ball endlich wieder in der Bundesliga. bundesliga.de nimmt alle Clubs im Teamcheck unter die Lupe. Hier: 1. FC Union Berlin. Im vierten Jahr Bundesliga und zweiten Jahr europäischer Wettbewerb nacheinander geht es für die Eisernen zunächst darum, die Abgänge von Taiwo Awoniyi und Grischa Prömel möglichst gut wegzustecken. Der Kader wurde in der Tiefe und Breite verstärkt, die Ziele bleiben jedoch bescheiden.

Der Kader

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"Für mich ist klar, dass wir jetzt auf der Zugangsseite fast durch sind", zieht Geschäftsführer Profifußball Oliver Ruhnert ein vorläufiges Fazit der aktuellen Transferperiode. Dieses fällt durchaus positiv aus: Union hat seinen Kader für die anstehende Europa-League-Saison mit Qualität, Erfahrung und Perspektive gepimpt. Wichtigster Neuzugang ist Jordan Siebatcheu, der den Abgang von Taiwo Awoniyi kompensieren soll. Der Franko-Amerikaner gilt neben Sheraldo Becker, der seinen Vertrag bei Union verlängerte, als Stammspieler im Sturm.

Neuzugänge, die die Bundesliga kennen, sind beispielsweise der deutsche U21-Nationalspieler Jamie Leweling und Paul Seguin - beide kamen von der SpVgg Greuther Fürth in die Hauptstadt. Gleiches gilt für den "Mann der schönen Tore" Milos Pantovic, der ablösefrei vom VfL Bochum zu den Eisernen wechselte sowie Janik Haberer, den es ebenfalls ohne Ablöse vom SC Freiburg zu den Berlinern zog. Leweling und Pantovic sehen sich im siebenköpfigen Angriff einen intensiven Konkurrenzkampf ausgesetzt. Im Sturm hat Cheftrainer Urs Fischer hinter Siebatcheu und Becker die Qual der Wahl. Seguin, Haberer und die jüngste Neuerwerbung Morten Thorsby, der sich besonders durch Willen und Mentalität auszeichnet, stellen Alternativen für den abgewanderten Grischa Prömel im zentralen Mittelfeld dar. Eine weitere Option bietet sich durch Levin Öztunali, der aber genauso wie Genki Haraguchi - aktuell im rechten, offensiven Mittelfeld die Nase vorn - und Bundesliga-Neuling Tim Skarke als rechter Flügelspieler infrage käme.

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Nach dem Winter-Abgang des großgewachsenen Marvin Friedrich (1,92 Meter) zu Borussia Mönchengladbach hat Union in diesem Sommer mit Danilho Doekhi (1,90 Meter) nicht nur größentechnisch, sondern auch in puncto Führung nachgelegt. Der Niederländer war zuletzt Kapitän bei Vitesse Arnheim und könnte beim FCU die entstandene Lücke nachträglich füllen. Die Leihe des defensiv flexibel einsetzbaren und entwicklungsfähigen Diogo Leite verschärft den Konkurrenzkampf in der Abwehr zusätzlich.

Unions Kader ist auf drei Wettbewerbe ausgelegt. Insbesondere in der Abwehr und im Sturm wird Fischer, der den Kader als "noch ein bisschen zu groß" bezeichnet, schwere Entscheidungen treffen müssen. Abgänge scheinen zum jetzigen Zeitpunkt also nicht ausgeschlossen. "Das, was wir geplant haben, haben wir getan. Es gibt nach wie vor Entwicklungen in einer Vorbereitung, die man heute noch nicht genau weiß", lässt Ruhnert hinsichtlich weiterer Neuzugänge eine Hintertür offen. "Wir glauben, dass wir insgesamt gut aufgestellt sind", so der 50-Jährige weiter.

Der amtierende Schweizer Torschützenkönig Jordan Siebatcheu jubelt beim 1:0 gegen Nottingham Forest das erste Mal im Union-Trikot - IMAGO/O.Behrendt/IMAGO/Contrast

Top-Neuzugang: Jordan Siebatcheu

Nach dem Abgang von Awoniyi benötigte Union dringend einen Torgaranten für die Sturmspitze. Mit dem Torschützenkönig der Schweizer Super League, Siebatcheu, hat Geschäftsführer Profifußball Oliver Ruhnert einen äußerst vielversprechenden Ersatz gefunden. 27 Tore in 45 Spielen für Young Boys Bern in der vergangenen Saison zeugen von einer Abschlussstärke, die den Abgang von Awoniyi (15 Tore) vergessen machen könnte.

Bei der gelungenen Generalprobe gegen Awoniyis neuen Club Nottingham Forest (1:0) feierte Siebatcheu seine Torpremiere. "Das braucht ein Stürmer. Er setzt Prinzipien sehr gut um, aber in gewissen Situationen fehlt noch ein bisschen die Bindung, wo Laufwege automatisch funktionieren und man weiß, was der Kollege macht. Dafür reichen fünf Wochen nicht aus", sagte Cheftrainer Urs Fischer nach dem Testspielsieg gegen die Briten. Siebatcheu besitzt die Qualität, die Automatismen im Unioner Offensivspiel schnell zu verinnerlichen, um in der kommenden Bundesliga-Saison mindestens auf die gleiche Trefferzahl wie Awoniyi zu kommen.

Schlüsselspieler: Sheraldo Becker

"Es ist ein gutes Zeichen, dass wir einen Leistungsträger wie Sheraldo länger an uns binden konnten", sagte Ruhnert nach Bekanntgabe der Vertragsverlängerung des niederländischen Sprinters. Sechs Tore und neun Vorlagen in 40 Saisonspielen steuerte der aus der Ajax-Fußballschule stammende Becker zur Europa-League-Qualifikation bei. Der 27-Jährige war in der abgelaufenen Spielzeit der zweitschnellste Spieler der Bundesliga mit 36,39 km/h - hinter Jeremiah St. Juste mit 36,63 km/h. Becker ist vielseitig einsetzbar, präferiert jedoch die Position des Rechtsaußen. Seit seiner Ankunft in der Hauptstadt im Sommer 2019 hat sich der Offensivmann trotz einiger Verletzungsunterbrechungen stetig weiterentwickelt und an Scorerpunkten draufgepackt. Mit seinem Tempo und der daraus entstehenden Torgefahr ist er ein Unterschiedsspieler, den es so im Kader von Fischer kein zweites Mal gibt.

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Youngster to watch: Jamie Leweling

Der U21-Nationalspieler ist das derzeit wohl größte Talent in den Reihen der Köpenicker. Zum Ende der abgelaufenen Saison entschied sich Leweling für den Wechsel in die Hauptstadt. Achtmal lief Leweling für die deutsche U21-Nationalelf auf und schoss bei seinem Debüt direkt ein Tor beim 6:0 gegen San Marino. Mit sieben Scorerpunkten (vier Tore, drei Assists) war der 21-Jährige an mehr als jedem vierten Treffer der Fürther beteiligt. Hinter Branimir Hrgota war der Deutsch-Ghanaer zweitbester Torschütze. Seine Bilanz beim Kleeblatt insgesamt: 17 Scorerpunkte in 82 Spielen. Leweling gilt als technisch und physisch starker Offensivspieler, der ähnlich wie Becker in der vordersten Reihe sämtliche Positionen bekleiden kann und durch eine überdurchschnittliche Geschwindigkeit besticht.

So könnten sie spielen

Vor dem Auftakt im DFB-Pokal gegen den Chemnitzer FC und den Bundesliga-Kracher gegen den Stadtrivalen Hertha BSC kommt in Sachen Aufstellung beim FCU langsam Licht ins Dunkel. Im von Fischer favorisierten 3-3-2-2-System scheinen sieben Positionen festzustehen: Sicher im Tor stehen wird Frederik Rönnow, der von der Leverkusen-Leihgabe Lennart Grill herausgefordert wird. Ebenfalls gesetzt ist Robin Knoche als Abwehrchef, neben dem sich rechts Paul Jaeckel und Doekhi und links Dominique Heintz und Leite um die Plätze in der Innenverteidigung streiten. Heintz machte seine Sache im Test gegen Nottingham außerordentlich gut, ließ Gegenspieler Awoniyi nicht zur Entfaltung kommen. Sofern Union auf den Außenverteidigerpositionen keinen Handlungsbedarf mehr sieht, scheinen Christopher Trimmel und Niko Gießelmann ebenso gesetzt. Im offensiven Mittelfeld scheinen derzeit Haraguchi und Haberer die Nase vorn zu haben. Als klassischer Abräumer dürfte dahinter Rani Khedira gegen die "Alte Dame" auflaufen. Thorsby hat hingegen noch mit Trainingsrückstand zu kämpfen. In vorderster Front geht erst mal kein Weg an dem Sturmduo Siebatcheu und Becker vorbei.

Die mögliche Startelf

Rönnow - Jaeckel, Knoche, Heintz - Trimmel, Khedira, Gießelmann - Haberer, Haraguchi - Becker, Siebatcheu

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Bisherige Vorbereitung

Das diesjährige Trainingslager absolvierte Union Berlin im österreichischen Neukirchen am Großvenediger. Zehn Tage schufteten die Mannen von Fischer für die neue Saison. Der 56-Fußballlehrer zog folgendes Fazit: "Die Mannschaft hat toll mitgezogen. Es war anstrengend. Die Jungs haben bei zwei Einheiten am Tag - gerade nachmittags, wo es ein bisschen wärmer wurde - wirklich toll mitgezogen. Ich würde sagen, dass das, was wir auf dem Plan hatten, wir fast zu 100 Prozent umsetzen konnten. Es war auch wichtig, dass wir keine Verletzte davongetragen haben. Müde Beine gehören dazu."

Die sieben Testspiele fallen ebenfalls insgesamt positiv aus: Nach zwei Siegen gegen den Regionalligisten Viktoria Berlin (3:1) und den Zweitliga-Aufsteiger Magdeburg (4:1) folgte ein kurzer Ausreißer mit dem 0:1 gegen Eintracht Braunschweig, der allerdings durch Siege gegen Bohemians Dublin (2:1) und Dynamo Budweis (2:1) wiedergutgemacht werden konnte. Vor der bereits beschriebenen Feuertaufe gegen den ambitionierten Premier-League-Club Nottingham Forest spielte der FCU 3:3 gegen Serie-A-Club Udinese Calcio und holte dabei einen Zwei-Tore-Rückstand auf.

Saisonziel und Prognose

Beim 1. FC Union Berlin wollen sie auch im vierten Jahr Bundesliga nacheinander an ihren konservativen Saisonzielen festhalten. "Für zehn, zwölf Vereine – also auch uns – geht es erstmal darum, schön fleißig zu sein und Punkte gegen den Abstieg zu sammeln. Wenn du das erreicht hast, kannst du dir neue Ziele setzen", gibt sich Union-Präsident Dirk Zingler bescheiden. Seit Jahren setzen die Eisernen auf dem Trainer- und Managerposten auf Kontinuität: Fischer ist das fünfte, Ruhnert das sechste Jahr in Amt und Würden beim FCU. Eine lohnenswerte Vereinspolitik, die den Kultclub aus Köpenick zumindest aktuell zur sportlichen Nummer eins in der Hauptstadt reifen ließ.

Union spielt zum zweiten Mal nacheinander im europäischen Wettbewerb, nach der UEFA Europa Conference League dieses Mal sogar in der bedeutsameren UEFA Europa League. Die Dreifachbelastung wird die gewohnt fitte und physisch starke Mannschaft von Fischer erneut gut wegstecken. Dennoch bleibt es abzuwarten, inwieweit die Abgänge von Awoniyi und Prömel aufgefangen werden können. Ein bis zwei Neuverpflichtungen - beispielsweise ein international erfahrener Linksverteidiger - könnten dem Kader guttun. Eine Platzierung zwischen Platz fünf und sieben dürfte schwer zu wiederholen, aber keineswegs unmöglich sein. Realistisch erscheint angesichts der Transferaktivitäten der Konkurrenz allerdings ein Tabellenplatz im sicheren Mittelfeld.