Nach dem Schlusspfiff schwebten die "siegenden Holländer" auf Wolke sieben. Aus den Gesichtern von Arjen Robben, Wesley Sneijder oder Trainer Bert van Marwijk sprach nichts als pure Freude und Glückseligkeit.

Während die Niederländer nach dem unfassbaren 2:1 (0:1) gegen Rekordweltmeister Brasilien Samba auf dem Rasen tanzten und eine Ehrenrunde drehten, lagen die Spieler der "Selecao" buchstäblich am Boden zerstört auf dem Platz des Stadions von Port Elizabeth.

"Wunder von Port Elizabeth"

Holland träumt vom ersten WM-Titel, Brasilien muss mindestens bis zur Heim-WM in vier Jahren auf den sechsten warten. Dann wird Dunga wohl nicht mehr Trainer sein. "Ich wusste von Beginn meiner Arbeit an, dass es vier Jahre sein werden", sagte er. "Nach den Resultaten der letzten vier Jahren und der Verfassung der Spieler hätten wir mehr erreichen müssen", so Dunga weiter, der die "Selecao" seit 2006 betreut.

Ganz anders war das Befinden verständlicherweise bei den Niederländern. "Das ist unglaublich", sagte Wesley Sneijder, der am Ende für sich reklamierte, Oranje im Alleingang ins erste WM-Halbfinale seit 1998 geschossen zu haben. Nach dem 0:1 durch Robinho (10.) kam die unterlegene und überforderte "Elftal" glücklich zum Ausgleich (53.). Julio Cesar unterlief eine lange Flanke von Wesley Sneijder, Felipe Melo rutschte der Ball noch über den Scheitel - 1:1. Im Anschluss an einen Eckball von Arjen Robben und Dirk Kuyts Verlängerung erzielte Sneijder per Kopf den Siegtreffer (68.). Es war sein zweites Tor im Spiel und der vierte Treffer im Turnier. Felipe Melo flog anschließend mit Rot noch vom Platz (73.).

Das Spiel war kaum vorbei, da schrieb die niederländische Tageszeitung "De Telegraaf" bereits voller Euphorie vom "Wunder von Port Elizabeth" und kommentierte mit knappen, aber klaren Worten: "Endlich hat sich Oranje von seinem Brasilien-Syndrom befreit. Van Marwijk ist jetzt nur noch zwei Siege vom Ziel seiner Mission entfernt: Weltmeister werden." Nach dem fünften Sieg im fünften Spiel scheint das nicht unwahrscheinlich.

Torschütze Sneijder wittert historische Chance

Auch Sneijder sprach sofort von der historischen Chance, die sich den Niederlanden eröffnet hat. "Wir stehen unter den letzten Vier und schlagen Brasilien 2:1", sagte der Mittelfeldspieler und ergänzte: "Jetzt müssen wir unsere einzigartige Chance nutzen." Sein Freund Arjen Robben wurde deshalb schnell wieder ernst: "Wichtig ist jetzt", sagte der Profi von Bayern München, "den Fokus zu behalten. Ziel war nicht nur, das Halbfinale zu erreichen. Wir müssen das Vertrauen haben, dass wir noch weiter kommen können."

Das Vertrauen wurde aber auf eine harte Probe gestellt. Bis zu jener 53. Minute waren die Niederlande hoffnungslos überfordert. Nach dem Treffer von Robinho spielte die "Selecao" wie aus einem Guss und die Niederländer lange fast an die Wand, vor 40.186 Zuschauern erhielt Oranje von den aggressiven Brasilianern eine Lehrstunde - und hatte viel Glück, dass der ehemalige Leverkusener Juan (25.) aus fünf Metern knapp über das Tor zielte. Kaka (31.) fand im ausgezeichneten Torhüter Maarten Stekelenburg seinen Meister.