Arjen Robbens Situation ist vergleichbar mit der vieler Schauspieler: Hat man einmal eine Rolle erfolgreich verkörpert, dann ist man darauf festgelegt. Es war die Heldenrolle, in die Robben beim 1:0-Halbfinalerfolg des FC Bayern in der Champions League gegen Olympique Lyon schlüpfte - wieder einmal.

Wie schon gegen Florenz und Manchester United war es der Niederländer, der mit seinem Siegtor den Münchner Traum vom Finale am 22. Mai im Estadio Santiago Bernabéu in Madrid am Leben hielt.

Gefeiert und erbost

Wer die Tore des Mittelfeldstars in den vergangenen Wochen gesehen hat, der hätte die Entstehungsgeschichte zum Siegtreffer bereits vorher so ins Drehbuch schreiben können: Der 26-Jährige bekam den Ball auf halbrechts, zog mit Tempo zur Mitte, hielt aus 22 Metern drauf und sah dem Ball im gegnerischen Gehäuse einschlagen (69.).

Erst als der gefeierte Flügelflitzer in der 85. Minute unter Ovationen den Platz für Hamit Altintop räumen musste, da fiel er kurzzeitig aus seiner Rolle. Schimpfend bewegte sich Robben in Richtung Ersatzbank und verhehlte nicht, dass er mit seiner Auswechslung alles andere als einverstanden war. "Das war nicht professionell von mir", räumte Robben anschließend ein, "das ist aus der Emotion heraus passiert."

Im Interview spricht der niederländische Nationalspieler über die Chancen auf den Einzug ins Endspiel, den Platzverweis für Franck Ribery und seine Reaktion nach der Auswechslung.

Frage: Herr Robben, war das der erste Schritt in Richtung Madrid?

Arjen Robben: Das kann sein, aber wir haben noch einen schwierigen Abend in Lyon vor uns. Entschieden ist noch nichts, aber einen kleinen Vorteil haben wir.

Frage: Franck Ribery musste nach einem Foul mit Rot vom Platz. Wie haben Sie die Szene gesehen?

Robben: Ich kann damit leben. Natürlich ist er kein Spieler, der normalerweise so ein Foul begeht. Er geht ein bisschen über den Ball und es sieht sehr gefährlich aus. Ich kann damit leben, auch weil Franck und ich häufig gefoult werden. Wir sind auch froh, wenn ein Schiedsrichter da ist, der uns schützt.

Frage: Was war heute die große Stärke Ihrer Mannschaft?

Robben: Unsere Mannschaft hat einen starken Charakter, wir gehen immer weiter. Auch heute haben wir wieder 90 Minuten gekämpft. In der Halbzeit haben wir gesagt, ein 0:0 in Unterzahl wäre ein gutes Ergebnis und dass dafür alle noch zehn, zwanzig Prozent mehr geben müssen. Das haben wir getan und waren nach dem Platzverweis in Hälfte 2 die bessere Mannschaft.

Frage: Hätten Sie Lyon stärker erwartet?

Robben: Sie sind sehr stark. Schon vor dem Spiel hatte ich das Gefühl, dass zu viele sagen, dass wir Favorit sind. Lyon hat eine starke Mannschaft und wir können noch einen heißen Abend erwarten. Wir sind noch lange nicht da.

Frage: Sie haben auf der rechten Seite mit Philipp Lahm erneut gut harmoniert. Was sagen Sie zu seiner Leistung?

Robben: Philipp hat sehr stark gespielt, auch offensiv. Zusätzlich war er in dieser Partie noch Kapitän und hat das super gemacht. Wir spielen gut zusammen, führen uns gegenseitig an. Es geht immer noch besser, aber wir machen das diese Saison schon sehr gut.

Frage: Sie waren ein wenig sauer nach Ihrer Auswechslung.

Robben: Meine Reaktion war nicht gut, das war nicht professionell. Ich muss mich bei meinen Mitspielern und beim Publikum entschuldigen. Es liegt in meiner Mentalität, immer gewinnen zu wollen. Die Lyon-Profis waren am Ende kaputt und ich war gut im Spiel. Ich hatte das Gefühl, dass ich noch ein Tor schießen und gefährlich sein könnte. Deshalb habe ich nicht verstanden, warum ich ausgewechselt wurde.

Frage: Verstehen Sie es jetzt?

Robben:(lacht) Nein, noch immer nicht, aber das ist auch nicht wichtig. Das Wichtigste ist, dass ich nicht so reagieren darf. Das ist aus der Emotion heraus passiert, ich möchte gerne ins Finale kommen.

Frage: Was hat Louis van Gaal anschließend zu ihnen gesagt?

Robben: Er sagte, dass ich das nicht machen muss, dass die Mannschaft wichtiger ist und das stimmt auch. Es war wieder eine Mannschaftsleistung.

Aus der Allianz Arena berichtet Andreas Messmer