Frankfurt - Haben Sie bei Ihrem letzten Stadionbesuch darauf geachtet: Hat Ihr Club die folgende Vorgabe umgesetzt? "In Reihen angeordnete Sitzplätze auf Tribünen müssen einzeln, nummeriert, anatomisch geformt und unverrückbar befestigt sein. [...] Sitzplätze müssen mindestens 0,50 m breit sein sowie eine mindestens 30 cm hohe Rückenlehne haben. Zwischen den Sitzplatzreihen muss eine lichte Durchgangsbreite von mindestens 0,40 m vorhanden sein." (aus: Lizenzierungsordnung, Anhang VI: Regelwerk für Stadien und Sicherheit).

Wenn Sie nicht darauf geachtet haben, macht das nichts - die DFL Deutsche Fußball Liga hat das im Zuge des Lizenzierungsverfahrens schon getan. Wer davon ausgeht, dass es bei der Erteilung einer Lizenz für die Bundesliga oder 2. Bundesliga ausschließlich um das Thema Geld und die damit verbundene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Clubs geht, dem sei ein kleiner Streifzug durch die Paragrafen der Lizenzierungsordnung (LO) ans Herz gelegt.

Anforderungen werden von den Clubs festgelegt

So ist im Anhang IV (Richtlinie für Spielkleidung und Ausrüstung), Paragraf 7, Absatz 6, über "Atmungslöcher" in Trikotnummern festgelegt, dass diese "nicht breiter als 2 mm" sein dürfen. Auch die Schriftgröße für Rückennummer, Spieler- und Vereinsname ist geregelt. Anhand solcher Beispiele wird eindrucksvoll deutlich, dass die LO weitaus mehr von den Clubs verlangt, als nur ein ausreichend gefülltes Bankkonto.

"Die Anforderungen bei der Lizenzierung haben sich im Verlauf der Bundesliga-Geschichte kontinuierlich weiterentwickelt", erklärt Werner Möglich, DFL-Direktor Lizenzierung. Dabei muss man wissen, dass sich die Clubs sämtliche Anforderungen selbst auferlegt haben, um die eigene Entwicklung und die der Bundesliga in vielen verschiedenen Bereichen kontinuierlich voranzutreiben. Die positiven Auswirkungen dieses Willens zur Evolution zeigen sich unter anderem in den modernen und sicheren Stadien sowie den personell und organisatorisch bestens aufgestellten Clubs.

Erfolgsgeschichte der Leistungszentren

Das sicherlich prägnanteste Beispiel, wie zielgerichtete Veränderungen zu sichtbaren Erfolgen führen können, sind die Leistungszentren der 36 Proficlubs der Bundesliga und 2. Bundesliga (Hintergrund: Qualität durch Lizenzierung - Die Nachwuchsförderung der Bundesliga). Nach der sportlich überaus enttäuschend verlaufenen EURO 2000 waren die entscheidenden Maßnahmen zur Trendwende eingeleitet worden. Zu verdanken ist das den Verantwortlichen um den damaligen DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder. Sie machten die Ausbildungseinrichtungen ab der Saison 2002/2003 zu einer verpflichtenden Voraussetzung für die Lizenzclubs. Die sportlichen Ergebnisse seitdem sind ein eindeutiger Beleg für die Sinnhaftigkeit der Leistungszentren - für die Clubs wie die Nationalmannschaft gleichermaßen.

Allgemein ist den Clubs beim Lizenzierungsverfahren daran gelegen, die Bedingungen aller an der Bundesliga beteiligten Personen und Organisationen zu verbessern. "Clubs, Fans, Partner, Medien - alle profitieren vom Lizenzierungsverfahren", betont Möglich. Es geht eben um weit mehr als nur Geld.

Die Kriterien des Lizenzierungsverfahrens in der Übersicht:

  • Sportliche Kriterien (z.B.: Betrieb und Unterhaltung eines Leistungszentrums)

  • Finanzielle Kriterien (z.B.: Liquiditätsnachweis)

  • Rechtliche Kriterien (z.B.: Darstellung der Gremien)

  • Personelle und administrative Kritierien (z.B.: Stellenprofile für Schlüsselpositionen im Verein)

  • Infrastrukturelle Kriterien (z.B.: Stadionkapazität)

  • Medientechnische Kriterien (z.B.: Kamerapositionen)

Stefan Schinken