Es hatte etwas von unfreiwilliger Situationskomik. Schiedsrichter Florian Meyer hatte mit seiner fünften, in der Partie Bayer 04 Leverkusen gegen Hamburger SV, gezeigten Gelben Karte den vierten Akteur für das nächste Spiel gesperrt.

Jeweils zwei Fußballer aus den beiden Defensiv-Reihen: Gonzalo Castro und Henrique von Leverkusen sowie Collin Benjamin und Jerome Boateng vom HSV.

Was Kommentator und vielleicht den neutralen Beobachter zum Schmunzeln brachte, war für Fans, die Trainer Martin Jol und Bruno Labbadia sowie die Offiziellen Bundesliga Manager (OBM)-User, mit den Kartensündern in ihren Reihen, eher ärgerlich. OBM- und Real-Verantwortliche sind nun zur Rotation gezwungen.

Rotation enorm wichtig

Ungewollt ein Ärgernis, beabsichtigt im modernen Profifußball und von vielen erfolgreichen Vereinstrainern praktiziert: die Rotation. Ohne sie wäre es für auch im internationalen Wettbewerb vertretene Teams, wie den FC Bayern München oder den Hamburger SV, von der Belastung her kaum möglich, eine oft 50 oder mehr Spiele umfassende Saison, erfolgreich zu bestreiten.

Auch in anderen europäischen Top-Ligen, allen voran der englischen Premier League, ist an langfristigen Erfolg ohne Rotation nicht zu denken. Für Top-Klubs wie Manchester United oder den FC Liverpool können es aufgrund der zwei parallel zur Liga laufenden nationalen Pokalwettbewerbe und der UEFA Champions League auch leicht einmal 70 Saisonspiele werden. Denkt man noch an mögliche Verpflichtungen der Spieler in ihren Nationalmannschaften, wird die Bedeutung der Rotation immer deutlicher.

Kadertiefe immer sinnvoll

Ohne eine entsprechende Kadertiefe verspricht aber die Rotations-Taktik jedoch ein Misserfolg zu werden. Glück für jene OBM-Trainer die neben ihrer mit Stars gespickten Top-Elf den Rest ihrer Mannschaft aus Kapitalmangel mit preisgünstigen Ergänzungsspielern aufgefüllt haben.

Die Akteure des OBM kennen nämlich keine Müdigkeit und verkraften auch eine eventuelle Doppelbelastung mit dem OBM-Pokal mühelos. Doch auch im OBM birgt eine Kadertiefe und somit die Möglichkeit zur Rotation einige große Vorteile. So können eventuelle verletzungsbedingte oder durch Sperren hervorgerufene Ausfälle besser kompensiert werden, wenn adäquater Ersatz parat steht.

Darüberhinaus kann ein OBM-Manager - mit starken Alternativen in der Hinterhand - vor dem Duell mit einem besonders defensiv eingestellten Gegner, seine Mannschaft besser umstellen.

"Fußball ist keine Mathematik" - oder doch?

Auch wenn die Rotation noch so viele Vorteile mit sich bringt und in einer mit Stars gespickten Mannschaft jedem Spieler zu seinen geforderten Einsätzen verhilft – ein Erfolgsgarant ist sie nicht. Dies musste auch der Erfolgstrainer erfahren, dessen Name wohl auf Ewigkeit mit dem Prinzip der Rotation verbunden sein wird, Ottmar Hitzfeld.

Nach einem enttäuschenden 2:2 im UEFA-Cup mit seinem damaligen Verein Bayern München bei den Bolton Wanderers in der vergangenen Saison, bekam er von seinem Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor laufender Kamera eine "Watschn": "Fußball ist keine Mathematik, die man berechnen kann!"

Auch wenn diese Kritik am System Hitzfelds ein kleiner Hoffnungsschimmer für jene OBM-User ist, die am kommenden Samstag Henrique oder Gonzalo Castro nicht gleichwertig ersetzten können - die Erfolge der Rotation, ob bei Hitzfeld (7x Deutscher Meister, 2x Champions League-Sieger, 2x Weltpokal-Sieger) oder in England lassen sich nicht bestreiten.

Christian Krämer