Dortmund - Als die Mannschaft nach der erneuten Niederlage vor den eigenen Fans stand, war es Roman Weidenfeller, der als Erster Rückgrat bewies, sich direkt zur Südtribüne wagte und sich den aufgebrachten Anhängern stellte. Später versuchte der Torhüter von Borussia Dortmund auch im Interview, Gründe für die 0:1-Pleite gegen den FC Augsburg zu finden. Ein Gespräch über großen Aufwand und mangelnden Ertrag, fehlendes Selbstbewusstsein und die Fan-Liebe in schwierigen Zeiten.

Frage:Roman Weidenfeller, der BVB hatte sich so viel vorgenommen nach der Winterpause – und jetzt gab es doch wieder die nächste Heimniederlage gegen Augsburg. Haben Sie irgendeine Erklärung?

Roman Weidenfeller: Wir haben uns vor allem wieder mal nicht selbst belohnt. Wir haben uns vor allem in der ersten Halbzeit exzellente Chancen herausgearbeitet. Auch zum Ende hin hatten wir dann in Überzahl gute Möglichkeiten. Und dann musst du einfach irgendwann auch mal das Tor machen. So werden wir im Laufe des Spiels unruhig, spielen immer mehr Fehlpässe und laufen dann auch noch in Konter hinein.

"Müssen nicht alles über den Haufen werfen"

Frage: Sie haben in Ihrer Karriere schon viel erlebt mit dem BVB, aber als Tabellenletzter ist die Lage jetzt wirklich kritisch. Wie kann man damit umgehen?

Weidenfeller: Wir dürfen jetzt nicht die Nerven verlieren! Wir sollten trotz allem da weitermachen, wo wir in diesem Jahr Anfang Januar mit dem Trainingslager begonnen haben. Wir müssen jetzt nicht alles über den Haufen werfen. Aber wir müssen uns jetzt einfach mal für unseren Aufwand belohnen. Wenn wir selbst ein Tor erzielen und auch mal in Führung gehen, dann läuft das ganze Spiel ruhiger.

Frage: Von außen wirkt es, als wenn man immer wieder vor eine Wand läuft.

Weidenfeller: So fühlt es sich auch an. Wir betreiben zwar großen Aufwand. Und es ist definitiv auch kein Problem der Einstellung. Alle sind zu hundert Prozent bei der Sache. Aber wer keine Tore schießt, der kann dann auch nicht davon ausgehen, dass wir am Ende vielleicht noch durch ein Eigentor des Gegners das Spiel gewinnen.

Frage: Was kann die Mannschaft jetzt tun?

Weidenfeller: Wir müssen dran bleiben und weiter hart arbeiten. Was wir brauchen, ist Selbstvertrauen. Wir müssen uns das Selbstbewusstsein auf dem Platz irgendwie zurückholen. Dann haben wir auch die Möglichkeit, mal wieder einen Gegner zu schlagen.

Frage: Von der Tribüne gab es nach dem Abpfiff ein heftiges Pfeifkonzert, auch von den Getreuen auf der Südtribüne. Können Sie diese Reaktion nachvollziehen?

Weidenfeller: Absolut! Ich habe völliges Verständnis dafür, dass die Fans auch irgendwann mal unruhig werden. Sie haben in der ersten Halbzeit gegen Augsburg wieder für eine sensationelle Stimmung gesorgt und uns voll und ganz unterstützt. Dass sie auch mal wieder einen Sieg sehen wollten und am Ende enttäuscht waren, ist doch klar.

"Jeder Einzelne ist für den Verein da"

Frage: Ist jetzt auf allen Seiten vor allem Geduld gefragt – auch bei den Fans?

Weidenfeller: Wir brauchen die Geduld in dieser Phase mehr denn je. Wenn wir jetzt alle hektisch und kopflos werden, dann macht das überhaupt keinen Sinn. Wir müssen weiter eine Einheit bilden. Ich habe das Gefühl, dass zwischen Fans und Mannschaft auch weiterhin kein Blatt Papier passt. Unsere Fans nehmen auch wahr, dass sich bei uns jeder Einzelne voll und ganz in den Dienst des BVB stellt. Dass es trotzdem Pfiffe geben kann, gehört dazu.

Frage: Sie selbst sind als Erster zu den aufgebrachten Fans an den Zaun gegangen und haben das Gespräch gesucht.

Weidenfeller: Wer soll zu den Fans gehen wenn nicht ich oder jemand anderes, der schon so lange für diesen Verein spielt? Es war schon immer so, dass wir hier in Dortmund eine ganz enge Verbindung zu unseren Fans haben. Das sieht man jede Woche. Diese Bindung zu den Fans darf auch nicht abreißen.

Frage: Haben Sie Sorge, dass es zum Bruch kommen könnte?

Weidenfeller: Absolut nicht! Die Fans sind jetzt natürlich enttäuscht. Aber wir wissen auch, dass jeder Einzelne für den Verein da ist.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte