Sinsheim - Vedad Ibisevic rannte an die Eckfahne, sprang in die Luft und streckte die Arme in die Höhe - der Mann, nun ja, er jubelte. Gerade mal acht Minuten waren da gespielt letzten Freitagabend in der Arena in Sinsheim, als Ibisevic die vor dem Match so häufig gestellte Frage, ob er bei einem Torerfolg bei seinem Ex-Verein jubeln werde oder nicht, so beantwortete, wie er es beim dann tat.

Hinterher sagte der Bosnier: "Ich glaube, als Stürmer darf man auch jubeln, wenn man ein Tor schießt. In der Bundesliga ist es nicht so einfach, Tore zu schießen. Da darf eine Belohnung sein." Die Belohnung war ziemlich groß an diesem Tag für Ibisevic. Denn zwei Minuten vor dem Halbzeitpfiff köpfte der Bosnier den Ball zum 2:0 ins Hoffenheimer Tornetz. Wie schon bei der Führung hatte Khalid Boulahrouz von der rechten Seite hervorragend vorbereitet. Für Hoffenheim reichte es trotz guter Chancen nur noch zum Anschlusstor durch ein Elfmetertor des eingewechselten Sejad Salihovic (75.).

"Der Wechsel war richtig"



Erst im Winter war der Mann des Tages nach viereinhalb Jahren mit 43 Toren in 92 Spielen von Hoffenheim nach Stuttgart gewechselt. Nun hat Ibisevic für den VfB schon vier Treffer in acht Spielen gemacht und den VfB damit auf Europapokalkurs gebracht. Der Angreifer behauptete zwar hinterher, es sei kein besonderes Spiel für ihn gewesen, aber geglaubt haben das die wenigsten. Bei 1899 hatten sie Ibisevic solche Leistungen wie jene am Freitag ja nicht mehr zugetraut, er wollte auch weg. Nun ist er nach kurzer Zeit bereits voll akzeptiert in Stuttgart: "Seine Laufwege beschäftigen die ganze Verteidigungskette, er macht viele Wege für andere frei. Und im Strafraum lauert er immer auf ein Tor", lobt Boulahrouz den Kollegen. Und auch VfB-Trainer Bruno Labbadia freut sich über die starken Leistungen des Neuzugangs. "Ich freue mich riesig, dass er seine Rückkehr so vergoldet hat", sagte der Coach nach Ibisevic' Gala-Auftritt.

Der 27-Jährige, der nach dem Spiel mit seinem alten Kumpel Sejad Salihovic die Trikots tauschte, ist froh über seinen Wechsel. "Ab dem Moment war es richtig, weil ich nicht mehr zurückschauen wollte. Ich habe alles dafür getan, dass es ein richtiger Schritt wird. Ich fühle mich im Moment gut", sagte der Stürmer. Auch VfB-Manager Fredi Bobic freute sich über "zwei fantastische Tore" seines Neuzugangs.

Zwangspause gegen Nürnberg



"Die Jungs machen es mir auch einfach", erklärt Ibisevic seinen tollen Start an neuer Wirkungsstätte. Der bosnische Nationalspieler hat fast schon den Status eines Unersetzbaren beim VfB. Groß war das Lamento nach dem Spiel nämlich, weil Ibisevic kurz vor dem Abpfiff seine fünfte Gelbe Karte gesehen hatte, nachdem er Tom Starke am Auge getroffen hatte - der Hoffenheimer Torwart hatte in dieser Situation den Ball eine Sekunde eher als der Stuttgarter Stürmer erreicht. "Ich habe ihn ein bisschen unglücklich getroffen. Das war aber keine Absicht. Ich habe gedacht, dass er den Ball noch mal loslässt", erklärte Ibisevic. Nun werden die Stuttgarter zeigen müssen, wie sie den Ausfall eines ihrer derzeit wichtigsten Spieler verkraften.

Tobias Schächter