Sie sind absolut selten, aber es gibt sie immer wieder: Spieler, die - außer von den Anhängern des jeweiligen Gegners am Wochenende - von allen Fußballfans in Deutschland geliebt werden. Ganz einfach, weil es ein Genuss ist, ihnen zuzusehen. Arjen Robben ist das aktuellste Beispiel.

Der deutsche Rekordmeister lotste seinen neuen Star von Real Madrid an die Isar - und gleich bei seinem Debüt am vierten Spieltag gegen den amtierenden Meister VfL Wolfsburg zeigte Robben mit zwei Treffern beim 3:0, dass das Geld gut angelegt sein dürfte.

"Ich will kein Star sein"

Dabei drängt es den Niederländer nicht in die Starrolle: "Ich folge meiner Intuition und meinem Instinkt. Aber ich werde an mir arbeiten, um der Mannschaft bestmöglich zu helfen. Es ist nicht so, dass ich ein Star sein will", gibt sich der derzeit wohl beste Spieler der Bundesliga bescheiden.

26 Jahre wurde Robben am 23. Januar alt. Zehn Jahre ist es her, dass er im Alter von 16 Jahren sein Debüt für in der niederländischen Ehrendivision feierte. Vom FC Groningen wechselte er 2002 zum PSV Eindhoven, mit dem er seinen ersten Titel feierte. Es folgten 2005 und 2006 zwei Meisterschaften sowie 2007 der FA Cup mit dem FC Chelsea und ein Jahr später der spanische Titel mit Real Madrid.

Graue Hose "rein funktionell"

"Die Leute denken immer, ich bin schon über 30 Jahre alt", weiß Arjen Robben um sein Aussehen mit dem spärlichen Haarwuchs. Aber Eitelkeit ist nicht Sache des Niederländers, nicht bei seinem Äußeren und auch nicht bei seinem Erscheinungsbild auf dem Platz.

Dass seine graue Unterhose eine Woche lang die Nation bewegte, "wundert mich sehr", sagte Robben gegenüber bundesliga.de nach dem Spiel in Wolfsburg. In seinen Augen war sie "rein funktionell. Ich will damit meine Muskeln warm halten." Funktionell ist der Nationalspieler auch auf dem Feld: Blitzschnell im Antritt, immer anspielbereit gibt es nur ein Ziel: das gegnerische Tor.

"Ich bin eine Waffe"

Zwar trägt er beim FC Bayern München die Nummer 10, aber seine Heimat ist nicht das zentrale Mittelfeld, sondern die rechte Außenbahn. Dort ist er jederzeit anspielbereit.

Anders als sein Partner auf der linken Seite, Franck Ribery, der seinen Gegenspielern gern mal Knoten in die Beine spielt, setzt Robben auf Geschwindigkeit und lässt den Ball mit traumhafter Sicherheit zum freistehenden Mitspieler weiterlaufen - oder nimmt, wenn man ihm den Raum lässt, seinem Gegenspieler auf zehn Meter fünf Meter ab.

"Meine Stärke ist meine Geschwindigkeit und meine Fähigkeiten im Eins-gegen-Eins. Ich bin eine Waffe", beschreibt Robben seinen Spielstil.

Van der Sar forderte "Waffenschein"

Zur Grundschnelligkeit kommt ein Schuss für den der ehemalige Nationalmannschaftskollege Edwin van der Sar als Torwart von Manchester United einst einen Waffenschein forderte. Gern taucht der Linksfuß auch mal hinter den Spitzen auf, weil der Weg zum Tor dort am kürzesten ist. In seinen bisher 13 Bundesligaspielen hat der 1,81 m große Mittelfeldspieler sieben Tore erzielt und vier vorbereitet.

Robben wurde im Laufe seiner Karriere immer wieder in den höchsten Tönen gelobt: Für Landsmann Ruud Gullit ist er sogar "der weltbeste Flügelspieler". Für Ex-HSV-Trainer Martin Jol gab es "in den vergangenen 20 oder 30 Jahren vielleicht zwei oder drei Spieler, die besser waren als Robben."

"Robben ist unglaublich und fantastisch lobte Ex-Coach Jose Mourinho, nicht gerade für euphorische Ausbrüche bekannt, seinen ehemaligen Spieler beim FC Chelsea in höchsten Tönen, um dann einzuschränken: "Wenn er fit ist." Der Zusatz galt häufig als einziges Manko des Sprinters: Da er seinen Gegnern gedanklich und körperlich oft einen Schritt voraus ist, sind Robbens Beine häufig an Stelle des Balles das Ziel gegnerischer Attacken. Die Folge: verletzungsbedingte Ausfälle.

"Eine Saison verletzungsfrei"

"Damit man den echten Robben sieht, muss ich hundertprozentig fit sein. Dann habe ich meinen Rhythmus und bin am besten. Mein Ziel ist es, eine komplette Saison verletzungsfrei zu überstehen", setzt sich Robben als Ziel.

Nach einigen leichteren Blessuren spielt er seit Beginn der Rückrunde konstant verletzungsfrei und hat ehrgeizige Ziele: "Natürlich will ich auch mit Bayern Meister werden, aber mein Traum ist die Champions League."

"Champions-League-Sieg noch nicht realistisch"

Und die will Robben mit dem FC Bayern München früher oder später gewinnen, auch wenn er mit seinem Landsmann und Trainer Louis van Gaal übereinstimmt, dass es in dieser Saison wohl noch "kein realistisches" Ziel sei.

Aber Robben, der sich für vier Jahre an den Rekordmeister gebunden hat, hat Zeit: "Ich fühle mich wie 22, 23." Da kann er noch einige Jahre die Gegenspieler alt aussehen lassen.

Jürgen Blöhs