Zusammenfassung

  • Kevin-Prince Boateng sollte Frankfurt in dieser Saison verstärken - das tat er.

  • Der Mittelfeldspieler glänzte bei der Eintracht in verschiedenen Rollen.

  • Am Ende stand neben einer starken Bundesliga-Spielzeit der DFB-Pokalsieg.

Frankfurt am Main - Als Eintracht Frankfurt im August des letzten Jahres die Verpflichtung von Kevin-Prince Boateng bekanntgab, sorgte das für Begeisterung genauso wie für Zweifel. "Wir sind überzeugt davon, dass er eine wichtige Rolle einnehmen kann. Kevin ist ein Winnertyp mit einem unbändigen Willen", sagte Fredi Bobic, Vorstand Sport, damals selbstbewusst. "Insbesondere die jüngeren Spieler werden von seinem Auftreten profitieren." Mit ihrer Überzeugung sollten die Verantwortlichen der Eintracht Recht behalten.

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Sichtlich glücklich stand Kevin-Prince Boateng einen Tag nach dem Frankfurter Erfolg im DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern auf dem Balkon des Römer, des Rathauses; seine Mannschaft hatte vorher Beeindruckendes geleistet, den ersten Titel seit 30 Jahren in die Mörfelder Landstraße geholt. Boateng sicherte sich vor zehntausenden gekommenen Fans einen Platz in den Fußball-Jahresrückblicken, als er erzählte, dass sein Mitspieler Ante Rebic - der schließliche Doppeltorschütze und damit Mann des Finals - ihn vor der Partie bat: "Bruder, schlag den Ball lang!" Dann habe Boateng den Ball eben lang geschlagen. Interessanter war eigentlich aber das, was der 31-Jährige zuvor sagte. "Wir haben eine Maschine in der Mannschaft", äußerte er über Kollege Rebic, setzte anschließend zu Sprechchören über den Stürmer an. Dabei agierte vor allem Boateng während der Saison maschinenähnlich als Motor der SGE. Sein Rebic-Lob zeigt, dass er sich zu einem Teamspieler sondergleichen entwickelt hat. Als Sommer-Neuzugang zum vielleicht wichtigsten Führungsspieler der Hessen.

Video: Owo Meets Kevin-Prince Boateng

Der Unterschiedsmacher

Im zentralen Mittelfeld, als Achter oder Zehner, teilweise auch als Angreifer - und sogar hin und wieder auf der Sechs vor der Abwehr - führte Kevin-Prince Boateng die Eintracht in der Bundesliga auf einen beeindruckenden achten Tabellenplatz. Zugegeben, es war mehr drin: Nach 27 Spieltagen belegten die Frankfurter noch Champions-League-Rang vier, mit acht Punkten Vorsprung auf Platz acht.

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Nach 34 Spieltagen schien der Traum vom internationalen Geschäft allerdings fast geplatzt, hieß der Gegner im Finale des DFB-Pokals doch Bayern. Die SGE ließ das aber kalt, zeigte im wohl schwierigsten Duell der Spielzeit keine Schwäche. Boateng schob seine Mitspieler dabei stets an, überragte in den Zweikämpfen und leitete die ersten beiden Tore ein. Am glorreichen Abschied seines Trainers Niko Kovac, der 2018/19 die Münchner vom Spielfeldrand betreut, hatte der gebürtige Berliner in der Hauptstadt entscheidenden Anteil.

Kampfgeist par excellence

Kevin-Prince Boateng setzt im DFB-Pokalfinale Akzente © gettyimages / Lars Baron / Bongarts

Als "Winnertyp mit unbändigem Willen", bezeichnete Fredi Bobic den Boateng-Transfer im letzten Sommer; eine zutreffendere Beschreibung lässt sich in der Nachlese nach einem Spieljahr mit den Hessen kaum treffen. Kevin-Prince Boateng jedenfalls erreichte sein damals formuliertes Ziel: "Ich brenne darauf, mit meinen neuen Kollegen gemeinsam für den Adler auf unserer Brust einzustehen und um unsere Punkte zu kämpfen." Ein Kämpfer, das ist er ohne Frage - und beseitigte 2017/18 wohl alle Zweifel, die Anhänger und Experten nach seinem Wechsel in die Bankenstadt äußerten. Für den Adler stand Kevin-Prince Boateng in nur schwer nachahmlicher Manier ein.

Felix Tschon

Video: 60 Seconds Under Pressure mit Kevin-Prince Boateng