Sinsheim - Es war kein riesengroßer Jubel, der nach dem Schlusspfiff aufbrandete bei Hertha BSC. Dafür hatten sie ja auch das siebte Spiel in Serie nicht gewonnen. Aber durch dieses 1:2 bei der TSG Hoffenheim hat sich die Hertha mit Ach und Krach im Saisonfinale Platz 15 und damit den Klassenerhalt gesichert.

Es war eher große Erleichterung zu spüren bei den Berliner Fußballern und ihrem Anhang, als sie nach dem Abpfiff gemeinsam das Minimalziel feierten, das sie durch das Minimalergebnis erreicht hatten. Schon vor dem Spieltag war klar: Verliert die Hertha nur mit einem Tor Unterschied in Hoffenheim bleibt sie in der Liga – egal, was auf den anderen Plätzen passiert. "Aber als Sportler", haderte Hertha-Trainer Pal Dardai, "ärgert es mich wahnsinnig, dass wir nach dem 1:1 noch das 1:2 hinnehmen mussten." Und trotzdem war Dardai natürlich "sehr glücklich, den Klassenerhalt geschafft zu haben". Richtig entladen hat sich die Anspannung bei den Berlinern und bei Dardai sichtbar nur einmal: Als der acht Minuten zuvor eingewechselte Roy Beerens in Minute 72 das 1:1 erzielt hatte, sprintete Dardai jubelnd durch seine Coaching-Zone.

"Ein bisschen stolz"

Dardai hat die Mission Klassenerhalt erfüllt, nachdem er im Februar für 15 Spiele vom Jugend- zum Profitrainer nominiert wurde. Damals stand die Hertha mit dem Trainer Jos Luhukay auf Abstiegsrang 17. Beendet haben die Berliner die Saison nun aufgrund des besseren Torverhältnisses auf Rang 15, punktgleich mit dem Hamburger SV auf Relegationsrang 16. Dardai wollte das letzte halbe Jahr lieber "schnell vergessen". Einerseits. Andererseits aber sagte er: "Die Spieler müssen lernen, lernen, lernen, lernen. Vor allem müssen sie die Angst vergessen und Fußballspielen. Das ist wichtig."

Es sei nicht einfach gewesen für ihn, "da reingeschmissen" worden zu sein, erzählte Dardai. Ein bisschen stolz sei er, den Klassenerhalt aus eigener Kraft geschafft zu haben. Er sei niemand, der rumheule, aber jetzt müsse er einfach einmal sagen, dass ihm oft Kreativspieler wegen Verletzung gefehlt hätten. Bei der Hertha fielen in der Rückrunde immer wieder wichtige Offensivspieler länger aus: Alexander Baumjohann, Tolga Cigerci, Julian Schieber und Änis Ben-Hatira fehlten auch in Hoffenheim. Wichtig seien die Siege gegen Paderborn und Hamburg gewesen, analysierte Dardai. Der 39-Jährige gab zu, dass ihm aber die letzten Spiele nicht gefallen hätten: "Das war eine Charakterfrage und da haben wir ein bisschen gewackelt." Pragmatisch hakte Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger das Spiel in Hoffenheim und die Saison ab, er sagte: "Ich bin einfach nur glücklich. Wie wir den Klassenerhalt geschafft haben, interessiert morgen nicht mehr."

"Hoffe, dass er bleibt"

Interessant aber ist die Frage, wer im nächsten Jahr Trainer der Hertha sein wird. Pal Dardais Vertrag als Cheftrainer läuft aus. Innerhalb der Mannschaft hat er viele Fürsprecher für ein weiteres Engagement. Mittelfeldspieler Per Skjelbred erklärte: "Pal hat sehr gute Arbeit geleistet, uns immer versucht, den Stress zu nehmen. Ich hoffe für uns, dass er bleibt." Und Rechtsverteidiger Peter Pekarik sagte: "Wir sind in der Defensive stabiler geworden, ich hoffe, dass es mit Dardai weitergeht." Dardai ist im Zweitberuf aber auch noch Nationaltrainer in seiner Heimat Ungarn. Hertha Manager Michael Preetz hatte jüngst erklärt, gehe die Saison nach seinen Wünschen aus, dann stehe eine Verlängerung der Zusammenarbeit mit Dardai nichts im Wege. Am Dienstag findet die Hertha-Jahreshauptversammlung statt, und vielleicht gibt Preetz ja da die Weiterverpflichtung von Dardai bekannt. Der Ungar gönnte sich am Samstagabend erstmal einen Rotwein, er sagte: "Das habe ich mir verdient."

Aus Sinsheim berichtet Tobias Schächter