Gelsenkirchen - Leon Goretzka überragt für die Nationalmannschaft beim Confed-Cup in Russland auf ganzer Linie. Erst überzeugte er gegen Australien als Schaltzentrale im Mittelfeld als Vorlagengeber und Torschütze. Im Halbfinale gegen Mexiko steuerte er ebenfalls zwei Treffer zum 4:1 bei. Der FC Schalke 04 kann sich freuen, verletzungsfrei entwickelt sich der Führungsspieler mehr und mehr zu einem Akteur hoher internationaler Klasse.

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Dass Goretzka viel Talent mitbringt, ist für Fußball-Deutschland nichts Neues. Spielerisch herausragend und dazu noch treffsicher hat er sich bereits in der Junioren-Bundesliga für den VfL Bochum und den Nationaltrikots für die Juniorenauswahlen präsentiert. In der 2. Bundesliga hat er für den VfL sein Potenzial unterstrichen, in der Bundesliga in seiner Schalke-Premierensaison 2013/14 ebenfalls gute und vielversprechende Leistungen gezeigt. Dann warfen ihn ein hartnäckiger Muskelbündelriss und Reha-Komplikationen etwa acht Monate zurück. In der vorletzten Spielzeit nahm Goretzka trotz einer immer wiederkehrenden Schulterverletzung aber wieder Anlauf, in der letzten machte er - weitestgehend fit - schließlich den Sprung zum unumstrittenen Leistungsträger im königsblauen Dress.

Der Weg zum Spitzenspieler

In der kürzlich beendeten Bundesliga-Saison kam Goretzka in 2567 Minuten zum Einsatz, bei den Knappen absolvierte unter den Feldspielern nur Kapitän Benedikt Höwedes mehr. Fünf Tore - zwei mit dem rechten Fuß, zwei mit dem linken und eins mit dem Kopf - und drei Vorlagen verbuchte er - mehr Scorerpunkte sammelten bei S04 nur Top-Torjäger Guido Burgstaller und Offensiv-Spielmacher Nabil Bentaleb. Kurzum: 95er Jahrgang Goretzka gehört bei Schalke schon jetzt zu den wichtigsten Spielern; von Verletzungen verschont, entwickelt er sich mit beeindruckender Zuverlässigkeit - Ende offen.

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Seinen Leistungen entsprechend berief DFB-Coach Löw den gebürtigen Bochumer im November des vergangenen Jahres nach einer im Mai 2014 absolvierten Halbzeit in einem Freundschaftsspiel gegen Polen erneut in die Nationalmannschaft. Gegen San Marino und Italien lief Goretzka auf, in diesem Monat nun gegen Dänemark, wieder San Marino und Australien. Gegen die "Socceroos" markierte er jetzt seinen ersten Treffer für den Weltmeister, leitete beim 3:2-Erfolg zudem das 1:0 durch Lars Stindl ein und holte den von Julian Draxler verwandelten Elfmeter zum 2:1 heraus. "Das war auf jeden Fall mein erfolgreichstes Länderspiel", konstatierte Goretzka. "Für mich war Leon der beste Spieler auf dem Platz. Er hat ein Super-Spiel gemacht", pflichtete DFB-Kollege Joshua Kimmich bei.

Video-Rückblick: Goretzka vor dem Revierderby

Alles drin

Nach dem Confed-Cup geht Goretzka - nach wohlverdientem Urlaub - schon in seine fünfte Saison in der Bundesliga. Er wirkt so formstark, und zudem so fit, wie nie zuvor. Bei Königsblau wird der 1,89-Meter-Mann für das zentrale Mittelfeld auch in der Spielzeit 2017/18 eine tragende Rolle einnehmen, daran gibt es kaum Zweifel. Mit Freude bleibt es abzuwarten, wie sich der hochveranlagte Führungsspieler in naher sowie in mittel- und langfristiger Zukunft entwickelt.

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Goretzka selbst bleibt auf dem Boden, auch wenn die Presse ihn nach dem starken DFB-Auftritt in den Fußballhimmel lobt. Ehrgeizig gibt er sich jedoch, das war stets Teil seiner Mentalität. "Als Führungsspieler musst du erst einmal deine Leistung abrufen. Das ist der erste Schritt, damit du ein Stück weit unantastbar bist", äußerte er. "Dann kannst du anfangen, dich um andere zu kümmern und sie mitreißen. Ich bin gerade dabei, mir so einen Baustein aufzubauen." Liefert Goretzka weiter ab wie im vergangenen Jahr, dürfte der Stein ein festes Fundament für viele weitere Steine bilden.

Felix Tschon