Mainz - Es ist sicherlich die kurioseste Geschichte des 3:0 (1:0)-Sieges des 1. FSV Mainz 05 gegen RB Leipzig, ja vielleicht sogar dieser ganzen Bundesliga-Saison. Von der Raststätte zum Matchwinner: binnen weniger Stunden spielte sich der deutsch-kongolese Ridle Baku in die Herzen der Mainzer Fans.

Der Nachwuchsspieler des FSV war am Sonntagmorgen eigentlich mit der U23 schon auf dem Weg zum Spiel gegen den Nachwuchs des Sport-Club Freiburg. Aber weil im Mittelfeld der Profis kurzfristig Danny Latza und Suat Serdar verletzt ausfielen, schickte Profitrainer Sandro Schwarz seinen Teammanager Darius Salbert los. Salbert holte Baku auf einer Raststätte bei Bruchsal aus dem Bus der U23 und raste mit dem 20 Jahre jungen Mittelfeldspieler im Auto zurück nach Mainz. Ein paar Stunden später stand der Erstligadebütant dann auf dem Zaun vor der Kurve der Nullfünf-Fans und gab den Einpeitscher. Kurz zuvor hatte er sogar zum 3:0 getroffen (90.).

Schröder: "Das war ein wichtiges Zeichen"

Mainz positionierte sich nach diesem wichtigen Sieg vor den letzten beiden Spielen in Dortmund und gegen Bremen nun drei Punkte vor Wolfsburg oberhalb des Relegationsranges. Die Hoffnung auf den Klassenerhalt ist groß, die Erleichterung nach dem Kraftakt gegen Leipzig ebenso: "Das ist ein wichtiges Zeichen für die Konkurrenz, dass mit Mainz zu rechnen ist", jubelte der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder.

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Video: Ridle Baku feiert Traumeinstand

Begonnen hatte das Spiel für Debütant Baku und die Mainzer aber wie ein Alptraum. "Ich brauchte eine Zeit lang, bis ich wusste, wo ich eigentlich bin", gab der zunächst überforderte Liganeuling ehrlich zu. Mit einem Fehlpass nach zehn Minuten hätte er fast die Leipziger Führung eingeleitet. "Das war ein kurzer Schock, aber ich habe mir gedacht: einfach abhaken und weitermachen." Und der junge Mittelfeldspieler steigerte sich wie die ganze Mannschaft, am Ende war der Sieg nach Toren von Pablo de Blasis (28.), Alexandru Maxim (85.) und eben Baku (90.) nicht unverdient.

Baku ist seit der E-Jugend beim FSV

Seit der E-Jugend spielt Baku für Nullfünf und seither kennt ihn auch der Mainzer Vorstandschef Stefan Hofmann, der früher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums des Clubs war. Hofmann sagte: "Am Anfang war die ein oder andere unsichere Aktion, aber Ridle steckt das weg – und das hat er auch gezeigt." Weil er ein großer Fan des deutschen Nationalspielers Karl-Heinz Riedle war, nannte sein Vater Baku immer Ridle. Eigentlich hieß er bis vor einigen Monaten Bote. Aber Anfang 2018 ließ er sich in seinen Personalausweis den Vornamen Ridle schreiben, das "e" hat er aber offenbar übersehen.

>>> Von der Raststätte abgeholt

"Er war ein wichtiges Element. In seinem ersten Bundesliga-Spiel, wo vielleicht zu Beginn die Dinge noch nicht so funktionieren, gegen einen sehr guten Gegner, sich so reinzubeißen, das ist sensationell." Sandro Schwarz (Trainer 1. FSV Mainz 05)

"Der Trainer hat noch kurz mit mir gesprochen und gesagt: Bleib cool und spiele wie im Training – und dann ging es auch schon los", erzählte Baku hinterher über die aufregenden Stunden zwischen Autobahnraststätte und Bundesliga-Einsatz. Seine Stärke sei das Tempodribbling erläuterte Baku und meinte: "Ich habe gemerkt: Das kann ich auch in der Bundesliga zeigen." Trainer Schwarz gefiel die Leistung des Youngsters "Er war ein wichtiges Element. Das ist sensationell. So eine Entwicklung im Spiel zu nehmen, das ist bemerkenswert. In seinem ersten Bundesliga-Spiel, wo vielleicht zu Beginn die Dinge noch nicht so funktionieren, gegen einen sehr guten Gegner, sich so reinzubeißen", lobte Schwarz, der wie die ganze Mannschaft nach Bakus Tor im Vollsprint zum Jubeln Richtung Torschütze raste.

Hack: "Da können sich einige was abschauen"

Nach seinem Tor habe er nichts mehr gedacht, berichtete Baku: "Ich habe dann nur noch auf die Kurve geschaut." Mitspieler Alexander Hack lobte die Coolness des Talents bei seinem Torschuss: "Da können sich einige Offensivspieler etwas abgucken", meinte der an diesem Tag überragende Abwehrmann. Baku meinte aber nur frech: "Ich habe gesehen, dass das lange Eck frei war und den Ball dann reingeschoben."

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Ridle Baku schlägt zu: In der 90. Minute trifft der Deutsch-Kongolese zum 3:0
Ridle Baku schlägt zu: In der 90. Minute trifft der Deutsch-Kongolese zum 3:0 © imago / Jan Hübner

Wie es mit Baku bei den Profis nun weitergeht, wird man sehen. Trainer Schwarz sagt, Baku habe in den vergangenen Monaten sehr gute Leistungen in der U23 gezeigt und auch in den Trainingseinheiten der Profis überzeugt. Die U23 der Mainzer gewann übrigens auch ohne Baku in Freiburg: mit 3:2.

Von Tobias Schächter