Nach seinem fulminanten Treffer zum 2:3-Endstand setzt Arjen Robben zum Jubeln an. Franck Ribery eilt hinzu
Nach seinem fulminanten Treffer zum 2:3-Endstand setzt Arjen Robben zum Jubeln an. Franck Ribery eilt hinzu

Robben macht den Unterschied

Die Bayern-Spieler trabten nach dem Schlusspfiff im Stadio Artemio Franchi zu Florenz überglücklich in Richtung der mitgereisten FCB-Fans. Vor der Gäste-Kurve knieten sie auf dem Rasen nieder und lauschten fast schon ehrfürchtig den Anweisungen des Spielers, der dem Spiel mit seiner individuellen Klassen den Stempel aufgedrückt hat: Arjen Robben.

Auf dessen Kommando sprang das Team auf, tanzte auf dem satten Grün und feierte den Einzug in das Viertelfinale der Champions League. Dass es überhaupt so weit gekommen ist, hat der deutsche Rekordmeister vor allem seinem Superstar zu verdanken.

Robben schießt und schießt

Während Franck Ribery fast über die gesamten 90 Minuten glücklos agierte und eigentlich nur bei seiner Vorarbeit zum 1:2 durch Mark van Bommel glänzte, sorgte Robben vor allem im zweiten Durchgang immer wieder für Entlastung. Um die Dominanz des Niederländers zu verdeutlichen: Er alleine gab fünf der zehn Torschüsse der Bayern ab.

Sein Traumtor zum 2:3-Endstand krönte seine Leistung und hievte die Bayern aufgrund der mehr erzielten Auswärtstreffer in die Runde der letzten Acht. Mit einer katapultartigen Beschleunigung ließ Robben zwei Florentiner stehen, umkurvte dann ein weiteres violettes Duo ehe er das Leder aus 25 Metern mit links unhaltbar für Keeper Sebastian Frey in den Winkel hämmerte.

"Das war Intuition"

"Das ist Intuition", verrät der Flügelflitzer. "Ich bekomme den Ball, habe ein bisschen Raum Dann ziehe ich in die Mitte und schieß ihn in die lange Ecke." "Das Tor von Robben war super. Auch wenn ich nicht weiß, ob der Ball ohne den Wind reingegangen wäre", erklärte Teamkollege Bastian Schweinsteiger nach Spielschluss.

"Schweinis" Vermutung wird wohl nie bestätigt werden können. Fest steht aber, dass der Gegenwind in den ersten 45 Minuten auf Robben hemmend gewirkt hat. Nach dem Wiederanpfiff, und mit Rückenwind, begann dann die große Robben-Gala. Sololäufe am Fließband und als Bonus das ein oder andere Kabinettstück mit der Hacke. Dass er in der 22. Minute aus sieben Metern freistehend eine sogenannte 100-prozentige Chance vergab, sei ihm deswegen verziehen.

Rummenigge: "Wollten ausschließlich Robben"

Als wären seine Leistungen in der Bundesliga mit acht Toren in 16 Spielen nicht schon Beweis genug gewesen, hat Robben nun also auch international bestätigt, wie wichtig und unverzichtbar er für die Bayern (geworden) ist.

"Es hieß immer, wir wollen Ribery abgeben und gegen einen Sneijder oder van der Vaart eintauschen – aber das waren Spieler, die uns nicht interessiert haben. Wir wollten ausschließlich Robben. So haben wir die Mannschaft gegenüber dem letzten Jahr qualitativ verbessern können", stellte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge im vergangenen Sommer nach der Verpflichtung des Niederländers in einem Interview mit der "Abendzeitung" fest.

Rummenigges Aussage hat sich spätestens in Florenz bestätigt. Mit Robben und einem Ribery in Top-Form ist den Bayern in dieser Champions-League-Saison noch einiges zuzutrauen.

Aus Florenz berichtet Michael Reis