München - Vier Wochen ist die Rückrunde der Saison 2010/11 bereits alt, die fünfte steht unmittelbar bevor und so wird es Zeit, mal genau hinzuschauen, wie die einzelnen Clubs aus der Winterpause gekommen sind. Wer steht besser da als zu Beginn der Hinrunde und welches Team hätte die Saison am liebsten schon nach den ersten 17 Spieltagen beendet? bundesliga.de analysiert die Situation der 18 Erstliga-Vereine.

Es war die große Frage, die alle über den Jahreswechsel hinweg beschäftigte: Wird Borussia Dortmund in der Rückrunde an die grandiose Form aus der Hinserie anknüpfen können? Ja!, lautet die offensichtliche Antwort, ist der BVB mit acht Punkten (zwei Siege, zwei Remis) aus den Partien 18 bis 21 doch das beste Team der zweiten Saison-Hälfte und stellt - wie drei andere Teams auch - mit nur zwei Gegentoren die beste Abwehr aller Clubs. Allerdings gab es 2011 noch keinen Heimsieg für die "Schwarz-Gelben", die nicht ganz so gut gestartet sind wie in der Hinrunde. Da gab es trotz einer Niederlage ganze neun Zähler aus den ersten vier Spielen.

Auch bei Bayer Leverkusen kann man zufrieden sein mit dem Rückrunden-Auftakt. Die "Werkself" musste zwar bereits zwei Pleiten einstecken, hat mit sechs Zählern aber einen mehr auf dem Konto als zum gleichen Zeitpunkt der Hinserie. Allerdings bereitet die Durchschlagskraft im Angriff ein paar Sorgen. Mit nur 42 Schüssen in Richtung Tor (Platz 11), wovon nur 37 Prozent (Rang 13) auch tatsächlich auf den gegnerischen Kasten gingen, ist diese Bilanz noch ausbaufähig. Top ist hingegen die Defensive der Rheinländer in der Schlussphase. Nach der 65. Spielminute musste Keeper Rene Adler noch nicht hinter sich greifen.

Mainz durchwachsen, Hannover ausgeglichen

Die Verantwortlichen des 1. FSV Mainz 05 denken wahrscheinlich gerne an den Sommer vergangenen Jahres zurück. Nach vier Spieltagen standen die Rheinhessen ohne Punktverlust an der Tabellenspitze - eine außerordentliche Leistung, die sie in den ersten vier Partien der Rückrunde nicht wiederholen konnten. Die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel holte nur vier Zähler und steht in der Rückrundentabelle auf Rang 13. Ein Grund dafür liegt in der Offensive, die mit bislang nur zwei Toren im Jahr 2011 eher harmlos ist. Zum selben Zeitpunkt der Hinserie hatte der FSV bereits zehn Mal getroffen.

Obwohl Hannover 96 an den Spieltagen 18 bis 21 nur 46,6 Prozent seiner Zweikämpfe gewann (Platz 15), reichte diese Bilanz zu sechs Punkten und Rang 8 in der Rückrunden-Tabelle. Ein absoluter Lichtblick hingegen ist der neue Stammkeeper des Viertplatzierten. Ron-Robert Zieler, der am Tag vor dem Spiel gegen Bremen seinen 22. Geburtstag feiert, wehrte bislang 82 Prozent der gegnerischen Torschüsse ab. Nur Manuel Neuer hielt in der Rückrunde mit einer Quote von 90 Prozent noch besser.

Eigentlich könnte der FC Bayern München mit dem Start in die Rückrunde zufrieden sein. Der Rekordmeister ist mit sieben Punkten die zweitbeste Mannschaft der ersten vier Wochen und mit elf Toren sogar die treffsicherste. Allerdings wird es den Münchenern bitter aufstoßen, dass der Rückstand auf Tabellenführer Dortmund dennoch um einen Punkt gewachsen ist. Besonders geärgert hat man sich an der Säbener Straße über die unnötige Niederlage beim 1. FC Köln vergangene Woche. Ein Zwei-Tore-Vorsprung wurde noch hergeschenkt. Das soll in Zukunft nicht mehr passieren.

Mit einem Sieg und drei Remis ist der SC Freiburg eine von drei Mannschaften (Dortmund und St. Pauli), die 2011 noch ungeschlagen sind. Allerdings sind die Breisgauer mit nur 43 Prozent gewonnener Duelle das zweikampfschwächste Team seit der Winterpause, was definitiv ausbaubar ist.

Hamburg mit Hoffnung auf Platz 1

Hoffenheim ist, wie schon in der Hinrunde, eins der Teams, das am besten aus den Startlöchern kam. An den ersten vier Rückrunden-Spieltagen reichte es jedoch "nur" zu sieben Punkten (zehn in der Hinrunde) und Platz 4 in der Tabelle. Alarmierend sollte jedoch die Tatsache sein, dass nur Bremen und Kaiserslautern mehr Gegentreffer kassierten, als die Kraichgauer (sechs).

Der HSV steht mit sechs Punkten ordentlich da. Wenn man bedenkt, dass die "Rothosen" ein Spiel weniger haben und somit noch das beste Team der Rückrunde werden können, muss man sagen, dass der Start gelungen ist. Allerdings benötigen Mladen Petric und Co. mehr Chancen. Lag die Trefferquote in der Hinrunde bei 16 Prozent, so sank sie im Verlauf der Rückserie auf neun Prozent. Sehr gut hingegen steht die HSV-Abwehr, die in den drei absolvierten Partien nur zwei Gegentreffer zuließ und zwei Mal zu Null spielte.

Der 1. FC Nürnberg ist sehr gut aus dem Winterschlaf erwacht und sitzt dem FC Bayern im Nacken. Mit ebenfalls sieben Zählern aus vier Spielen hält nur das bessere Torverhältnis den Rekordmeister vor dem "Club". Die Franken sind zudem eins von vier Teams mit der besten Defensive. Torwart Raphael Schäfer kassierte erst zwei Gegentore.

Die Frankfurter Eintracht ist denkbar schlecht in die Rückrunde gestartet. Nach drei Pleiten in Folge gab es vergangenes Wochenende in Freiburg zumindest einen Punkt. Dennoch ist die Skibbe-Elf gemeinsam mit dem 1. FC Kaiserslautern das schlechteste Rückrunden-Team. Besorgniserregend ist auch die Torflaute der Hessen. Bisher durften die Fans noch nicht jubeln. Sollte auch am 22. Spieltag vorne die Null stehen, wäre das ein negativer Vereinsrekord.

Schalke und Wolfsburg offensiv mühsam

Ähnlich sparsam wie Tabellennachbar Frankfurt ging auch der FC Schalke bisher mit den Toren um. In der Rückrunde steht erst eins zu Buche - eine Bilanz, die aber immerhin zu vier Punkten reichte. Angesichts des deutlichen Fehlstarts in der Hinrunde, als es vier Niederlagen zum Auftakt setzte, ist das eine ordentliche Ausbeute. Herausragend ist indes Manuel Neuer, der mit 90 Prozent abgewehrter Schüsse der beste aller Bundesliga-Keeper in der Rückrunde ist.

Auch Wolfsburg geiz mit Toren, was besonders daran liegt, dass nur sieben Prozent der herausgespielten Chancen auch genutzt werden. Auffällig ist, dass im Jahr 2011 noch keiner der "Wölfe"-Stürmer getroffen hat. Im Vergleich zum Hinrunden-Start liegt der VfL auf ähnlichem Level. Zu Saisonbeginn setzte es nach drei Niederlagen in Folge am 4. Spieltag schließlich einen Sieg, der die ersten drei Punkte brachte. In der Rückrunde sammelte Wolfsburg bislang vier Zähler.

Vier Punkte weist Werder Bremen nach den ersten vier Spielen der Rückserie auf - wie in der Hinrunde. Ebenfalls kassierten die Norddeutschen acht Gegentreffer. Es sieht also so aus, als müssten die "Grün-Weißen" auch in der zweiten Saisonhälfte mächtig um den Klassenerhalt kämpfen. Herausragend, allerdings negativ, ist die Elf von Thomas Schaaf in der Kategorie Foulspiele, die sie mit 94 Einträgen anführt.

Der 1. FC Kaiserslautern hat einen satten Fehlstart hingelegt und erlebt so das Kontrastprogramm zum Saisonbeginn. Damals hatten die Pfälzer nach vier Partien eine Bilanz von sieben Punkten und 8:5 Toren. An den Spieltagen 18 bis 21 gibt selbiger Überblick mit nur einem Zähler und einem Torverhältnis von 4:10 nur wenig Grund zur Freude.

Guter Start an Elbe und Rhein

Zufrieden mit dem Auftakt der zweiten Saisonhälfte dürfte man wohl beim FC St. Pauli sein. Der Aufsteiger, der allerdings eine Partie weniger hat, steht bei derzeit fünf Punkten ist noch ungeschlagen. Mit einem möglichen Sieg im Nachholspiel beim Hamburger SV könnten die "Kiez-Kicker" sogar bestes Rückrunden-Team werden. Auffällig ist auch, dass die schwächste Angriffsreihe der Hinserie (16 Treffer in 17 Partien) in der Rückrunde schon sieben Mal getroffen hat und somit der zweitbeste Sturm der Liga ist.

Auch am Rhein ist alles bestens. Der 1. FC Köln ist mit sieben Punkten grandios in die Rückrunde gestartet und liegt in der Tabelle auf einem sehr guten 4. Platz. Die sieben erzielten Tore werden nur vom FC Bayern München getoppt. Verglichen mit dem Saisonbeginn haben die "Geißböcke" beide Werte beinahe verdoppelt (vier Punkte und vier Tore nach dem 4. Spieltag).

Besser hätte der stark abstiegsgefährdete VfB Stuttgart kaum in die Rückrunde starten können. Mit acht Punkten kam nur Borussia Dortmund noch besser in Schwung als der VfB mit seinen sieben. Im Vergleich zum Saisonbeginn (drei Punkte) sind das mehr als doppelt so viele Zähler für die Schwaben. Bemerkenswert ist besonders, dass die Elf von Trainer Bruno Labbadia aus zwei Rückständen noch vier Zähler holte. In der gesamten Hinrunde konnte nur eine der 13 Partien, in denen der VfB im Hintertreffen lag, gedreht werden: in ein Remis.

Auch Schlusslicht Borussia Mönchengladbach hat einen ordentlichen Start hingelegt. Die "Fohlen" siegten in vier Rückrundenpartien genauso oft wie in der gesamten Hinrunde (zwei Mal). Außerdem hielt die anfälligste Defensive der Liga bereits zwei Mal die Null. In der Hinrunde gelang dies nur ein einziges Mal.