Die Weltmeisterschaft in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) bietet neben dem Sport jede Menge Randgeschichten. bundesliga.de präsentiert diese täglich in den WM-Splittern:

++++ Die WM in Südafrika war für die englische Nationalmannschaft nicht nur sportlich eine Enttäuschung - auch abseits des Rasens ging manches schief. Wie am Montag bekannt wurde, wurden Wayne Rooney und Co. in ihrem noblen WM-Quartier in Rustenburg seit dem 21. Juni mehrfach von Reinigungskräften beraubt.

Die Diebe interessierten sich aber nicht in erster Linie für Bargeld und ließen umgerechnet nur rund 600 Euro mitgehen - dafür aber Trikots, eine WM-Erinnerungsplakette und Unterhosen. Nach dem Eingang der Anzeige am Samstag klärten die Behörden den Fall binnen eines Tages auf und machten die Langfinger dingfest. Unterhosen, die Medaille und die Shirts sind wieder in Händen ihrer Besitzer.

Die fünf Diebe indes wurden per Schnellverfahren zu drei Jahren Haft und umgerechnet 650 Euro Geldstrafe verurteilt. +++


++++ Nach dem nicht gegebenen Tor der Engländer durch Frank Lampard im WM-Achtelfinalduell gegen Deutschland (1:4) schlägt Brasiliens Fußball-Idol Pele menschliche Hilfe, aber keine technische für die Unparteiischen vor. "Ich glaube, das ein Schiedsrichter hinter dem Tor es einfacher hat, die Szene einzuschätzen. Er sieht besser, ob der Ball drin war oder nicht", erklärte der 69-Jährige am Rande einer Stadioneinweihung in Maceio (Brasilien).

Dagegen hält der dreimalige Weltmeister nichts von einem Chip im Ball. "Da gibt es ein technisches Problem. Wenn der Torhüter den Ball festhält und hinter die Linie kommt, könnte das vom Chip nicht registriert werden", erläuterte der FIFA-Jahrhundertfußballer, der großen Diskussionsbedarf auf den Weltverband zukommen sieht. ++++


++++ Mit mehr als 19 Millionen Zuschauern hat das WM-Achtelfinale zwischen den USA und Ghana für einen Rekord für ein Fußballspiel im amerikanischen Fernsehen gesorgt. Insgesamt verfolgten 19,4 Millionen Fans die Live-Übertragung im landesweit und frei empfangbaren Sender ABC. "Die Zahl beweist, das Soccer in den USA so populär ist wie nie zuvor", sagte Stephen Master, Vizepräsident des zuständigen Marktforschungsinstituts Nielsen.

Die bisherige Bestmarke bei einem Fußballspiel lag bei 18,4 Millionen Zuschauern, aufgestellt beim WM-Achtelfinale 1994 zwischen den USA und Brasilien. Platz 3 belegt das Frauen-WM-Finale 1999 zwischen den USA und China (18,0). Zum Vergleich: Beim Superbowl im Januar zwischen den New Orleans Saints und den Indianapolis Colts hatten 106,5 Millionen Zuschauer ihr TV-Gerät eingeschaltet. ++++


++++ Frankreichs Fußball-Krise hat ein erstes Bauernopfer gefordert: Nach der Chaos-WM in Südafrika ist am Montag der französische Verbands-Präsident Jean-Pierre Escalettes abgetreten. "Es ist meine Pflicht, als Präsident des französischen Verbandes zurückzutreten", teilte Escalettes in einer Erklärung mit und übernahm die Verantwortung für die schmähliche Vorstellung der französischen Auswahl um Bayern-Star Franck Ribery am Kap.

Die "Equipe Tricolore", Weltmeister von 1998, war unter skandalösen Umständen bereits in der Vorrunde gescheitert. In der Halbzeitpause des Gruppenspiels gegen Mexiko (0:2) hatte Stürmer Nicolas Anelka Trainer Raymond Domenech schwer beleidigt. Der England-Profi vom FC Chelsea war daraufhin vom Verband vorzeitig nach Hause geschickt worden. Aus Protest gegen diese Maßnahme der Funktionäre traten die Spieler bei einem öffentlichen Training in den Streik. Domenech soll durch Ex-Nationalspieler Laurent Blanc ersetzt werden, der Wunschkandidat von Escalettes war.

Die skandalösen Umstände des Scheiterns bei der ersten Endrunde auf dem Schwarzen Kontinent hatten nicht nur sportlich für ein Erdbeben in der "Grande Nation" gesorgt. Die Politiker sahen sich nicht nur bemüßigt, ihren Senf zum Debakel des Vize-Weltmeisters dazuzugeben. Es fand sogar eine direkte Einmischung statt, denn Frankreichs Sportministerin Roselyne Bachelot hatte erklärt, ein Rücktritt des 75-jährigen Escalettes sei "unvermeidlich". ++++


++++ Die FIFA hat am Montag keine Stellungnahme zum Tor des Engländers Frank Lampard im WM-Achtelfinale gegen Deutschland (1:4) in Bloemfontein abgegeben. FIFA-Mediendirektor Nicolas Maingot verwies auf das Schiedsrichter-Komitee und die Entscheidung des International Board IFAB, die Regelhüter des Weltverbandes, vom 6. März dieses Jahres, keine technischen Hilfsmittel im Fußball zuzulassen.

Lampard hatte im Spiel gegen Deutschland in der 38. Minute aus 17 Metern abgezogen - der Ball flog über Torwart Manuel Neuer hinweg, knallte an die Unterkante der Querlatte und von dort eindeutig hinter die Linie. Doch der uruguayische Schiedsrichter Jorge Larrionda ließ weiterspielen, sein Assistent Mauricio Espinosa an der Linie hatte kein Tor angezeigt. ++++


++++ Diego Maradona hat sich nach dem Einzug der argentinischen Nationalmannschaft ins Viertelfinale wieder einmal als Showman präsentiert. Obwohl der Weltverband FIFA die Pressekonferenz nach dem 3:1 (2:0) am Sonntagabend in Johannesburg gegen Mexiko schon für beendet erklärt hatte, beantwortete der Trainer der Albiceleste weiter Fragen und verlängerte die Runde eigenmächtig.

"Ich will mehr Fragen beantworten, aber sie wollen mich rausschmeißen", sagte Maradona und schmunzelte spitzbübisch. Nur zum kommenden Gegner Deutschland wollte sich der 49-Jährige nicht recht äußern. "Ich will diesen Sieg jetzt erstmal genießen. Jeder darf sich ausdenken, was ich über Deutschland denke. Sie haben da totale Handlungsfreiheit", sagte Maradona.

Argentinien und die DFB-Elf stehen sich am kommenden Samstag in Kapstadt gegenüber. Das Duell ist die Neuauflage des WM-Viertelfinales von 2006. Damals hatte Deutschland die Begegnung im Elfmeterschießen für sich entschieden. ++++