London - Endlich ist der Bann gebrochen, endlich ist Arsenals Heimnimbus gegen deutsche Clubs Geschichte. Mit dem FC Schalke 04 hat nach zuvor sechs Niederlagen und einem Remis zum ersten Mal ein Bundesligist bei den "Gunners" gewonnen. 25 Partien (vier Remis, 21 Niederlagen) mussten deutsche Clubs darüber hinaus auf einen Dreier in der "Königsklasse" auf der britischen Insel warten.

Auch, wenn nach dem 2:0 neben den Punkten die Tabellenführung für die "Königsblauen" das Wichtigste an diesem Abend im Emirates Stadium war, so bleibt der Eintrag in die Geschichtsbücher natürlich nicht ohne Wert. "Es gibt im Fußball immer ein erstes Mal. Und heute war so ein Tag. Darauf können wir natürlich stolz sein", sagte Jefferson Farfan im bundesliga.de-Interview.

Souverän, entschlossen - und mit dem "Hunter"



Es war schon beeindruckend, mit welcher Souveränität und Entschlossenheit die Schalker beim Favoriten auf den Gruppensieg zu Werke gingen. 90 Minuten lang beackterten und bearbeiteten sie die Techniker aus London. "Das war ein sehr intensives Spiel. Ich bin jedem Ball wie ein Hund hinterher gejagt. Aber wir wurden für unseren Einsatz ja belohnt", erklärte Lewis Holtby, der die Spielmacher-Rolle hinter der einzigen Spitze Klaas-Jan Huntelaar nicht so kreativ wie gewohnt ausfüllte. Aber das war wohl der Preis für den eingesetzten Kampfgeist.

Insgesamt ging in der S04-Offensive zunächst wenig zusammen. Lediglich zwei Schüsse gaben sie im ersten Durchgang ab. Und das, obwohl mit Vito Mannone der dritte Torhüter Arsenals zwischen den Pfosten stand, der in der Vergangenheit immer für einen Patzer gut war. Auch in den zweiten 45 Minuten wurde es nicht viel besser. Nur gut, dass Schalke mit Huntelaar einen Torjäger der Extraklasse in seinen Reihen hat. Der "Hunter" und Ibrahim Afellay sorgten mit ihren Treffern nach dem Derby-Sieg für den nächsten Coup der Schalker.

Vorzeitiger Einzug ins Achtelfinale möglich



Nun winkt schon im Rückspiel gegen Arsenal in zwei Wochen in Gelsenkirchen der vorzeitige Einzug ins Achtelfinale. Bei insgesamt noch zwei Heimspielen scheint sogar der Gruppensieg nur noch Formsache. Doch Farfan tritt auf die Euphoriebremse: "Genau das zu glauben, ist gefährlich. Wir müssen diese Spiele erst einmal gewinnen. Da sollte man nicht so voreilig so weit in die Zukunft schauen."

Mit dem Selbstbewusstsein, das die Schalker in den vergangenen Tagen und Wochen angehäuft haben, könnte es für die "Knappen" eine erfolgreiche Saison werden. Viel zu verbessern gibt es laut Farfan ohnehin nicht. "Wir wissen um die Qualität in unserer Mannschaft. Wir spielen derzeit auf einem hohen Niveau. Wir müssen dieses Potenzial einfach abrufen und die Spiele dann auch gewinnen", meinte der Peruaner.

Die nächsten Partien auf dem Programm sind der 1. FC Nürnberg am Samstag in der Bundesliga und Zweitligist Sandhausen danach unter der Woche im DFB-Pokal: Lösbare Aufgaben, glaubt Sportdirektor Horst Heldt. "Normalerweise sollten wir in der Lage sein, gegen Nürnberg und im Pokal gegen Sandhausen zu gewinnen. Aber was ist schon normal im Fußball? Ich bin jetzt sehr gespannt, wie wir das von Kopf und Körper hinbekommen. Ich möchte nicht respektlos sein, aber Arsenal und Dortmund sind nun einmal andere Kaliber."

Aus London berichtet Michael Reis