Neapel - Es war ein anstrengender Abend für Nuri Sahin beim SSC Neapel. Vor allem nach dem Platzverweis für Roman Weidenfeller. Sahin hatte die meisten Ballkontakte aller Dortmunder Spieler, er schoss drei Mal aufs Tor und gewann gleich zehn seiner Zweikämpfe. Das 2:1 im Stadion San Paolo konnte aber auch er nicht verhindern.

"Ein Punkt wäre schön gewesen. Wenn wir am Ende noch ein Unentschieden geholt hätten, hätten wir zufrieden nach Hause fliegen können. Das Gute ist, dass wir noch fünf Spiele haben", erklärte Sahin im bundesliga.de-Interview die Niederlage in Neapel. Der Mittelfeldstratege analysierte auch den Spielverlauf, die beinahe erfolgreiche Aufholjagd und das Ansehen des BVB nach der Finalteilnahme der Vorsaison.

bundesliga.de: Herr Sahin, Sie sehen sehr niedergeschlagen aus. Wie sehr schmerzt die Niederlage in Neapel?

Sahin: Auf diese Art und Weise zu verlieren, das tut richtig weh. Wir haben eigentlich gut in die Partie gefunden. Nach dem Gegentor hat uns die Rote Karte aber komplett aus dem Spiel genommen. In der zweiten Halbzeit haben wir es dann eigentlich recht gut gemacht. Mit ein bisschen Glück holen wir vielleicht auch einen Punkt. Aber Neapel hat den Ball in Überzahl gut laufen gelassen und das Spiel letztlich verdient gewonnen.

bundesliga.de: War der Platzverweis die Schlüsselszene in diesem Spiel?

Sahin: Alles, was gegen uns laufen kann, lief irgendwie gegen uns. In der ersten Halbzeit waren wir im falschen Film. Da sind wir auch selbst schuld. Es ist nur noch eine Minute zu spielen. Da müssen wir uns in die Halbzeit retten. Mit zehn Mann wird es dann natürlich sehr schwierig.

bundesliga.de: Am Ende hat der BVB dann aber sogar noch in Unterzahl die Chance zum kleinen Fußball-Wunder.

Sahin: In den letzten 15 Minuten waren wir fitter als Neapel. Wir haben gepresst und geschoben und auch noch das eine Tor geschossen. Aber dafür bekommen wir am Ende dennoch nichts.

bundesliga.de: Begegnet einem der Gegner nach der Endspiel-Teilnahme der Vorsaison mit mehr Respekt und Achtung?

Sahin: In der Champions League wird jeder Gegner ernst genommen. Da wird um jeden Zentimeter gekämpft. Natürlich haben wir uns noch ein wenig mehr Ansehen erarbeitet. Das ist ja normal. Das macht die Sache aber nicht einfacher.

bundesliga.de: Fühlen Sie sich mit der Borussia neben dem FC Bayern als gejagtes Team?

Sahin: Wir sind nicht die Gejagten. Wenn wir uns so fühlen würden, wäre das der Anfang vom Ende. Wir fühlen uns weiterhin als Herausforderer, wollen aber in jedem Spiel auftreten wie ein Favorit. Das ist unsere Mentalität und das hat man in Neapel auch mit zehn Mann gesehen, dass wir unseren Fußball auf den Platz bringen wollen.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die Niederlage zum Gruppenauftakt?

Sahin: Es ist noch nicht viel passiert. Aber ein Punkt wäre dennoch schön gewesen. Wenn wir am Ende noch ein Unentschieden geholt hätten, hätten wir zufrieden nach Hause fliegen können. Das Gute ist, dass wir noch fünf Spiele haben.

Das Gespräch führte Michael Reis