Hamburg - Der SC Freiburg war am Freitagabend nahe dran einen richtigen "Big Point" im Abstiegskampf zu landen! Doch es sollte in der Hamburger Imtech Arena nur zum 1:1-Unentschieden reichen, auch weil die Breisgauer zum wiederholten Male in dieser Saison einen Gegentreffer in der Schlussphase kassierten (Spielbericht).

Freiburg schläfrig in der Schlussphase – zwölf Punte verschenkt
Es lief die letzte Minute der regulären Spielzeit am Freitagabend vor 57000 Zuschauern in Hamburg. Rafael van der Vaart schlug eine letzte Ecke in den Strafraum der Freiburger, Ivica Olic schraubte sich am höchsten und verleitete SC-Torwart Roman Bürki zu einer Glanzparade, den Abpraller nutzte Gojko Kacar dann per Kopf zum glücklichen Ausgleich für die Hanseaten. Deja-vu für den SC Freiburg! Bereits 13 (!) Gegentore kassierten die Breisgauer in der Schlussviertelstunde und noch schlimmer, sechs Treffer fielen sogar nach der 87. Minute. Dadurch verspielte der SC Freiburg in der laufenden Saison bereits zwölf Punkte und hätte satte 43 Punkte auf dem Konto.

Roman Bürki hält Freiburg lange im Spiel

"Es ist sehr bitter und ärgerlich, dass wir wieder so spät einen Gegentreffer kassieren. Wir haben das Spiel über weitere Strecke kontrolliert, uns viele Torchancen erarbeitet, aber diese nicht genutzt. Wenn wir das 2:0 schießen, dann ist das Spiel gelaufen und wir müssen nicht zittern", analysierte Freiburgs Keeper Roman Bürki nach dem Spiel nüchtern und ruhig. Der Schweizer Nationalspieler war gegen den HSV bester Spieler seiner Mannschaft und hielt sein Team bis zur Schlussminute auf Siegkurs.

Bis dato hatte der 24-Jährige alles gehalten, was auf seinen Kasten kam. Nur den Ausgleich von Kacar konnte er nicht mehr verhindern. "Das Problem war, dass ich nach der Parade des Olic-Kopfballs nicht mit beiden Füßen auf dem Boden stand und dann noch einmal nachfassen musste, hätte Kacar nicht den Arm ausgefahren, hätte ich den Ball mit Sicherheit bekommen", ärgerte sich der Schweizer.

Mehmedi lobt seinen Landsmann

Zuvor machte Bürki eine starke Partie im Kasten der Freiburger. Er strahlte große Sicherheit aus und war stets zur Stelle. Nach 24 Minuten bewahrte er sein Team vor dem sicheren Rückstand als er einen abgefälschten Schuss des Hamburgers Zoltan Stieber noch mit einem unglaublichen Fußreflex abwehren könnte. "Wir wissen, dass wir einen Klasse-Keeper im Tor haben, sollten wir den Klassenerhalt schaffen, hat Roman einen sehr großen Anteil daran", lobte sein Teamkollege und Landsmann Admir Mehmedi, der das Freiburger Führungstor schoss. Bürki stand im Fokus gegen den HSV und hatte die meisten Ballkontakte aller Freiburger (81). Insgesamt zeigte er sieben Paraden, ein starker Wert für den Schweizer.

Einen Ausgleich in der letzten Minute wäre für die meisten Teams im Abstiegskampf ein Desaster. Doch die Freiburger beschäftigten sich nach dem Abpfiff nicht lange mit dem 1:1, sondern schauten schon voraus. "Der Trainer hat uns nach dem Spiel in der Kabine aufgebaut und uns gesagt, dass wir gut gespielt haben. Er hat uns ein gutes Gefühl gegeben, das ist enorm wichtig, denn wir sind ein sehr junges Team", erklärte Bürki. Die Freiburger sind das Paradebeispiel wie man im Abstiegskampf die Ruhe behalten kann. Keine Trainerdiskussion, keine Panikmache und trotzdem sind sich die Freiburger ihrer prekären Lage bewusst. Jetzt sind es nur noch zwei Spiele und als nächster Gegner stellt sich ausgerechnet der Deutsche Meister Bayern München in Freiburg vor.

Punkte gegen Bayern? "Wäre kein Wunder!"

"Wir glauben noch zu 100 Prozent an den Klassenerhalt. Gegen Hamburg hat uns die Effizienz vor dem Tor gefehlt, daran müssen wir weiter arbeiten, aber wenn so auftreten wie beim HSV dann ist auch etwas gegen die Bayern drin", glaubt Bürki. Die Freiburger empfangen den Deutschen Rekordmeister nach deren Spiel am Dienstag in der Champions League gegen den FC Barcelona.

Auch wenn die Bayern die Bundesliga-Saison schon gedanklich abgeschlossen haben, glaubt Bürki nicht daran, dass es dadurch einfacher wird. "Auch wenn die Bayern vielleicht ein paar Spieler schonen werden, bleiben sie ein großes Team. Wir müssen super Tag erwischen, wenn wir sie schlagen wollen. Es wäre aber kein Wunder, wenn wir gegen die Bayern etwas holen würden," glaubt Bürki, der davon ausgeht, dass es am letzten Spieltag zu einem "Showdown" in Hannover kommen wird.

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage