Sommerzeit ist Wechselzeit. Klar, soweit. Dass das aber auch in größerem Maße für Trainer gilt, ist eher neu. Nach den bis dato letzten Nachrichten von Bayer Leverkusen und dem Hamburger SV stehen gleich acht Bundesligisten sowie zwei Absteiger mit Beginn der neuen Spielzeit vor einem Neuanfang unter dem Regiment eines neuen Trainers.

Das ist die höchste Zahl seit über 20 Jahren. Vor der Saison 1978/1979 starteten gar elf Vereine mit einem neuen Coach in die Saison.

Dreiecks-Beziehung um Heynckes

Im Mittelpunkt einer kuriosen Dreiecks-Beziehung steht Jupp Heynckes, der sich eigentlich nach seinem Fünf-Spiele-Engagement bei Bayern München in den verdienten Trainer-Ruhestand zurückziehen wollte.

Dann kam alles anders und "Don Jupp" übernahm das Ruder bei Bayer von Bruno Labbadia, der wiederum beim HSV auf Martin Jol folgt. Und Heynckes' Nachfolge beim FCB tritt Luis van Gaal an.

"Es hat mir große Freude bereitet, wieder mit einer Mannschaft zu arbeiten und das Bundesliga-Feeling einzuatmen. Ich habe wieder Gefallen am Fußball und am Trainerjob gefunden", erklärte Heynckes bei seiner Vorstellung in Leverkusen seinen Schritt zurück ins Rampenlicht.

Köln sucht noch

Außerdem löste Michael Frontzeck, bis zum 33. Spieltag Trainer bei Arminia Bielefeld, bei Borussia Mönchengladbach Hans Meyer ab, Michael Skibbe ersetzte bei Eintracht Frankfurt Friedhelm Funkel, und Armin Veh übernimmt den Deutschen Meister VfL Wolfsburg von Felix Magath, der beim FC Schalke 04 anheuert.

Noch auf der Suche sind der 1. FC Köln, wo Christoph Daum überraschend seinen Vertrag gekündigt hat und Bundesliga-Absteiger Bielefeld, wo das Gastspiel von Frontzeck-Nachfolger Jörg Berger auf lediglich eine Partie beschränkt war.

Relegationsverlierer Energie Cottbus hat hingegen bereits einen Ersatz für den zurückgetretenen Bojan Prasikar präsentiert: Vom Zweitliga-Absteiger VfL Osnabrück kommt Claus-Dieter "Pele" Wollitz in die Lausitz.

Clubs von den Ereignissen überrascht

Einige Wechsel waren zwar von längerer Hand geplant, manche Meldung kam allerdings durchaus mit einem Knalleffekt daher.

"Die Entwicklung der vergangenen Tage kam absolut überraschend", gab beispielsweise Bernd Hoffmann, der Vorstandsvorsitzende des HSV, über den Jol-Abgang zu. Genauso unvermittelt holten auch Kölns Manager Michael Meier die Ereignisse ein: "Es gab vorher keinerlei Anzeichen, dass Christoph Daum von seiner Kündigungs-Option Gebrauch machen möchte. Seine Entscheidung kam für uns völlig überraschend."

Magath adressiert viel Lob an Veh

Eine interessante Tatsache in Bezug auf die "Trainer-Wechsel-Dich-Spielchen" ist, dass die Abgänger teilweise hervorragend bestellte Felder hinterlassen und offensichtlich nicht im Unfrieden das Weite gesucht haben. So übergibt Magath beispielsweise an Veh die intakte Meistermannschaft und ist außerdem voll des Lobes für seinen Nachfolger.

"Wenn man mich gefragt hätte, hätte ich auch Armin Veh genannt. Er hat in Stuttgart hervorragend gearbeitet und ist mit dem VfB vor zwei Jahren Deutscher Meister geworden. Ich denke, er ist der richtige Mann für diese Mannschaft. Er lässt einen offensiven Fußball spielen und hat hier fußballerisches Potenzial, das er nutzen kann", sagte der Neu-Schalker kürzlich im DSF und erwartet auch in der kommenden Saison hungrige und erfolgreiche "Wölfe": "Ich bin überzeugt, dass der VfL auch unter ihm einen schönen und ansehnlichen Fußball spielen wird."

Bleibt aber doch die Frage, warum Magath überhaupt das Abenteuer Schalke wagt. "Ich liebe das Risiko", so der Meistertrainer. Der Reiz liege für ihn vor allem darin, mit wenig Geld großen Erwartungen gerecht zu werden.

Gute Vorarbeit

Auch Frankfurts Funkel, der sich nach fünf Jahren im Club verabschiedete, dachte offenbar einen Schritt weiter. "Ich wollte mit dieser Maßnahme für die kommende Saison den Druck von den Spielern nehmen. Sie sollen unbelastet in die neue Spielzeit gehen", sagte er, der mit der Eintracht auf Platz 13 abschloss. "Die Eintracht ist in den vergangenen Jahren in ein sicheres Fahrwasser gekommen. Das wollen wir ausbauen", schwebt Skibbe Veredelung von Funkels Vorarbeit vor.

Bei den "Rothosen" kommt es für Labbadia dank Vorgänger Jol sogar noch weitaus besser, er wird in der Europa League an der Seitenlinie stehen. Der in seine Heimat wechselnde Niederländer trauert dieser Chance aber keineswegs nach: "Beim HSV hat es mir sehr gut gefallen, Hamburg ist eine tolle Stadt zum Leben und Arbeiten. Wir hatten gemeinsam ein sehr gutes, intensives Jahr. Ich gehe als Freund."

Ob nun an Elbe, Main oder den anderen Schauplätzen - wie gut die neuen Konstellationen tatsächlich passen, wird sich nach der Wechselzeit erst noch beweisen müssen...

Tim Tonner