Dortmund - Mit dem spektakulären 4:2-Erfolg über den FC Bayern hat sich Borussia Dortmund den Supercup und damit den ersten Titel der Saison gesichert. Für Nuri Sahin verbindet sich mit dem Triumph zugleich die Hoffnung, dass der Sieg über den Wettbewerb hinaus eine Signalwirkung für die gesamte Saison haben kann.

Nach zuletzt fünf Spielen ohne Sieg haben die Dortmunder im Duell der beiden besten deutschen Mannschaften dieses Mal die Nase vorn gehabt. Nuri Sahin stand dabei endlich einmal wieder in der Startformation und zog auf seiner angestammten Position im defensiven zentralen Mittelfeld die Fäden. Nach der Partie lobte ein zufriedener türkischer Nationalspieler den Gegner in hohen Tönen, wertete den BVB-Erfolg aber auch als Zeichen für die Bundesliga. Ein Gespräch über hohen Aufwand, einen perfekten Einstand für die eigenen Neuzugänge und schlagbare Bayern.

Frage: Nuri Sahin, was überwiegt nach dem 4:2-Erfolg im Supercup - die Freude über den Titel oder die Freude, mal wieder die Bayern geschlagen zu haben?

Nuri Sahin: Das ist beides für uns wichtig, ganz klar. Einen Titel gleich zu Saisonbeginn zu holen, ist immer schön. Und die Bayern zu schlagen auch. Für uns war es ein wichtiges Spiel, um zu sehen, wo wir im Moment stehen und wie weit wir sind. Dafür gibt es keinen besseren Gegner als Bayern München. Sie waren in der letzten Saison die beste Mannschaft der Welt. Dass es für den Sieg über die Bayern am Ende auch noch einen Pokal gab, war umso schöner.

Frage: Wie groß war der Aufwand, den der BVB für den Sieg betreiben musste?

Sahin: Das war ein großer Aufwand und nicht nur wegen der hohen Temperaturen richtig anstrengend. Die Bayern lassen den Ball gut laufen, sodass bei uns sehr viel Laufarbeit gefragt war. Du musst gegen die Bayern sehr oft verschieben - nicht ein Mal, nicht zwei Mal, nicht drei Mal, sondern ständig hin und her. Das ist dann nicht einfach zu spielen und erfordert über das gesamte Spiel einen hohen Aufwand.

Frage: Auf der anderen Seite hat es der BVB den Bayern aber auch nicht leicht gemacht.

Sahin: Wir haben es gut gespielt, sind gut in die Lücken gegangen, haben unsere Chancen genutzt und unsere Tore gemacht. Das konnte sich sehen lassen. Für uns war dieses Spiel eine wichtige Einheit. Jetzt wissen wir, wo wir stehen.

Frage: Und wo steht der BVB zu diesem Zeitpunkt der Saisonvorbereitung?

Sahin: Wir können sehr zufrieden sein. In meinen Augen haben wir eine bislang sehr gute Vorbereitung gekrönt durch das Spiel und den Gewinn des Supercups. Die Saison kann kommen! Die Partie war auch wichtig für unsere Neuzugänge. Sie haben direkt gesehen, was für eine Stimmung in Dortmund herrscht und haben sich auf der anderen Seite auch gut eingefügt. Aubameyang hat sich gleich mit einer Torvorlage eingeführt, Sokratis hat zum Ende hin noch einmal für Stabilität gesorgt. Es war insgesamt ein guter Tag für uns und unsere Neuzugänge!

Frage: Tut es auch gut zu sehen, dass man die Bayern nach zuletzt fünf Duellen ohne Sieg auch wieder schlagen kann?

Sahin: Natürlich ist das auch ein gutes Gefühl. In der vergangenen Saison haben wir es leider nicht geschafft. Da waren die Bayern unheimlich stark und haben alle Titel abgeräumt. Aber gerade darum war dieser Sieg jetzt war auch für die gesamte Bundesliga wichtig. Weil wir gezeigt haben, dass die Bayern eben doch schlagbar sind. Es wurde ja in den letzten Wochen schon von mancher Seite die Prognose aufgestellt und die Befürchtung geäußert, dass die Bayern kein Spiel mehr verlieren. Wir haben jetzt gezeigt, dass es eben doch geht!

Frage: Glauben Sie, dass dieses Spiel tatsächlich auch ein Signal an die Bundesliga ist?

Sahin: Ich denke schon! Die Bayern hatten ja auch bis zum Supercup eine tolle Vorbereitung, haben in ihren Testspielen um die 60 Tore erzielt und alles abgeräumt. Das war schon beeindruckend und dann ist der Respekt bei allen anderen Clubs natürlich sehr groß. Aber wir haben jetzt ein Zeichen für die Liga gesetzt! Wir haben bewiesen, dass es auch anders geht. Das war im Interesse der gesamten Liga.

Frage: Sind die neuen Bayern unter Guardiola schwieriger zu spielen als in der vergangenen Saison?

Sahin: Es ist immer schwer, gegen die Bayern zu spielen. Sie scheinen in dieser Saison auf noch mehr Ballbesitz aus zu sein als im Vorjahr. Man hat auch gesehen, dass sie auch den Torwart mit einbeziehen, der als Anspielstation und als Fußballer gefordert ist und Pässe spielen soll. Dazu haben sie mit Thiago einen sehr guten Neuzugang auf der Sechser-Position, der die Bälle sehr gut erobert und verteilt hat. Das hat die Sache insgesamt sicher nicht einfacher gemacht für uns. Aber letztlich haben wir es gut gelöst.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte