Dubai - Die Trainingseinheiten in Dubai sind stets vollgepackt mit Spielformen und Abläufen für die Offensive. Nach nur neun Toren in 17 Hinrunden-Spielen ist dies auch nicht verwunderlich und wurde an vielen Stellen bereits von den Verantwortlichen des Hamburger SV thematisiert.

Einer, der davon im Moment ganz besonders profitiert, ist Artjoms Rudnevs. Der Stürmer präsentiert sich in den harten Einheiten und Tagen in Dubai in toller Form. "Natürlich freue ich mich über die Trainingsinhalte. Die vielen Übungen kommen uns Offensivspielern zugute und es entwickeln sich Automatismen", sagt Rudnevs, der sich zudem auch körperlich in einem Top-Zustand befindet.

Beim Sprinttest über 30 Meter legte er hinter Nicolai Müller die zweitbeste Zeit aufs Parkett. Und auch sonst ist "Rudi", wie ihn in Hamburg jeder ruft, auch immer einer der laufstärksten und engagiertesten Spieler auf dem Rasen. "Ich fühle mich sehr viel besser im Moment. Das Training ist hart, aber das ist Vorbereitung. Ich fühle mich fit. Ich denke, es wird jeden Tag besser", bestätigt er die Beobachtungen.

Gegen Bremen platzt der Knoten

Angedeutet hat sich die stetig aufsteigende Form des lettischen Nationalspielers schon zum Ende der Hinrunde. In den letzten fünf Begegnungen kam Rudnevs stets über die vollen 90 Minuten zum Einsatz. Das sind dreimal so viele Einsatzminuten als in den 12 Spieltagen zuvor zusammen. Der Grund liegt in dem einen Moment, den jeder Stürmer sucht und auch braucht. Der Moment eines wichtigen Erfolgserlebnisses.

Bei Rudnevs war es der 1:0-Führungstreffer gegen Werder Bremen. "Dieses Tor war ein sehr wichtiger Moment für mich. Ich bin für die letzten 20 Minuten gekommen und habe, glaube ich, mit dem zweiten Ballkontakt direkt das Tor geschossen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich nicht viel gespielt. Ich habe gemerkt, wie wichtig ich für die Mannschaft sein kann, hab den Respekt vom Coach und vom Team deutlich gespürt und konnte endlich etwas zurückgeben", beschreibt der 27-Jährige seine Gefühlslage aus dem Nordderby (Video: Hamburg gewinnt das Nordderby).

Es war sicher kein spektakuläres Tor, doch als Stürmer zählt im Grunde auch nur das Erfolgserlebnis. "Manchmal brauchst du genau diesen Moment. Du musst einfach wissen, wo du stehen musst. Ich war da und wir haben das Spiel gewonnen. Das war nicht nur für mich, sondern auch für den gesamten Verein und die Fans wichtig", sagt er bescheiden.

"Die Fans akzeptieren meine Art"

Dass es für ihn in der Bundesliga danach mit dem Toreschießen nicht mehr geklappt hat, wurmt Rudnevs selber am meisten. "Als Stürmer muss du immer hungrig auf Tore sein. Du musst dir selber die Motivation geben, möglichst viele Tore zu erzielen, fit zu sein und versuchen dem Team in vorderster Front zu helfen", beschreibt er seine Einstellung, die bei den Fans gut ankommt. Die langgezogenen "Ruudneeeevs"-Rufe hallen fast bei jedem Heimspiel durch die Arena. Die Zuneigungs-Bekundungen scheinen dem ruhigen Familienvater fast ein wenig unangenehm zu sein, wenn man ihn darauf anspricht. "Die Fans geben immer alles. Ich versuche auch immer alles zu geben. Ich denke, das respektieren sie", so seine einfache Erklärung.

In der Rückrunde möchte er den Anhängern möglichst viele Möglichkeiten zum Feiern geben. "Mein Ziel ist es natürlich, so viele Tore wie möglich zu schießen und der Mannschaft dadurch zu helfen", sagt Rudnevs. Im Training in Dubai klappt das schon ganz gut. Und auch im ersten Testspiel gegen Eintracht Frankfurt war der Angreifer zu einer der Aktivposten. Zwar konnte er keinen eigenen Treffer zum 3:2-Erfolg beitragen, doch er bereitete das 2:0 durch Zoltan Stieber mit einer tollen Energieleistung vor und wurde im Anschluss von den Medienvertretern auch zum "Man oft he Match" gewählt. Dafür gab es eine schicke Armbanduhr als Geschenk. Symbolisch könnte diese als neues Startzeichen für Rudnevs gesehen werden.