Eine Vorlage und ein Tor: Nuri Sahin ist der Mann des 2. Bundesliga-Spieltags - © imago
Eine Vorlage und ein Tor: Nuri Sahin ist der Mann des 2. Bundesliga-Spieltags - © imago
Bundesliga

Borussia Dortmund: Sahins Tor für die schwarz-gelbe Seele

Dortmund - BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball drückte ihn an sich und herzte ihn, Trainer Peter Bosz flüsterte ihm im Vorbeigehen noch schnell ein Lob ins Ohr und Marco Reus machte sich einen Spaß daraus, den Interview-Marathon seines gefragten Kumpels gleich per Video festzuhalten: Nuri Sahin stand als Mann des Spiels nach dem 2:0-Erfolg von Borussia Dortmund über Hertha BSC im Mittelpunkt – ebenso wie sein vermeintlich schwacher rechter Fuß.

"Ich hatte ein gutes Gefühl"

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Mit eben jenem Fuß hatte Sahin in der 57. Minute ein wunderschönes Tor erzielt, als er den Ball per Dropkick aus knapp 20 Metern ins Tor der Berliner gedroschen und die Partie damit praktisch entschieden hatte. Seinen Mitspielern lieferte er damit eine Steilvorlage; nach dem Abpfiff blühte der Flachs. "Das hat im Stadion keiner gewusst, dass er mit rechts auch schießen kann. Und wir auf dem Platz haben es auch nicht gewusst", lachte Gonzalo Castro. Den rechten Fuß habe er sonst doch nur zum Wasser holen, setzte Castro noch einen drauf – ähnliches hatte Reinhard Rauball dem Dortmunder Mittelfeldstrategen auch schon schmunzelnd gesagt.

Sahin selbst gab erst den Entrüsteten und musste dann doch selbst grinsen: "Ich bin mir auch nicht sicher, wie oft ich den Ball mit rechts so gut treffe. Aber ich hatte ein gutes Gefühl, als er den Fuß verlassen hat." Ein wenig abgekämpft, aber auch sichtlich glücklich und zufrieden stand der 28-Jährige nach dem zweiten Saisonsieg der Dortmunder Rede und Antwort. Und ein wenig schien Nuris Sahin auch zu genießen, endlich wieder mittendrin und voll dabei zu sein, endlich wieder Spiele für seine Borussia zu entscheiden, endlich wieder so richtig helfen zu können und zu dürfen.

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"Ich will nicht der Beste oder Wichtigste sein, ich will Teil der BVB-Familie sein." Nuri Sahin

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"Das war wahrscheinlich in der E-Jugend"

Dass er sich dabei endlich auch wieder auf seinen Körper verlassen kann, quasi die komplette Vorbereitung absolvierte, ist unabdingbare Voraussetzung. Dass Peter Bosz zudem auf ein Spielsystem setzt, das in Teilen an den Vollgasfußball von Jürgen Klopp erinnert, hilft Sahin ebenfalls bei der Rückkehr zu alter Stärke und Wichtigkeit. Die Mannschaft steht höher, Dortmunds Nummer 8 kann seine Qualitäten besser zur Geltung bringen, kommt auch selbst in Abschlusssituationen. Wie gegen die Berliner spielt Sahin nicht nur im Zentrum, sondern ist mit seiner Übersicht auch das Herzstück des Dortmunder Spiels. Er bestimmt den Rhythmus, er dirigiert, er lenkt.

Die Torvorlage zum Führungstreffer von Pierre-Emerick Aubameyang war gegen die Herthaner ein erster, zählbarer Ertrag seines Spiels. Gutes Auge, schneller Antritt, präzise Flanke – Auba musste nur noch Danke sagen. Der eigene Treffer setzte dann das I-Tüpfelchen auf eine starke Leistung, das ganze Stadion feierte lautstark seinen „Nuuuuuuuuriiiii“. Rund zweieinhalb Jahre war es her, dass er sich in der Bundesliga in die Torschützenliste eintragen konnte. Und wann hat er das letzte Mal mit dem rechten Fuß getroffen? Nuri Sahin lachte an diesem Abend ganz entspannt: „Das war wahrscheinlich in der E-Jugend."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte